Seegraswiese
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Definition und Überblick
Eine Seegraswiese ist ein submariner Lebensraum, der von Seegräsern – blütentragenden, im Meeresboden verwurzelten Gefäßpflanzen – gebildet wird. Anders als Algen besitzen Seegräser echte Wurzeln, Blätter und ein Rhizom, also ein unterirdisches Sprossachsensystem, mit dem sie sich im Sediment verankern und vegetativ ausbreiten. Seegraswiesen zählen zu den produktivsten marinen Ökosystemen der Erde und kommen weltweit in flachen Küstengewässern vor, von tropischen Lagunen bis in gemäßigte Breiten. In Nord- und Ostsee bilden vor allem das Gewöhnliche Seegras (Zostera marina) und das Zwerg-Seegras (Zostera noltei) ausgedehnte Bestände.
Verbreitung und Standortbedingungen
Seegraswiesen siedeln bevorzugt auf sandigen oder schlickigen Weichböden in der Flachwasserzone, dem sogenannten Sublitoral, in Tiefen von wenigen Zentimetern bis etwa 40 Metern. Entscheidend für ihr Vorkommen sind ausreichende Lichtverhältnisse, da Seegräser wie alle Gefäßpflanzen auf Photosynthese angewiesen sind. Trübes Wasser, etwa durch Sedimentaufwirbelung oder Algenwachstum infolge von Nährstoffüberschuss, begrenzt daher die Ausdehnung und Tiefenverbreitung.
Weltweit existieren rund 70 Seegrasarten, die in sechs Familien eingeordnet werden. Die größten zusammenhängenden Seegrasbestände finden sich im Indopazifik, an den Küsten Australiens und im Mittelmeer. In Europa erstrecken sich bedeutende Vorkommen entlang der Atlantikküste, im Wattenmeer sowie in den flachen Buchten der westlichen Ostsee.
Aufbau und Wuchsform
Eine typische Seegraswiese besteht aus einem dichten Geflecht unterirdischer Rhizome, aus denen nach oben hin bandförmige, flexible Blätter wachsen. Diese Blätter können je nach Art wenige Zentimeter bis über einen Meter lang werden. Das Rhizomsystem stabilisiert den Meeresboden und verhindert Erosion. Die Blattoberflächen sind von einem Biofilm aus Kieselalgen, Bakterien und anderen Aufwuchsorganismen – dem sogenannten Epiphytenbewuchs – überzogen, der wiederum als Nahrungsquelle für zahlreiche Tierarten dient.
Zwischen den Blattspreiten entsteht ein dreidimensionaler Lebensraum, der sich deutlich von der umgebenden offenen Sandfläche unterscheidet. Die Pflanzen bremsen die Strömung, begünstigen die Ablagerung feiner Partikel und schaffen so ein geschütztes Mikrohabitat.
Ökologische Bedeutung als Tierlebensraum
Seegraswiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Küstenzone. Sie erfüllen eine Vielzahl ökologischer Funktionen:
- Kinderstube: Zahlreiche Fischarten nutzen Seegraswiesen als Laich- und Aufwuchsgebiet. Jungfische von Heringen, Dorschen, Plattfischen und Seenadeln finden zwischen den Blättern Schutz vor Raubfischen. Auch juvenile Garnelen und Krebse sind auf diesen Lebensraum angewiesen.
- Nahrungshabitat: Seegraswiesen bieten ein reichhaltiges Nahrungsnetz. Schnecken, Asseln und Flohkrebse weiden den Aufwuchs von den Blättern ab. Muscheln filtrieren Plankton aus dem Wasser. Seesterne, Strandkrabben und Grundeln jagen zwischen den Pflanzen.
- Weidegründe für Großtiere: In tropischen Gewässern ernähren sich Dugongs und Grüne Meeresschildkröten direkt von Seegrasblättern. In Europa fressen überwinternde Gänse und Schwäne, etwa Ringelgänse und Singschwäne, die Pflanzen bei Niedrigwasser oder tauchen nach ihnen.
- Strukturgeber: Die Blätter dienen Seepferdchen als Haltepunkt, Seenadeln als Tarnung und Röhrenwürmern als Substrat für ihre Wohnröhren. In den Rhizomen siedeln Borstenwürmer, Herzmuscheln und verschiedene Krebstiere im sogenannten Infaunal-Bereich.
Ökosystemleistungen
Über ihre Funktion als Tierlebensraum hinaus erbringen Seegraswiesen Leistungen, die für das gesamte Küstenökosystem und den Menschen bedeutsam sind. Eine einzelne Seegraspflanze kann pro Tag mehrere Liter Wasser mit Sauerstoff anreichern. Große Bestände verbessern dadurch die Wasserqualität messbar. Gleichzeitig binden die Rhizome und das Sediment darunter erhebliche Mengen an Kohlenstoff – man spricht von Blauem Kohlenstoff (Blue Carbon). Pro Hektar speichern Seegraswiesen teils mehr CO₂ als vergleichbare Flächen an Land, etwa Waldgebiete.
Das Wurzelsystem wirkt zudem als natürlicher Küstenschutz: Es festigt das Sediment, dämpft Wellenschlag und reduziert so die Abtragung der Uferlinien. Abgestorbenes Seegras, das als Treibsel an den Strand gespült wird, schützt dort ebenfalls vor Erosion und bildet ein eigenes Habitat für Strandflöhe, Käfer und andere Invertebraten.
Gefährdung und Rückgang
Weltweit gehen Seegrasbestände seit Jahrzehnten zurück. Die Ursachen sind vielfältig:
- Eutrophierung: Übermäßiger Eintrag von Stickstoff und Phosphor aus Landwirtschaft und Abwässern fördert das Wachstum von Plankton und Fadenalgen, die das Licht von den Seegräsern abschirmen.
- Mechanische Zerstörung: Grundschleppnetzfischerei, Ankerwurf, Baggerarbeiten und Hafenbau beschädigen Rhizome und reißen ganze Bestände heraus.
- Klimawandel: Steigende Wassertemperaturen, häufigere Hitzewellen und der Anstieg des Meeresspiegels setzen insbesondere Arten in flachen Gewässern unter Druck.
- Krankheiten: In den 1930er-Jahren vernichtete die sogenannte