Schwung
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Definition und Bedeutung des Schwungs
Schwung bezeichnet in der Reitlehre eine der grundlegenden Qualitäten der Pferdebewegung. Er beschreibt das energische, elastische und fließende Vorwärtsbewegen des Pferdes, bei dem die Hinterbeine kraftvoll unter den Schwerpunkt treten und die dabei erzeugte Bewegungsenergie über einen losgelassenen Rücken bis zum nachgebenden Genick durchfließt. In der klassischen Ausbildungsskala der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) steht der Schwung an vierter Stelle – nach Takt, Losgelassenheit und Anlehnung – und bildet damit eine zentrale Schnittstelle zwischen den Grundlagen und den weiterführenden Ausbildungszielen Geraderichtung und Versammlung.
Schwung ist ausschließlich in den Gangarten Trab und Galopp vorhanden, da nur diese eine Schwebephase aufweisen. Im Schritt, der keine Schwebephase besitzt, kann zwar Aktivität und Raumgriff gezeigt werden, jedoch kein Schwung im eigentlichen Sinne. Diese Unterscheidung ist für das Verständnis der Reitlehre grundlegend.
Biomechanische Grundlagen
Der Schwung entsteht durch das aktive Untertreten der Hinterhand. Die Hinterbeine des Pferdes fungieren als Schub- und Tragkraft: Sie stoßen den Pferdekörper nach vorne-oben ab und federn bei der Landung elastisch ab. Die so erzeugte kinetische Energie wird über die Muskulatur des Rückens – insbesondere den langen Rückenmuskel (Musculus longissimus dorsi) – nach vorne übertragen.
Ein Pferd mit gutem Schwung zeigt folgende biomechanische Merkmale:
- Aktive Hinterhand: Die Hinterbeine treten weit unter den Schwerpunkt und schieben den Körper energisch nach vorne.
- Schwingender Rücken: Die Rückenmuskulatur arbeitet locker und elastisch, wodurch sie die Bewegungsenergie weiterleitet und den Reiter federnd trägt.
- Deutliche Schwebephase: In Trab und Galopp hebt sich das Pferd klar vom Boden ab, was den Ausdruck von Kadenz und Erhabenheit erzeugt.
- Durchlässigkeit bis zum Genick: Die Energie fließt durch den gesamten Pferdekörper hindurch, ohne an irgendeiner Stelle blockiert zu werden.
Die Qualität des Schwungs hängt eng mit dem Exterieur des Pferdes zusammen. Rassen mit langem, gut bemuskeltem Rücken, einer schrägen Schulter und kräftiger Hinterhand – etwa Warmblüter wie Hannoveraner, Oldenburger oder Holsteiner – bringen oft natürliche Veranlagung für schwungvolle Bewegungen mit. Allerdings lässt sich auch bei weniger prädestinierten Pferden der Schwung durch systematische Gymnastizierung verbessern.
Schwung in der Ausbildungsskala
Die Ausbildungsskala der FN gliedert sich in sechs aufeinander aufbauende Stufen: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung. Schwung kann nur dann entstehen, wenn die drei vorhergehenden Punkte ausreichend entwickelt sind. Ein verspanntes Pferd ohne Losgelassenheit kann keinen echten Schwung zeigen, ebenso wenig ein Pferd, das sich der Reiterhand entzieht und keine stabile Anlehnung sucht.
Der Schwung bildet den Übergang von der sogenannten Gewöhnungsphase zur Entwicklung der Schubkraft. Erst wenn das Pferd schwungvoll geht, kann die weitere Gymnastizierung in Richtung Geraderichtung und schließlich Versammlung sinnvoll vorangetrieben werden. Dabei verwandelt sich die Schubkraft der Hinterhand zunehmend in Tragkraft – ein Prozess, der das Pferd befähigt, sich in den höheren Lektionen der Dressur zu tragen.
Erarbeitung und Förderung des Schwungs
Der Reiter entwickelt den Schwung seines Pferdes durch gezielte gymnastische Arbeit. Dabei spielen mehrere Trainingsmethoden eine Rolle:
- Übergänge: Häufige Wechsel zwischen den Gangarten und innerhalb einer Gangart (Zulegen und Aufnehmen) aktivieren die Hinterhand und fördern den Schub.
- Cavaletti-Arbeit: Das Traben und Galoppieren über Bodenricks und Cavaletti regt das Pferd zu erhöhtem Abfußen und vermehrtem Untertreten an.
- Seitengänge: Übungen wie Schulterherein oder Travers verbessern die Lastaufnahme der Hinterbeine und machen das Pferd durchlässiger.
- Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen: Diese Übung überprüft, ob das Pferd den Schwung über den Rücken beibehält, wenn die Zügelverbindung sich verlängert.
- Longieren: Arbeit an der Longe, insbesondere mit Hilfszügeln wie dem Dreieckszügel, kann ein Pferd ohne Reitergewicht zu schwungvolleren Bewegungen anregen.
Entscheidend ist die Einwirkung des Reiters: Durch ein treibendes, einfühlsames Bein, einen elastisch mitschwingenden Sitz und eine weich nachgebende Hand ermöglicht der Reiter dem Pferd, den Schwung zu entfalten. Ein steifer oder verkrampfter Sitz blockiert den Rücken des Pferdes und unterbindet den Schwung unmittelbar.
Schwung versus Eile
Eine häufige Verwechslung in der Praxis betrifft den Unterschied zwischen Schwung und Eile. Ein eiliges Pferd bewegt sich zwar schnell, zeigt aber flache, hastende Tritte ohne echte Tragkraft und Elastizität. Die Schwebephase ist verkürzt, der Rücken fest, und das Pferd fällt auf die Vorhand. Echter Schwung hingegen zeigt sich in ruhigen, raumgreifenden Tritten mit klarer Aufwärtstendenz und einem gleichmäßigen Takt.
Richter in Dressurprüfungen bewerten den Schwung als eigenständiges Kriterium. In den sogenannten Kollektivnoten am Ende eines Dressurprotokolls wird der Schwung gesondert benotet. Ein Pferd, das mit Schwung und Elastizität durch die Bahn getragen wird, erhält hier deutlich höhere Bewertungen als