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Tölt

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Definition und Überblick

Der Tölt ist eine natürliche Viertaktgangart des Pferdes, bei der die Hufe in derselben Fußfolge wie im Schritt einzeln und nacheinander auf den Boden gesetzt werden – jedoch in deutlich höherem Tempo. Im Gegensatz zu Trab und Galopp gibt es beim Tölt keine Schwebephase, bei der alle vier Beine gleichzeitig in der Luft sind. Mindestens ein Huf hat stets Bodenkontakt. Daraus ergibt sich das charakteristischste Merkmal dieser Gangart: ein nahezu erschütterungsfreier Bewegungsablauf, der dem Reiter ein außergewöhnlich ruhiges und komfortables Sitzgefühl vermittelt.

Der Tölt ist vor allem mit dem Islandpferd (Islandpony) verbunden, das als bekanntester und verbreitetster Gangpferd-Vertreter weltweit gilt. Darüber hinaus verfügen auch andere Gangpferderassen über vergleichbare Viertaktgangarten, darunter der Paso Fino, der Paso Peruano, der Tennessee Walking Horse und der Mangalarga Marchador. Bei diesen Rassen werden die analogen Gangarten unter anderen Bezeichnungen geführt, etwa als Paso Llano, Running Walk oder Marcha.

Biomechanik und Fußfolge

Die Fußfolge im Tölt entspricht dem lateralen Viertakt: hinterer rechter Huf – vorderer rechter Huf – hinterer linker Huf – vorderer linker Huf. Zwischen diesen vier Tritten entstehen jeweils kurze zeitliche Abstände, sodass ein gleichmäßiger, klarer Viertaktrhythmus hörbar ist. Dieses rhythmische Klappern der Hufe wird oft als typisches akustisches Erkennungsmerkmal des Tölts beschrieben.

Da es keine Schwebephase gibt, fehlt die vertikale Auf-und-ab-Bewegung, die im Trab oder Galopp den Reiter aus dem Sattel hebt. Der Rücken des Pferdes bleibt relativ ruhig, und der Reiter kann ohne Leichttraben oder Aussitzen in einer stabilen, aufrechten Position verharren. Die Hinterhand des Pferdes tritt dabei aktiv unter den Schwerpunkt, während die Vorhand sich mit hoher Knieaktion nach vorne bewegt. Diese ausgeprägte Vorderbeinaktion – das sogenannte Beinspiel – ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal im Turnierbereich.

Hinsichtlich der Geschwindigkeit zeigt sich der Tölt extrem variabel. Er kann vom gemächlichen Arbeitstölt im Schritttempo bis hin zum Renntölt gesteigert werden, der Geschwindigkeiten von über 40 km/h erreicht. In allen Tempi sollte der klare Viertakt erhalten bleiben – verrutscht der Rhythmus in Richtung Pass (Zweitakt mit lateralem Gleichschritt) oder Trab (Zweitakt mit diagonalem Gleichschritt), gilt dies als Gangfehler.

Genetische Grundlage

Wissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass die Fähigkeit zum Tölt eine genetische Basis hat. Im Jahr 2012 identifizierte ein internationales Forscherteam um Leif Andersson an der Universität Uppsala eine Mutation im Gen DMRT3, die bei Gangpferden die Koordination der Gliedmaßenbewegung beeinflusst. Pferde, die homozygot für diese Mutation sind (also zwei Kopien des veränderten Gens tragen), können den Tölt und in vielen Fällen auch den Pass als zusätzliche Gangarten ausführen. Pferde ohne diese Mutation bleiben in der Regel auf die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beschränkt.

Beim Islandpferd ist diese genetische Veranlagung durch jahrhundertelange selektive Zucht nahezu fixiert. Auf Island wurden seit dem 12. Jahrhundert keine fremden Pferderassen mehr eingeführt, sodass sich die Gangveranlagung in der geschlossenen Population erhalten und verstärken konnte.

Ausbildung und Training

Obwohl die Anlage zum Tölt genetisch bedingt ist, bedarf es einer gezielten Ausbildung, um diese Gangart in guter Qualität abrufen zu können. Junge Islandpferde werden üblicherweise erst mit vier bis fünf Jahren angeritten – deutlich später als viele Warmblüter. In der Grundausbildung lernt das Pferd zunächst, in allen Gangarten ausbalanciert und losgelassen unter dem Reiter zu gehen.

Für die Tölterziehung arbeiten Reiter und Ausbilder an folgenden Aspekten:

  • Takt und Rhythmus: Der klare Viertakt muss in allen Tempi erhalten bleiben. Übungen auf unterschiedlichem Untergrund und in Übergängen zwischen den Gangarten fördern die Taktsicherheit.
  • Versammlung und Aufrichtung: Durch vermehrte Lastaufnahme der Hinterhand richtet sich das Pferd in der Vorhand auf. Dies verbessert das Beinspiel und die Balance.
  • Losgelassenheit: Ein verspanntes Pferd neigt zu Gangfehlern. Ruhige, vertrauensvolle Arbeit verhindert, dass das Pferd in passartigen Zweitakt verfällt.
  • Tempokontrolle: Der Reiter sollte den Tölt in verschiedenen Geschwindigkeiten sicher regulieren können, vom langsamen Tölt bis hin zum schnellen Renntölt.

Hilfsmittel wie leicht erhöhte Trensen oder spezielle Gebisse werden in der Gangpferdeausbildung eingesetzt, stehen jedoch teils in der Diskussion. Eine gute Ausbildung basiert primär auf Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen des Reiters.

Tölt im Turniersport

Im Islandpferdesport nimmt der Tölt eine zentrale Rolle ein. Die internationalen Turnierregeln werden durch die FEIF (Fédération Internationale des Associations d'Élevage et de Sportifs de Chevaux Islandais) festgelegt. Zu den wichtigsten Turnierdisziplinen gehören:

  • Tölt T1 und T2: Reine Töltprüfungen, bei denen das Pferd den Tölt in verschiedenen Tempovarianten auf der Ovalbahn zeigt. Bewertet werden Takt, Schwung, Beinspiel, Haltung und die Harmonie zwischen Reiter und Pferd.
  • Fünfgangprüfung (F1): Hier werden alle fünf Gangarten – Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass – abgefragt und einzeln benotet.