Traversale
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Definition und Überblick
Die Traversale ist eine der anspruchsvollsten Seitengänge in der klassischen Dressurreiterei. Bei dieser Lektion bewegt sich das Pferd gleichzeitig vorwärts und seitwärts, wobei es in die Bewegungsrichtung gestellt und gebogen ist. Die Vorhand geht dabei leicht voraus, während die Hinterhand auf einer parallelen Spur folgt. Der Körper des Pferdes ist nahezu parallel zur langen Seite der Reitbahn ausgerichtet, mit einer minimalen Abstellung der Vorhand in Bewegungsrichtung.
Im Turniersport wird die Traversale ab der Klasse L-Dressur verlangt und gehört in den höheren Klassen bis hin zum Grand Prix zu den Standardlektionen. Sie wird in allen drei Grundgangarten – Trab und Galopp – geritten, wobei die Galopptraversale als besonders schwierig gilt. Die Lektion prüft das Zusammenspiel von Durchlässigkeit, Versammlung und Gehorsam des Pferdes gegenüber den seitlich treibenden und verwahrenden Hilfen des Reiters.
Abgrenzung zu anderen Seitengängen
Die Traversale wird häufig mit dem Travers (Kruppeherein) verwechselt, da die Biegung und Stellung des Pferdes in beiden Lektionen identisch sind. Der wesentliche Unterschied liegt in der Linienführung: Beim Travers bewegt sich das Pferd entlang der Bande, wobei die Kruppe nach innen versetzt wird. Bei der Traversale hingegen überquert das Pferd die Bahn auf einer diagonalen Linie.
Vom Schenkelweichen unterscheidet sich die Traversale grundlegend dadurch, dass das Pferd in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen ist. Beim Schenkelweichen ist das Pferd vom treibenden Schenkel weg gestellt, also entgegen der Bewegungsrichtung. Auch das Schulterherein weist eine andere Biegung auf – hier ist das Pferd entgegen der Bewegungsrichtung gebogen.
- Traversale: Stellung und Biegung in Bewegungsrichtung, diagonale Linie
- Travers (Kruppeherein): Stellung und Biegung in Bewegungsrichtung, entlang der Bande
- Renvers (Kruppheraus): Stellung und Biegung zur Bandenseite, Vorhand nach innen versetzt
- Schulterherein: Stellung und Biegung entgegen der Bewegungsrichtung
- Schenkelweichen: Stellung entgegen der Bewegungsrichtung, ohne deutliche Biegung
Korrekte Ausführung
Bei der korrekt ausgeführten Traversale tritt das Pferd mit den Vorderbeinen und Hinterbeinen deutlich über und vor das jeweils andere Beinpaar. Die Vorhand ist der Hinterhand geringfügig voraus – in der Regel etwa eine halbe Pferdebreite. Der Abstellungswinkel zur langen Seite beträgt im Trab ungefähr 35 Grad, wobei dieser Winkel je nach Ausbildungsstand variieren kann.
Das Pferd soll sich in gleichmäßigem Takt und Rhythmus bewegen, ohne an Schwung zu verlieren. Die Tritte beziehungsweise Sprünge müssen kadenziert und raumgreifend bleiben. Ein häufiger Fehler ist das Nachlassen des Vorwärts zugunsten des Seitwärts, wodurch das Pferd an Schwung und Losgelassenheit einbüßt. Ebenso fehlerhaft ist es, wenn die Hinterhand der Vorhand vorauseilt – dies wird als „Kruppe voraus" bezeichnet und von Richtern deutlich abgestraft.
Im Galopp muss das Pferd den korrekten Dreitakt beibehalten. Die Galopptraversale stellt besonders hohe Anforderungen an das Gleichgewicht, da das Pferd im Galopp ohnehin eine natürliche Schiefe aufweist, die in der Traversale durch die verlangte Biegung und Seitwärtsbewegung überlagert wird.
Hilfengebung des Reiters
Die Traversale wird durch ein differenziertes Zusammenspiel von Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen eingeleitet und aufrechterhalten. Der Reiter verlagert sein Gewicht leicht in die Bewegungsrichtung und belastet den inneren Gesäßknochen stärker. Der innere Schenkel liegt am Gurt und sorgt für die Biegung sowie den Vorwärtsimpuls. Der äußere Schenkel wirkt hinter dem Gurt verwahrend und treibt die Hinterhand seitwärts.
Die innere Hand gibt die Stellung und erhält die Anlehnung, während die äußere Hand den Grad der Abstellung begrenzt und das Pferd einrahmt. Eine häufige Reiterfehlerquelle ist das Überziehen des inneren Zügels, wodurch das Pferd im Genick verkippt und die korrekte Längsbiegung verliert.
Die Einleitung erfolgt üblicherweise aus einer Ecke oder aus einer Wendung heraus. Der Reiter nutzt die natürliche Biegung aus der Ecke, um das Pferd direkt in die Seitwärtsbewegung zu führen. Am Ende der Traversale wird das Pferd geradeaus gerichtet und mit dem äußeren Schenkel die Hinterhand an die Vorhand herangeholt.
Gymnastischer Wert und Ausbildungszweck
Die Traversale zählt zu den wertvollsten gymnastizierenden Übungen in der Pferdeausbildung. Sie fördert die Geschmeidigkeit der Rückenmuskulatur, stärkt die Tragkraft der Hinterhand und verbessert die seitliche Beweglichkeit des gesamten Pferdekörpers. Durch die gleichzeitige Vorwärts-Seitwärts-Bewegung in Biegung werden die Adduktoren und Abduktoren beider Beinpaare beansprucht und gekräftigt.
Innerhalb der Ausbildungsskala dient die Traversale vor allem der Verbesserung von Geraderichtung und Versammlung. Obwohl das Pferd dabei seitwärts geht, wird durch die korrekte Längsbiegung die natürliche Schiefe des Pferdes bearbeitet. Die Hinterbeine müssen vermehrt Last aufnehmen, was die Hankenbeugung fördert und langfristig zur Versammlungsfähigkeit beiträgt.
Im Sinne der Durchlässigkeit zeigt eine gut gerittene Traversale, dass das Pferd die feinen Hilfen des Reiters prompt und gehorsam umsetzt. Sie ist somit ein Gradmesser für den Ausbildungsstand und das harmonische Zusammenwirken von Pferd und Reiter.
Häufige Fehler und deren Korrektur
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