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Schuppe

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Anatomie & Körperbau > Haut, Fell & Co

Definition & Überblick

Als Schuppe (lat. squama, Plural: squamae) bezeichnet man eine plattenförmige, mehr oder weniger starre Bildung der Haut (Integumentum commune), die aus verhornendem oder mineralisiertem Gewebe besteht. Schuppen gehören zu den Hautanhangsgebilden (Adnexa cutis) und treten bei einer Vielzahl von Wirbeltiergruppen auf – insbesondere bei Fischen (Pisces), Reptilien (Reptilia), einigen Säugetieren (Mammalia) und in modifizierter Form bei Vögeln (Aves). Sie dienen primär dem mechanischen Schutz der darunterliegenden Gewebe, erfüllen jedoch je nach Tierart weitere Funktionen wie Thermoregulation, Tarnung und Reduktion des transepidermalen Wasserverlusts. In der vergleichenden Veterinäranatomie unterscheidet man grundsätzlich zwischen dermalen Schuppen, die aus der Lederhaut (Dermis) hervorgehen, und epidermalen Schuppen, die ausschließlich von der Oberhaut (Epidermis) gebildet werden.

Aufbau & Struktur

Der histologische und makroskopische Aufbau einer Schuppe variiert erheblich je nach taxonomischer Zugehörigkeit des Tieres. Grundsätzlich lassen sich zwei Haupttypen unterscheiden:

  • Dermale Schuppen (Dermalschuppen): Sie entstehen in der Dermis (Corium) und bestehen je nach Tierart aus Knochen, Dentin oder Schmelz-ähnlichem Gewebe. Typische Vertreter sind die Placoidschuppen der Knorpelfische (Chondrichthyes), die strukturell den Zähnen gleichen und aus einer Pulpahöhle, Dentin und einer Schmelzkappe (Vitrodentin) aufgebaut sind. Bei Knochenfischen (Osteichthyes) finden sich Cycloid- und Ctenoidschuppen, die aus einer knöchernen Grundplatte (Isopedine) bestehen und dachziegelartig angeordnet sind.
  • Epidermale Schuppen (Epidermalschuppen): Sie bestehen aus verhorntem Epithel und werden ausschließlich von der Epidermis gebildet. Dieses Bauprinzip findet sich bei Reptilien, an den Läufen (Podotheca) der Vögel sowie an den Schwänzen vieler Nagetiere. Das Hauptstrukturprotein ist hier Keratin, wobei Reptilien sowohl α-Keratin als auch das härtere β-Keratin synthetisieren.

Die Schuppe besteht histologisch häufig aus einer äußeren Oberschicht (Oberhautlage), einer Mesolage und einer basalen Keimschicht (Stratum germinativum), aus der die Regeneration erfolgt. Bei Reptilien liegt zwischen zwei aufeinanderfolgenden Schuppen eine dünne, flexible Gelenkzone (Interschuppen-Epidermis), die Beweglichkeit ermöglicht.

Funktion

Die funktionelle Bedeutung von Schuppen ist vielfältig und umfasst folgende Hauptaspekte:

  • Mechanischer Schutz: Schuppen bilden eine widerstandsfähige Barriere gegen Abrieb, Verletzungen und Prädatoren. Besonders ausgeprägt ist diese Schutzfunktion bei den Ganoidschuppen der Störe und den Placoidschuppen der Haie.
  • Schutz vor Austrocknung: Die keratinisierten Epidermalschuppen der Reptilien reduzieren den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) erheblich und waren ein entscheidender evolutionärer Schritt bei der Eroberung terrestrischer Lebensräume.
  • Hydrodynamik: Die Placoidschuppen der Haie reduzieren den Strömungswiderstand, indem sie Mikroturbulenzen an der Körperoberfläche erzeugen – ein Prinzip, das in der Bionik intensiv erforscht wird.
  • Tarnung und Kommunikation: Bei zahlreichen Reptilien und Fischen tragen Schuppen Chromatophoren (Pigmentzellen), die Farbwechsel, Tarnung und intraspezifische Signalgebung ermöglichen.
  • Lokomotion: Die Bauchschuppen (Scuta ventralia) der Schlangen greifen in Unebenheiten des Untergrunds und ermöglichen so die charakteristische schlangenspezifische Fortbewegung.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Anatomie offenbart eine bemerkenswerte Vielfalt im Schuppenaufbau:

Fische: Knorpelfische tragen Placoidschuppen mit echtem Dentin und Schmelz. Knochenfische besitzen entweder glattrandige Cycloidschuppen (z. B. Karpfen) oder kammrandige Ctenoidschuppen (z. B. Barsche). Die konzentrischen Wachstumsringe (Circuli) auf Knochenfisch-Schuppen erlauben eine Altersbestimmung, vergleichbar mit Jahresringen bei Bäumen.

Reptilien: Schildkröten tragen auf dem Panzer (Carapax) großflächige Hornschilde (Scuta), die über knöchernen Platten liegen. Echsen besitzen häufig heterogene Beschuppung mit unterschiedlich großen Granular-, Kiel- und Tuberkelschuppen. Schlangen häuten sich regelmäßig in einem Stück (Ecdysis), wobei die gesamte äußere Epidermisschicht abgestreift wird.

Vögel: Ausschließlich an den Ständern (Tarso-Metatarsalbereich) und Zehen tragen Vögel epidermale Schuppen, die als Podotheca zusammengefasst werden. Entwicklungsbiologisch teilen diese Schuppen einen gemeinsamen Ursprung mit den Federn.

Säugetiere: Echte Schuppen kommen bei Schuppentieren (Manidae, Pholidota) vor; sie bestehen aus verschmolzenem Keratin und bedecken den gesamten Rücken und die Flanken. Bei Ratten und Mäusen finden sich epidermale Schuppen am Schwanz, zwischen denen