Springen
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Definition und Überblick
Das Springen, im Pferdesport offiziell als Springreiten bezeichnet, ist eine Disziplin, bei der Reiter und Pferd einen Parcours aus verschiedenen Hindernissen in einer festgelegten Reihenfolge überwinden müssen. Ziel ist es, den Kurs fehlerfrei und innerhalb der erlaubten Zeit zu absolvieren. Das Springreiten zählt neben Dressur und Vielseitigkeit zu den drei olympischen Reitsportdisziplinen und gehört weltweit zu den populärsten Formen des Pferdesports. Die Disziplin stellt hohe Anforderungen an die Athletik des Pferdes, das Gleichgewichtsgefühl des Reiters und die Harmonie zwischen beiden Partnern.
Historische Entwicklung
Die Ursprünge des Springreitens liegen in der Jagdreiterei des 18. und 19. Jahrhunderts, als Reiter bei Fuchsjagden in England und Irland natürliche Hindernisse wie Hecken, Gräben und Mauern überwinden mussten. Die ersten organisierten Springprüfungen fanden Mitte des 19. Jahrhunderts auf landwirtschaftlichen Ausstellungen in Großbritannien und Irland statt. Ab 1900 war Springreiten Teil der Olympischen Spiele in Paris, wurde jedoch erst ab 1912 in Stockholm fest ins olympische Programm aufgenommen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Springreiten von einer vorwiegend militärisch geprägten Übung zu einem professionellen Wettkampfsport mit internationalen Turnierserien, Weltmeisterschaften und einer eigenen Weltrangliste unter dem Dach der Fédération Équestre Internationale (FEI).
Grundlagen der Sprungtechnik
Der Ablauf eines Sprungs gliedert sich in fünf Phasen: Anreiten, Absprung, Flugphase (auch Bascule genannt), Landung und Wegreiten. In der Anreitphase reguliert der Reiter Tempo, Rhythmus und Galoppsprung, um den optimalen Absprungpunkt zu erreichen. Beim Absprung verlagert das Pferd sein Gewicht auf die Hinterhand und stößt sich kraftvoll vom Boden ab. Während der Flugphase wölbt ein gut ausgebildetes Pferd seinen Rücken über dem Hindernis – diese runde Oberlinie wird als Bascule bezeichnet und gilt als Zeichen einer korrekten Sprungtechnik.
Der Reiter nimmt während des Sprungs den sogenannten leichten Sitz ein, bei dem das Gesäß leicht aus dem Sattel gehoben und der Oberkörper nach vorn geneigt wird. Die Hände folgen der Kopf-Hals-Bewegung des Pferdes über dem Sprung, um das Maul nicht zu stören. Diese Technik geht auf den italienischen Rittmeister Federico Caprilli zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts das System des natürlichen Reitens über Hindernisse revolutionierte.
Hindernistypen und Parcoursbau
Im Springparcours kommen verschiedene Hindernisarten zum Einsatz:
- Steilsprung (Hochsprung): Ein Hindernis, bei dem die Stangen senkrecht übereinander angeordnet sind. Es erfordert vor allem Vorsicht und ein gutes Abfußen des Pferdes.
- Oxer: Ein Breitensprung aus zwei hintereinander stehenden Ständern mit Stangen. Beim steigenden Oxer ist die hintere Stange höher als die vordere, beim quadratischen Oxer liegen beide auf gleicher Höhe.
- Tripplebarre: Ein Hindernis aus drei gestaffelten Elementen mit ansteigender Höhe, das besonders viel Sprungweite verlangt.
- Wassergraben: Eine offene Wasserfläche am Boden ohne erhöhte Stange, die das Pferd in der Breite überspringen muss.
- Kombination: Zwei oder drei Hindernisse mit nur ein oder zwei Galoppsprüngen Abstand dazwischen. Man spricht von einer Zweifachen oder Dreifachen Kombination.
Der Parcourschef (Parcoursbauer) entwirft den Kurs und bestimmt die Linienführung, die Distanzen zwischen den Hindernissen sowie die Reihenfolge. Ein gut gebauter Parcours prüft das Pferd in unterschiedlichen Anforderungen: enge Wendungen verlangen Geschmeidigkeit, lange Galoppstrecken testen die Rittigkeit, und wechselnde Distanzen fordern die Einstellfähigkeit des Reiters.
Prüfungsklassen und Bewertung
Springprüfungen werden in verschiedene Schwierigkeitsklassen eingeteilt. In Deutschland reicht die Einteilung von der Klasse E (Einsteiger) mit Hindernishöhen um 80 cm bis zur Klasse S (Schwer) mit Höhen ab 140 cm. International werden Prüfungen nach dem CSI-System (Concours de Saut International) in Sternekategorien von ein bis fünf Sternen klassifiziert, wobei CSI5*-Turniere das höchste Niveau darstellen.
Die häufigste Wertungsform ist die Fehler-Zeit-Prüfung. Jede abgeworfene Stange ergibt vier Strafpunkte, eine Verweigerung des Pferdes vor dem Hindernis ebenfalls vier Strafpunkte. Eine zweite Verweigerung am selben oder einem anderen Hindernis führt bei den meisten Prüfungsformaten zur Disqualifikation. Bei Zeitüberschreitung wird pro angefangener Sekunde ein Strafpunkt addiert. Haben mehrere Reiter null Fehler, entscheidet ein Stechen – ein verkürzter Parcours, in dem der schnellste fehlerfreie Ritt gewinnt.
Ausbildung von Pferd und Reiter
Die Springausbildung baut systematisch auf der dressurmäßigen Grundausbildung auf. Ein Springpferd muss über einen geregelten, taktsicheren Galopp verfügen, sich versammeln und zulegen lassen und prompt auf die Hilfen des Reiters reagieren. Gymnastische Übungen wie Cavaletti-Arbeit, Gymnastikreihen und Bodenricktraining schulen das Sprungvermögen, die Koordination und die Vorsicht des Pferdes.
Für den Reiter stehen die Entwicklung eines ausbalancierten leichten Sitzes, ein unabhängiges Auge für Distanzen und die Fähigkeit zur schnellen Kursanalyse im Vordergrund.