Stockente
STierart – Vögel > Wasservögel – Enten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Anas platyrhynchos
- Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
- Familie: Entenvögel (Anatidae)
- Gattung: Eigentliche Enten (Anas)
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer aller Art, Parks, Küstenregionen
- Größe: 50–65 cm Körperlänge, Flügelspannweite 81–98 cm
- Gewicht: 850–1.400 g (Erpel schwerer als Weibchen)
- Lebenserwartung: 5–10 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Stockente ist die größte und bekannteste Schwimmente Europas. Zwischen den Geschlechtern besteht ein ausgeprägter Sexualdimorphismus, der besonders im Prachtkleid der Erpel sichtbar wird. Das Männchen trägt von Oktober bis Juni einen metallisch grün schillernden Kopf, der je nach Lichteinfall auch bläulich oder violett wirken kann. Ein schmaler weißer Halsring trennt den Kopf vom kastanienbraunen Brustgefieder. Der Rücken ist graubraun, die Unterseite hell. Auffällig sind die zwei nach oben gebogenen schwarzen Schwanzfedern, die sogenannten Erpellocken. Der Schnabel des Männchens ist gelbgrün, die Beine orangerot.
Das Weibchen – auch Ente genannt – ist durchgehend braun gesprenkelt mit einer Musterung aus hellen und dunkelbraunen Federsäumen. Diese Tarnfärbung bietet beim Brüten auf dem Boden Schutz vor Fressfeinden. Sein Schnabel ist orangebraun mit dunkler Sattelzeichnung. Beide Geschlechter tragen einen blau-violetten Flügelspiegel, der beidseitig weiß eingefasst ist und im Flug gut sichtbar wird. Dieser sogenannte Spiegel dient der Arterkennung, insbesondere im Schwarm.
Im Sommer legen die Erpel ihr Prachtkleid ab und tragen vorübergehend ein unscheinbares Schlichtkleid, das dem der Weibchen ähnelt. In dieser Phase – dem sogenannten Eklipsekleid – sind sie anhand des gelblichen Schnabels vom Weibchen zu unterscheiden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Stockente erstreckt sich über die gesamte Nordhalbkugel. Sie besiedelt weite Teile Europas, Nordamerikas und Asiens. In Australien und Neuseeland wurde sie eingeführt und gilt dort teils als invasive Art. Die Stockente ist damit die weltweit am weitesten verbreitete Entenart.
Als Habitat nutzt die Stockente nahezu jedes Gewässer: Seen, Teiche, Flüsse, Kanäle, Hafenbecken, Überschwemmungsflächen und Küstenlagunen. Auch innerstädtische Parkteiche und Dorfweiher werden besiedelt. Diese hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste Biotope ist ein wesentlicher Grund für ihren Erfolg als Art. In Mitteleuropa ist die Stockente überwiegend Standvogel oder Kurzstreckenzieher. Nordeuropäische und sibirische Populationen ziehen im Winter in mildere Regionen und erreichen dabei Südeuropa, Nordafrika oder Südasien.
Ernährung
Die Stockente ist ein Allesfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Sie ernährt sich von Wasserpflanzen, Sämereien, Gräsern, Insektenlarven, kleinen Schnecken, Würmern und gelegentlich auch von Kaulquappen oder kleinen Fischen. Ihre typische Nahrungsaufnahme erfolgt durch Gründeln: Dabei kippt die Ente mit dem Vorderkörper unter Wasser und erreicht mit dem Schnabel den Gewässergrund, während das Hinterende senkrecht aus dem Wasser ragt. Zusätzlich seiht sie mit ihrem Schnabel Nahrungspartikel aus dem Wasser – die feinen Lamellen an den Schnabelrändern wirken dabei wie ein Filter.
An Land weidet die Stockente auf Wiesen und abgeernteten Feldern, wo sie Getreidekörner, Eicheln und andere Sämereien aufnimmt. In Parkanlagen nehmen Stockenten regelmäßig von Menschen angebotenes Futter an, was allerdings bei einseitiger Ernährung – etwa durch Weißbrot – zu gesundheitlichen Problemen und Gewässerbelastung führen kann.
Verhalten & Lebensweise
Stockenten sind überwiegend tagaktiv, können aber in Gebieten mit starker Störung durch Menschen auf eine verstärkt dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise umstellen. Außerhalb der Brutzeit bilden sie oft größere Trupps und suchen gemeinsam Schlafplätze auf offenen Wasserflächen auf, die Schutz vor Bodenprädatoren bieten.
Die Balz beginnt bereits im Herbst und setzt sich über den Winter fort. Die Erpel zeigen dabei ritualisierte Balzbewegungen: Sie richten sich im Wasser steil auf, heben den Kopf ruckartig nach hinten, spritzen mit dem Schnabel Wasser auf und geben dabei charakteristische Pfeiflaute von sich. Auch das sogenannte Kopf-nach-oben-Trinken und das Nicken gehören zum Repertoire. Mehrere Erpel werben häufig gleichzeitig um ein einzelnes Weibchen. Die Paarbindung besteht nur für eine Brutsaison. Nach Beginn der Bebrütung löst sich der Erpel und spielt bei der Aufzucht keine Rolle.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Weibchen wählt den Nistplatz, der sich meist am Boden in dichter Vegetation befindet – häufig in Ufernähe, aber auch in Hecken, auf Flachdächern, in Blumenkästen oder auf Balkonen. Der Neststandort kann dabei erstaunlich weit vom nächsten Gewässer entfernt sein. Das Nest wird mit Pflanzenmaterial und Dunen aus dem eigenen Brustgefieder ausgepolstert.
Das Gelege umfasst 7 bis 13 grünlich-graue Eier, die das Weibchen allein über einen Zeitraum von 26 bis 28 Tagen bebrütet. Die Küken sind Nestflüchter: Sie verlassen das Nest bereits wenige Stunden nach dem Schlupf und können sofort schwimmen und selbstständig Nahrung aufnehmen