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Selen

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Futter & Ernährung > Ernährung & Nährstoffe

Definition & Überblick

Selen ist ein essentielles Spurenelement, das im Organismus von Tieren zahlreiche lebenswichtige Funktionen erfüllt. Chemisch gehört es zu den Halbmetallen und kommt in der Natur sowohl in organischer als auch in anorganischer Form vor. Obwohl der Körper nur geringste Mengen benötigt – meist im Mikrogramm-Bereich – ist eine ausreichende Versorgung über die Futterration unverzichtbar. Ein Mangel kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, eine Überdosierung allerdings ebenso. Selen zählt damit zu den Mineralstoffen, bei denen die Gratwanderung zwischen Bedarf und Toxizität besonders schmal ist.

In der Tierernährung wird Selen häufig über Ergänzungsfuttermittel oder selenangereicherte Mineralfutter zugeführt. In einigen Regionen Europas – darunter weite Teile Deutschlands – sind die Böden selenarm, sodass Grundfuttermittel wie Heu, Gras oder Getreide oft nicht genügend Selen enthalten, um den Bedarf der Tiere zu decken. Die gezielte Supplementierung ist daher in der modernen Tierhaltung weit verbreitet.

Zusammensetzung & Inhaltsstoffe

Selen liegt in Futtermitteln und Nahrungsergänzungen in verschiedenen chemischen Formen vor:

  • Organisches Selen: Hauptsächlich als Selenomethionin und Selenocystein, gebunden an Aminosäuren. Diese Form kommt natürlich in Selenhefe, Fischmehl, Fleisch und bestimmten Pflanzen vor. Die Bioverfügbarkeit ist hoch, da der Körper organisches Selen gut resorbieren und in Körperproteine einbauen kann.
  • Anorganisches Selen: Meist als Natriumselenit oder Natriumselenat. Diese Verbindungen werden häufig in Mineralfuttermischungen und Alleinfuttermitteln eingesetzt. Sie sind kostengünstiger, werden aber etwas schlechter verwertet als organische Formen.

Natürliche Selenquellen im Futter sind unter anderem Fischmehl, Fleischknochenmehl, Bierhefe, Sonnenblumenkerne und bestimmte Getreidesorten. Der Selengehalt pflanzlicher Futtermittel schwankt jedoch erheblich und hängt unmittelbar vom Selengehalt des Bodens ab, auf dem die Pflanzen gewachsen sind. Im Körper selbst wird Selen in über 25 sogenannte Selenoproteine eingebaut, die als Enzyme und Schutzfaktoren wirken – allen voran die Glutathionperoxidase, die Zellen vor oxidativem Stress schützt.

Für welche Tiere geeignet?

Grundsätzlich benötigen alle Wirbeltiere Selen als essentielles Spurenelement. In der Praxis spielt die Selenversorgung bei folgenden Tierarten eine besonders wichtige Rolle:

  • Pferde: Besonders gefährdet für Selenmangel, da sie überwiegend mit Raufutter (Heu, Gras) gefüttert werden, das in selenarmen Regionen zu wenig Selen enthält. Die sogenannte Weißmuskelkrankheit bei Fohlen ist eine klassische Mangelerkrankung.
  • Rinder und Schafe: Wiederkäuer auf selenarmen Weiden zeigen häufig Fruchtbarkeitsstörungen, Muskeldystrophie bei Jungtieren und Immunschwäche. Bei Lämmern und Kälbern kann ein Mangel lebensbedrohlich sein.
  • Hunde und Katzen: Kommerzielle Alleinfuttermittel sind in der Regel ausreichend mit Selen supplementiert. Bei Rohfütterung (BARF) kann jedoch eine Unterversorgung entstehen, wenn die Futterration nicht sorgfältig zusammengestellt wird.
  • Geflügel: Legehennen und Mastgeflügel benötigen eine zuverlässige Selenversorgung für Fruchtbarkeit, Eiqualität und Immunabwehr.
  • Reptilien und Ziervögel: Auch bei Exoten ist Selen relevant, wenngleich die Datenlage dünner ist. Eine pauschale Supplementierung ohne tierärztliche Beratung ist hier nicht empfehlenswert.

Fütterungsempfehlung

Die empfohlene Selenzufuhr variiert erheblich je nach Tierart, Körpergewicht, Leistungsniveau und physiologischem Zustand:

  • Pferde: Etwa 1–3 mg Selen pro Tag für ein 500-kg-Pferd. Tragende Stuten und Sportpferde haben einen erhöhten Bedarf.
  • Hunde: Rund 1,3 µg Selen pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, je nach Quelle und Empfehlung.
  • Katzen: Ähnlich wie Hunde, wobei der Bedarf bei reiner Fleischfütterung ohne Innereien unterschätzt werden kann.
  • Rinder: 0,1–0,3 mg Selen pro Kilogramm Trockensubstanz im Futter.

Selen wird in der Regel täglich über die normale Futterration zugeführt. Bei Weidetieren oder Tieren mit saisonaler Fütterung kann eine Supplementierung über Mineralsteinlecksteine, Boli oder regelmäßige Injektionen durch den Tierarzt sinnvoll sein. Das Fütterungsintervall richtet sich dabei nach der gewählten Darreichungsform. Wichtig ist, die Gesamtfuttermenge und alle Einzelkomponenten – einschließlich Mineralfutter, Kraftfutter und eventueller Zusatzpräparate – in die Berechnung einzubeziehen, um eine Überversorgung zu vermeiden.

Vorteile & Nachteile

Vorteile einer bedarfsgerechten Selenversorgung:

  • Starker antioxidativer Schutz der Zellen durch Aktivierung der Glutathionperoxidase
  • Unterstützung des Immunsystems und der körpereigenen Abwehrkräfte
  • Förderung der Fruchtbarkeit bei Zucht- und Nutztieren
  • Schutz der Muskulatur vor degenerativen Veränderungen
  • Unterstützung der Schilddrüsenfunktion, da Selen an der Umwandlung von Schilddrüsenhormonen beteiligt ist
  • Synergistische Wirkung mit Vitamin E – beide Nährstoffe ergänzen sich im antioxidativen Schutzsystem