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Sperbereule

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Tierart – Vögel > Eulen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Surnia ulula
  • Ordnung: Eulen (Strigiformes)
  • Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
  • Gattung: Surnia (monotypisch)
  • Lebensraum: Boreale Nadelwälder der Nordhalbkugel (Taiga)
  • Größe: 36–41 cm Körperlänge, Flügelspannweite 74–81 cm
  • Gewicht: 250–380 g (Weibchen etwas schwerer als Männchen)
  • Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 16 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Sperbereule ist eine mittelgroße Eule mit einem unverwechselbaren Erscheinungsbild, das sie deutlich von anderen europäischen Eulenarten abhebt. Ihr Name leitet sich von der auffälligen Querstreifung an Brust und Bauch ab, die an das Gefieder eines Sperbers (Accipiter nisus) erinnert. Die Oberseite ist dunkelbraun mit weißen Flecken, während die Unterseite auf weißem Grund dichte, schmale braune Querbänder zeigt.

Der Kopf wirkt im Vergleich zu anderen Eulen eher klein und flach. Ein deutlich ausgeprägter, schwarz umrandeter Gesichtsschleier rahmt das Gesicht ein, ist jedoch weniger schüsselförmig als bei nachtaktiven Eulenarten. Die Augen sind leuchtend gelb und relativ klein. Seitlich am Kopf befinden sich keine Federohren – ein Merkmal, das die Sperbereule mit dem Steinkauz und dem Raufußkauz teilt.

Besonders charakteristisch ist der lange, keilförmige Schwanz, der der Eule im Flug ein habichtartiges Profil verleiht. Die Flügel sind relativ kurz und spitz. In Kombination mit dem langen Schwanz ergibt sich ein Flugbild, das eher an einen Greifvogel als an eine typische Eule erinnert. Die Beine und Zehen sind dicht befiedert, was als Anpassung an die kalten Lebensräume im hohen Norden zu verstehen ist.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Sperbereule erstreckt sich über die boreale Zone der gesamten Nordhalbkugel. In Europa besiedelt sie Skandinavien und das nördliche Russland, in Asien reicht das Habitat bis nach Kamtschatka und die Mandschurei. In Nordamerika kommt sie von Alaska über Kanada bis in die nördlichen US-Bundesstaaten vor. Die nordamerikanische Unterart Surnia ulula caparoch unterscheidet sich geringfügig in Gefiederfärbung und Größe von der Nominatform Surnia ulula ulula.

Als typischer Taiga-Bewohner bevorzugt die Sperbereule lichte Nadelwälder aus Fichten, Kiefern und Lärchen, durchsetzt mit Birken und offenen Lichtungen. Brandflächen und Kahlschläge mit einzelnen stehengebliebenen Bäumen werden als Jagdhabitat besonders geschätzt, da sie gute Sichtverhältnisse bieten. In geschlossenen, dichten Waldbeständen fehlt die Art in der Regel.

In Mitteleuropa tritt die Sperbereule nur als seltener Wintergast auf. In manchen Jahren, besonders bei Nahrungsknappheit im Brutgebiet, kommt es zu sogenannten Invasionen, bei denen einzelne Individuen bis nach Deutschland, Polen oder in das Baltikum vordringen.

Ernährung

Die Sperbereule ernährt sich überwiegend von Kleinsäugern. Wühlmäuse – insbesondere Rötelmäuse und Erdmäuse – bilden den Hauptanteil der Nahrung. In Jahren mit hoher Lemmingdichte werden diese zur bevorzugten Beute. Ergänzend fängt sie Spitzmäuse, kleine Vögel (etwa Drosseln, Finken und Meisen) sowie gelegentlich Amphibien und größere Insekten.

Die Jagdtechnik ähnelt derjenigen von Greifvögeln. Von einer erhöhten Sitzwarte aus – einem Baumwipfel, einem abgestorbenen Stamm oder einem Pfosten – späht die Eule das umliegende Gelände ab. Hat sie eine Beute erspäht, stößt sie in einem flachen, schnellen Gleitflug herab. Dabei kann sie Beutetiere auch unter einer dünnen Schneedecke orten, wobei sie sich sowohl auf ihr Sehvermögen als auch auf ihr Gehör stützt. Der typische rüttelnde Suchflug, bei dem die Eule in der Luft steht, erinnert an die Jagdweise von Turmfalken.

Verhalten & Lebensweise

Im Gegensatz zu den meisten anderen Eulenarten ist die Sperbereule vorwiegend tagaktiv. Diese Eigenschaft steht in direktem Zusammenhang mit ihrem Lebensraum: In den subarktischen Brutgebieten herrscht im Sommer nahezu durchgehend Tageslicht. Auch im Winter jagt sie bevorzugt während der wenigen hellen Stunden. Ihre Augen sind dementsprechend weniger lichtempfindlich als die rein nachtaktiver Eulen, dafür besser auf die Wahrnehmung schneller Bewegungen bei Tageslicht eingestellt.

Die Sperbereule ist in der Regel ein Standvogel, der ganzjährig in seinem Revier verbleibt. Nur bei ausgeprägtem Nahrungsmangel unternimmt sie längere Wanderungen in südlichere Gebiete. Einzelne Individuen sind territorial und verteidigen ihr Revier energisch gegenüber Artgenossen und potenziellen Nesträubern. Selbst deutlich größere Greifvögel wie Habichte oder Bussarde werden angegriffen, wenn sie sich dem Brutplatz nähern.

Der Ruf des Männchens ist ein schnelles, trillerndes „ulululululul", das bis zu 14 Sekunden andauern kann und über weite Entfernungen hörbar ist. Es dient sowohl der Reviermarkierung als auch der Anlockung von Weibchen während der Balz.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt je nach Region zwischen März und Mai. Die Balz wird vom Männchen eingeleitet, das mit Rufen und Flugvorführungen um ein Weibchen wirbt. Zur Balz gehört auch die Übergabe von Beutetieren an das Weibchen – ein Verhalten, das als Balzfütterung bezeichnet wird und bei vielen Eulenarten vorkommt.