Süßwasserrochen
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Familie Potamotrygonidae (Süßwasserstechrochen); weitere Süßwasserarten in den Familien Dasyatidae und Pristidae
- Ordnung: Myliobatiformes (Stechrochenartige)
- Familie: Potamotrygonidae (Flussrochen), mit etwa 40 beschriebenen Arten
- Gattungen (Auswahl): Potamotrygon, Paratrygon, Plesiotrygon, Heliotrygon
- Lebensraum: Süßgewässer – Flüsse, Überschwemmungsgebiete, Seen und Lagunen tropischer Regionen
- Größe: Je nach Art 25 cm bis über 200 cm Scheibendurchmesser; der Riesensüßwasserrochen (Urogymnus polylepis) erreicht bis zu 240 cm
- Gewicht: Von wenigen Kilogramm bei kleinen Arten bis über 300 kg beim Riesensüßwasserrochen
- Lebenserwartung: 15–25 Jahre, in Aquarien bei guter Haltung gelegentlich länger
Aussehen & Merkmale
Süßwasserrochen besitzen den für Rochen typischen stark abgeflachten Körper, bei dem Kopf, Rumpf und die stark verbreiterten Brustflossen zu einer annähernd runden oder ovalen Scheibe verwachsen sind. Das Skelett besteht vollständig aus Knorpel – wie bei allen Vertretern der Knorpelfische (Chondrichthyes). Die Augen sitzen auf der Oberseite des Körpers, während Maul und Kiemenspalten an der Unterseite liegen. Hinter den Augen befinden sich die Spritzlöcher (Spirakula), über die ruhende Tiere sauerstoffreiches Wasser zu den Kiemen leiten, ohne Sand oder Schlamm einzuatmen.
Die Oberseite der Körperscheibe ist von winzigen Hautzähnchen (Plakoidschuppen) bedeckt und häufig auffällig gemustert. Viele Arten der Gattung Potamotrygon tragen kontrastreiche Punkt-, Ring- oder Netzmuster in Braun, Schwarz, Orange oder Gelb, die der Tarnung auf dem Gewässergrund dienen. Die Unterseite ist meist gleichmäßig hell. Am peitschenförmigen Schwanz sitzt bei den meisten Arten ein oder mehrere Giftstachel, die von einer Hülle aus giftproduzierendem Gewebe umgeben sind. Ein Stich kann beim Menschen starke Schmerzen, Gewebenekrosen und in seltenen Fällen lebensbedrohliche Sekundärinfektionen verursachen.
Lebensraum & Verbreitung
Das größte Verbreitungsgebiet der Süßwasserrochen liegt in Südamerika. Die Familie Potamotrygonidae ist auf das Flusssystem des Amazonas, des Orinoco, des Río de la Plata und weiterer Einzugsgebiete beschränkt. Diese Rochen haben sich vollständig an das Leben im Süßwasser angepasst und sind – anders als die meisten anderen Rochen – nicht in der Lage, in Salzwasser zu überleben. Ihre Nieren haben die Fähigkeit zur Salzkonzentration weitgehend eingebüßt.
Außerhalb Südamerikas gibt es in Südostasien eine weitere Gruppe von Süßwasserrochen, darunter den Riesensüßwasserrochen (Urogymnus polylepis, früher Himantura chaophraya), der im Mekong, Chao Phraya und anderen großen Strömen vorkommt. In Westafrika dringen einige Arten der Gattung Fontitrygon regelmäßig ins Süßwasser vor.
Das bevorzugte Habitat sind sandige oder schlammige Flussbetten, flache Uferzonen, saisonale Überschwemmungsflächen (Várzea und Igapó im Amazonasbecken) sowie stehende Altarme. Die Tiere meiden in der Regel stark strömende Gewässerabschnitte und halten sich bevorzugt in ruhigen Bereichen auf.
Ernährung
Süßwasserrochen ernähren sich überwiegend carnivor. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Insektenlarven, Schnecken, Muscheln, Krebstiere, Würmer und kleine Fische. Die Beute wird am Gewässergrund aufgespürt, wobei die Tiere ihre Körperscheibe wellend über den Boden bewegen und so versteckte Organismen freilegen. Die Mundöffnung an der Unterseite ist mit kräftigen, zu Platten verwachsenen Zähnen ausgestattet, die das Zermalmen hartschaliger Beutetiere ermöglichen. Elektrorezeptoren (Lorenzinische Ampullen) an der Unterseite des Kopfes helfen, die schwachen elektrischen Felder von im Sand vergrabenen Beuteorganismen wahrzunehmen.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Süßwasserrochen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie häufig halb eingegraben im Sand oder Schlamm, wobei nur Augen und Spirakula sichtbar bleiben. Dieses Verhalten dient sowohl dem Schutz vor Fressfeinden als auch der Lauerjagd. Süßwasserrochen sind in der Regel Einzelgänger, können jedoch an besonders nahrungsreichen Stellen in lockeren Gruppen auftreten. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist nicht dokumentiert. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen große Raubfische wie der Arapaima (Arapaima gigas) sowie Kaimane. Jungfische fallen zusätzlich räuberischen Welsen und Piranhas zum Opfer.
Bei Bedrohung schlagen die Tiere mit dem Schwanz reflexartig nach oben und setzen dabei den Giftstachel ein. Dieser Verteidigungsmechanismus macht sie in Flussnähe lebenden Bevölkerungsgruppen wohl bekannt – Trittunfälle in flachem Wasser gehören in Teilen Amazoniens zu den häufigsten Vergiftungsfällen durch Tiere.
Fortpflanzung & Aufzucht
Süßwasserrochen sind lebendgebärend (vivipar) mit einer Form der Matrotropie: Die Embryonen werden zunächst über den Dottersack ernährt, erhalten aber im späteren Verlauf der Tragzeit nährstoffreiche Sekrete (sogenannte Uterinmilch) über die Uteruswand. Die Tragzeit beträgt je nach Art drei bis zwölf Monate. Ein Wurf umfasst zwischen einem und zwölf