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Sumpfohreule

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Tierart – Vögel > Eulen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Asio flammeus
  • Ordnung: Eulen (Strigiformes)
  • Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
  • Gattung: Ohreulen (Asio)
  • Größe: 34–42 cm Körperlänge, Flügelspannweite 95–110 cm
  • Gewicht: 260–420 g, Weibchen in der Regel schwerer als Männchen
  • Lebensraum: Offene Landschaften wie Moore, Heiden, Marschland, Dünen und Tundra
  • Lebenserwartung: Bis zu 13 Jahre in freier Wildbahn, in Ausnahmefällen über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Sumpfohreule ist eine mittelgroße Eule mit schlankem Körperbau und auffallend langen Flügeln. Das Gefieder der Oberseite ist gelblich-braun mit kräftigen dunkelbraunen Längsstreifen, während die Unterseite heller gefärbt ist und eine feinere Strichelung aufweist. Die Brust zeigt deutliche braune Schaftstriche, die zum Bauch hin schmaler werden. Das Gesicht wird von einem hellen, relativ undeutlich begrenzten Gesichtsschleier umrahmt, der weniger ausgeprägt ist als bei der nah verwandten Waldohreule (Asio otus).

Namensgebend sind die kurzen Federohren, die jedoch nur selten aufgestellt werden und im Feld kaum sichtbar sind – ein klares Unterscheidungsmerkmal zur Waldohreule, deren Federohren deutlich länger und häufiger sichtbar sind. Die Augen der Sumpfohreule sind leuchtend gelb und von dunklen Augenringen umgeben, was dem Vogel einen intensiven, durchdringenden Blick verleiht. Die Beine und Zehen sind dicht befiedert, eine Anpassung an kühle Lebensräume. Im Flug fallen die langen, schmalen Flügel auf, die an der Unterseite ein helles Feld mit dunklen Flügelspitzen und einem markanten Karpalfleck zeigen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Sumpfohreule ist eines der ausgedehntesten aller Eulenarten. Sie besiedelt weite Teile der Holarktis, kommt aber auch in Südamerika, auf den Galapagos-Inseln, Hawaii und den Karibischen Inseln vor. In Europa erstreckt sich das Brutgebiet von Island und Skandinavien über die Britischen Inseln bis nach Russland. In Mitteleuropa ist die Art ein seltener und unregelmäßiger Brutvogel, der in Deutschland nur noch in geringer Zahl vorkommt, vor allem an der Nordseeküste und in Teilen Schleswig-Holsteins und Niedersachsens.

Als typischer Bewohner offener Landschaften bevorzugt die Sumpfohreule baumlose oder baumarme Biotope. Ihr Habitat umfasst Hochmoore, Küstenmarschen, Heideflächen, extensiv genutzte Grünlandflächen und Brachäcker. In der Tundra und den Steppen Zentralasiens findet sie optimale Bedingungen. Anders als die meisten europäischen Eulenarten meidet sie Wälder konsequent. In manchen Jahren tritt sie als Invasionsvogel weiter südlich auf, wenn die Wühlmauspopulationen in den nördlichen Brutgebieten zusammenbrechen.

Ernährung

Die Nahrung der Sumpfohreule besteht zum überwiegenden Teil aus Kleinsäugern, insbesondere aus Wühlmäusen der Gattungen Microtus und Arvicola. In Mitteleuropa stellen Feldmäuse (Microtus arvalis) die Hauptbeute dar. Je nach Verfügbarkeit ergänzen Spitzmäuse, junge Ratten und gelegentlich kleine Singvögel den Speiseplan. In Küstenregionen werden auch Kleinvögel wie Strandpieper oder Steinschmätzer erbeutet.

Die Jagd erfolgt im niedrigen Suchflug über offenem Gelände, wobei die Eule in gaukelndem Flug wenige Meter über dem Boden dahingleitet. Dabei nutzt sie sowohl ihr hervorragendes Gehör als auch ihren scharfen Sehsinn. Hat sie eine Beute lokalisiert, stößt sie mit vorgestreckten Fängen hinab. Im Gegensatz zu vielen anderen Eulenarten jagt die Sumpfohreule häufig bei Tageslicht, vor allem in den Dämmerungsstunden, aber auch am helllichten Tag – besonders während der Jungenaufzucht.

Verhalten & Lebensweise

Die Sumpfohreule zeigt eine für Eulen ungewöhnliche Aktivität am Tag. Ihre Hauptaktivitätsphasen liegen in der Morgen- und Abenddämmerung, doch sie ist regelmäßig auch tagsüber zu beobachten. Außerhalb der Brutzeit lebt sie einzelgängerisch, kann aber im Winter an nahrungsreichen Stellen in lockeren Ansammlungen auftreten, gelegentlich gemeinsam mit Waldohreulen an gemeinschaftlichen Tagesruheplätzen.

Die Art ist je nach geographischer Lage Standvogel, Teilzieher oder Zugvogel. Nordeuropäische und sibirische Populationen ziehen im Herbst nach Süden, wobei sie Mitteleuropa, den Mittelmeerraum und Nordafrika als Überwinterungsgebiete nutzen. Die Zugbewegungen sind dabei stark vom Nahrungsangebot abhängig – in Jahren mit hoher Wühlmausdichte können Vögel auch in nördlichen Breiten überwintern.

Bei Störungen am Nest zeigt die Sumpfohreule ein auffälliges Ablenkungsverhalten: Sie lässt sich zu Boden fallen und simuliert einen gebrochenen Flügel, um Prädatoren vom Gelege wegzulocken. Gegenüber Greifvögeln und Krähen verhält sie sich territorial und attackiert Eindringlinge in spektakulären Luftkämpfen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt je nach Breitengrad zwischen März und Mai. Das Männchen führt eindrucksvolle Balzflüge über dem Revier auf, bei denen es in große Höhen aufsteigt und dann im Sturzflug herabgleitet, begleitet von rhythmischem Flügelklatschen und einem dumpfen „bu-bu-bu"-Ruf. Das Nest ist eine einfache Bodenmulde, die das Weibchen in dichter Vegetation scharrt und spärlich mit Gras und Federn auskleidet.

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