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Stallgasse

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Haltung & Pflege > Unterbringung – allgemein

Definition & Überblick

Die Stallgasse ist der zentrale Verkehrsweg innerhalb eines Stallgebäudes, von dem aus die einzelnen Boxen, Stände oder Gehege zugänglich sind. Sie dient als Hauptachse für sämtliche tägliche Arbeitsabläufe – vom Füttern und Misten über das Herausführen der Tiere bis hin zu tierärztlichen Untersuchungen. Obwohl der Begriff vorrangig in der Pferdehaltung geläufig ist, findet er ebenso Verwendung in Rinder-, Ziegen-, Schaf- und Eselställen sowie in größeren Kleintieranlagen.

Eine gut geplante Stallgasse ist weit mehr als ein bloßer Durchgang. Sie beeinflusst das Wohlbefinden der Tiere, die Arbeitssicherheit des Menschen und die gesamte Stallhygiene maßgeblich. In modernen Haltungskonzepten wird die Stallgasse daher als funktionaler Bestandteil eines artgerechten Unterbringungskonzepts betrachtet und nicht als nachrangiges Bauelement.

Grundlagen & Voraussetzungen

Die Anforderungen an eine Stallgasse ergeben sich aus den Bedürfnissen der gehaltenen Tierart, den tierschutzrechtlichen Vorgaben und den betrieblichen Abläufen. Folgende Grundlagen sind zentral:

  • Breite: Für Pferdeställe empfiehlt sich eine Mindestbreite von 3 Metern, besser sind 3,50 bis 4 Meter. So können Tiere sicher aneinander vorbeigeführt werden, und Maschinen wie Schubkarren oder kleine Radlader finden ausreichend Platz. In Rinderställen gelten ähnliche Richtwerte, abhängig von der Herdengröße. Für Kleintierstallungen reichen schmalere Gänge ab etwa 1,50 Metern.
  • Deckenhöhe: Die lichte Höhe sollte bei Großtieren mindestens 3 Meter betragen. Eine ausreichende Deckenhöhe verbessert die Luftzirkulation erheblich und reduziert die Schadgaskonzentration.
  • Bodenbelag: Der Boden muss rutschfest, belastbar und leicht zu reinigen sein. Gängige Materialien sind geriffelter Beton, Gussasphalt mit Besenstrich oder Pflasterklinker. Glatte Oberflächen stellen ein erhebliches Verletzungsrisiko dar.
  • Beleuchtung: Natürliches Licht durch Fenster oder Lichtbänder ist aus Tierschutzsicht anzustreben. Zusätzlich sollte eine gleichmäßige künstliche Beleuchtung mit mindestens 200 Lux installiert sein, um Stolperfallen sichtbar zu machen und den Tag-Nacht-Rhythmus der Tiere zu unterstützen.
  • Belüftung: Eine funktionierende Stallbelüftung ist unabdingbar. Ammoniak, Staub und Feuchtigkeit müssen zuverlässig abgeführt werden. Die Stallgasse fungiert dabei häufig als Luftkanal – ein Umstand, der bei der Planung berücksichtigt werden muss.

Tierschutzrechtlich gelten die Vorgaben der jeweiligen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sowie die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen oder vergleichbare Richtlinien für andere Tierarten. Diese definieren Mindestmaße, Lichtverhältnisse und Klimabedingungen.

Praktische Umsetzung

Bei der praktischen Gestaltung einer Stallgasse spielen zahlreiche Details eine Rolle, die im Alltag den Unterschied zwischen einem funktionalen und einem problematischen Stall ausmachen.

Anordnung der Boxen: Am häufigsten ist die beidseitige Boxenanordnung entlang einer Mittelgasse. Diese Bauweise nutzt den vorhandenen Raum effizient. Eine einseitige Anordnung mit gegenüberliegender Außenwand bietet dagegen mehr Licht und Luft, benötigt aber mehr Grundfläche. In Offenstall- und Auslaufkonzepten dient die Stallgasse oft als Verbindungsweg zwischen Liegebereichen und dem Auslauf im Freien.

Anbindepunkte und Putzplätze: An der Stallgasse werden in Pferdeställen häufig Putz- und Sattelplätze eingerichtet. Hierfür braucht es stabile Anbinderinge, die in sicherer Höhe montiert sind, sowie eine rutschfeste Standfläche. Ein Putzplatz sollte mindestens 1,50 × 2,50 Meter Grundfläche bieten, damit das Tier bequem stehen kann und der Mensch sicher arbeiten kann.

Entwässerung: Ein leichtes Gefälle von etwa 1,5 bis 2 Prozent zur Mitte oder zu Abflussrinnen hin sorgt dafür, dass Wasser beim Reinigen oder verschüttete Tränkflüssigkeit abfließt. Stehendes Wasser fördert Keimbildung und macht den Boden gefährlich rutschig.

Lagerung und Wege: Futterkammern, Sattelkammern und Mistlager sollten sinnvoll an die Stallgasse angebunden sein, um Transportwege kurz zu halten. Die Beschäftigung der Tiere während des Aufenthalts in der Stallgasse – etwa beim Putzen – lässt sich durch Heunetze oder Lecksteine am Anbindeplatz fördern.

Häufige Fehler

  • Zu schmale Gassen: Wird an der Breite gespart, entstehen gefährliche Engstellen. Tiere, die sich beim Vorbeiführen bedrängt fühlen, reagieren mit Stress, Abwehr oder Panik. Unfälle mit schweren Verletzungen sind die Folge.
  • Glatter Bodenbelag: Fliesen, polierter Beton oder abgenutzte Böden ohne Profil führen regelmäßig zu Stürzen – bei Tier und Mensch gleichermaßen.
  • Schlechte Belüftung: Eine Stallgasse ohne ausreichende Frischluftzufuhr wird zur Schadgasfalle. Atemwegserkrankungen bei den Tieren und Gesundheitsbelastungen beim Stallpersonal sind vorprogrammiert.
  • Herumstehende Gegenstände: Schubkarren, Besen, Eimer oder Sättel, die ungesichert in der Stallgasse stehen, sind Stolperfallen und können scheue Tiere erschrecken. Ordnung in der Gasse ist keine Nebensache, sondern gelebter Tierschutz und Arbeitsschutz.