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Seescheide

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Tierart – weltweit > Wassertiere – weltweit (weitere)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ascidiacea (Klasse)
  • Stamm: Chordata (Chordatiere)
  • Unterstamm: Tunicata (Manteltiere)
  • Ordnungen: u. a. Aplousobranchia, Phlebobranchia, Stolidobranchia
  • Familien: über 100 Familien mit ca. 2.300 beschriebenen Arten
  • Lebensraum: marine Habitate weltweit, vom Flachwasser bis in die Tiefsee
  • Größe: wenige Millimeter bis über 30 cm (Einzeltiere); Kolonien können deutlich größer werden
  • Gewicht: artabhängig, wenige Gramm bis mehrere hundert Gramm
  • Lebenserwartung: je nach Art wenige Monate bis über 10 Jahre

Aussehen & Merkmale

Seescheiden wirken auf den ersten Blick wenig wie Tiere. Ihre äußere Erscheinung erinnert eher an Schwämme oder Pflanzengewächs. Der Körper ist von einem festen, oft ledrig-knorpeligen Mantel umgeben, dem sogenannten Tunica. Diese namensgebende Hülle besteht aus Tunicin, einem Polysaccharid, das chemisch der pflanzlichen Cellulose ähnelt – eine Besonderheit im Tierreich. Die Tunica kann glatt, runzelig, durchscheinend oder kräftig gefärbt sein. Viele Arten zeigen leuchtende Töne in Orange, Gelb, Violett oder Blau.

Jedes Tier besitzt zwei auffällige Öffnungen: eine Einströmöffnung (Ingestionssiphon) und eine Ausströmöffnung (Egestionssiphon). Durch die Einströmöffnung wird Wasser aufgenommen, durch die Ausströmöffnung wieder ausgestoßen – ein Vorgang, der zur Filtration von Nahrungspartikeln dient. Im Inneren befindet sich ein großer Kiemendarm (Pharynx), der von zahlreichen feinen Spalten (Kiemenspalten) durchzogen ist und als Filterapparat fungiert. Herz, Verdauungstrakt und ein einfaches Nervensystem liegen im unteren Körperabschnitt.

Solitäre Arten wie die Gattung Ciona oder Styela leben als Einzeltiere, während koloniale Formen wie Botryllus schlosseri (Stern-Seescheide) aus vielen kleinen Einzelindividuen (Zooiden) bestehen, die in einer gemeinsamen Tunica eingebettet sind und sternförmige Muster bilden.

Lebensraum & Verbreitung

Seescheiden besiedeln ausschließlich marine Lebensräume. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über sämtliche Ozeane, von tropischen Korallenriffen bis in arktische und antarktische Gewässer. Die meisten Arten leben im Litoral und Sublitoral, also im Bereich von der Gezeitenzone bis in etwa 200 Meter Tiefe. Einige Spezies wurden jedoch auch in Tiefen von über 7.000 Metern nachgewiesen.

Als sessile Organismen heften sich Seescheiden an Hartsubstrate wie Felsen, Korallen, Muschelschalen, Hafenmauern, Schiffsrümpfe und Bojen. In Hafenbecken und an Küstenbauwerken treten sie häufig als Aufwuchs (Bewuchsgemeinschaft) auf. Manche Arten gelten in bestimmten Regionen als invasive Spezies, da sie durch Ballastwasser oder Schiffsbewuchs in neue Biotope verschleppt wurden und dort einheimische Arten verdrängen können. Ein bekanntes Beispiel ist Didemnum vexillum, eine koloniale Seescheide, die sich in nordeuropäischen und nordamerikanischen Küstengewässern stark ausgebreitet hat.

Ernährung

Seescheiden sind Filtrierer (Suspensionsfresser). Sie erzeugen durch Zilienschlag im Kiemendarm einen kontinuierlichen Wasserstrom, der durch die Einströmöffnung eintritt. Im Pharynx wird das Wasser durch ein feines Schleimgitter geleitet, das von der Endostyldrüse produziert wird. Dieses Schleimgitter fängt Phytoplankton, Bakterien, Detritus und andere organische Partikel ab. Die mit Nahrung beladene Schleimschicht wird anschließend in den Magen transportiert und verdaut. Gefiltertes Wasser verlässt den Körper durch die Ausströmöffnung. Eine einzelne, mittelgroße Seescheide kann pro Stunde mehrere Liter Wasser filtrieren und trägt damit zur Klärung des umgebenden Wassers bei.

Verhalten & Lebensweise

Als festsitzende Tiere zeigen adulte Seescheiden kein aktives Fortbewegungsverhalten. Ihre Aktivität beschränkt sich auf die Regulation des Wasserstroms und auf Schutzreaktionen: Bei Berührung oder mechanischer Reizung kontrahieren sich die Siphonen ruckartig, wobei ein Wasserstrahl ausgestoßen wird – daher der volkstümliche englische Name „sea squirt" (Meeresspritzer). Dieser Reflex wird über ein diffuses, dezentrales Nervensystem gesteuert.

Koloniale Arten zeigen eine gewisse Koordination zwischen den einzelnen Zooiden. Bei Botryllus schlosseri teilen sich mehrere Zooide eine gemeinsame Ausströmöffnung, was auf ein rudimentäres Maß an kolonialer Integration hindeutet. Seescheiden sind weder tag- noch nachtaktiv im eigentlichen Sinne, da ihr Filterverhalten weitgehend kontinuierlich abläuft.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die meisten Seescheiden sind Zwitter (Hermaphroditen), die sowohl Eizellen als auch Spermien produzieren. Selbstbefruchtung wird bei vielen Arten durch chemische Erkennungsmechanismen verhindert. Die Befruchtung erfolgt je nach Art intern oder extern im freien Wasser. Aus dem befruchteten Ei entwickelt sich eine freischwimmende Larve, die in ihrer Grundstruktur einem Kaulquappen-Stadium ähnelt und als Tadpole-Larve bezeichnet wird.

Diese Larve besitzt ein Merkmal, das Seescheiden in die unmittelbare Verwandtschaft der Wirbeltiere rückt: eine Chorda dorsalis (Rückenstrang), ein dorsales Neuralrohr und einen rudimentären Schwanz mit Muskulatur. Die Larvalphase dauert nur wenige Stunden bis Tage. In dieser Zeit sucht die Larve mithilfe eines lichtempf