Verdaulichkeit
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Definition & Überblick
Die Verdaulichkeit beschreibt den Anteil eines Nährstoffs oder einer Futterkomponente, den ein Tier tatsächlich aus dem aufgenommenen Futter verwerten kann. Sie wird in Prozent angegeben und ist eine der zentralen Kenngrößen in der Tierernährung. Ein Futtermittel mit 90 % Proteinverdaulichkeit bedeutet, dass von 100 g enthaltenem Protein 90 g vom Organismus aufgenommen und genutzt werden – die restlichen 10 g werden unverdaut über den Kot ausgeschieden.
Man unterscheidet zwischen der scheinbaren Verdaulichkeit (apparent digestibility) und der wahren Verdaulichkeit (true digestibility). Die scheinbare Verdaulichkeit ergibt sich aus der Differenz zwischen aufgenommener und ausgeschiedener Nährstoffmenge. Die wahre Verdaulichkeit berücksichtigt zusätzlich körpereigene Ausscheidungen wie Darmzellen, Verdauungsenzyme und Bakterienmasse, die den Kot mitformen, aber nicht aus dem Futter stammen. In der Praxis wird meist die scheinbare Verdaulichkeit herangezogen, da sie einfacher zu bestimmen ist.
Die Verdaulichkeit hängt nicht allein vom Futtermittel ab, sondern auch von der Tierart, dem Alter, dem Gesundheitszustand des Verdauungstrakts und der Zusammensetzung der gesamten Futterration. Ein identisches Futtermittel kann bei einem Wiederkäuer, einem Hund und einer Katze völlig unterschiedliche Verdaulichkeitswerte aufweisen.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Verdaulichkeit wird für jeden einzelnen Nährstoff separat betrachtet:
- Protein (Rohprotein): Hochverdauliches Protein stammt beispielsweise aus Muskelfleisch, Ei oder bestimmten Fischarten. Bindegewebsreiche Schlachtnebenerzeugnisse, Federn oder Hornmehl weisen dagegen eine deutlich geringere Proteinverdaulichkeit auf. Werte zwischen 85 und 95 % gelten bei Hund und Katze als sehr gut.
- Fett (Rohfett): Tierische und pflanzliche Fette sind in der Regel hoch verdaulich (über 90 %). Stark erhitzte oder oxidierte Fette verlieren an Verdaulichkeit und können den Magen-Darm-Trakt belasten.
- Rohfaser: Der Rohfasergehalt beeinflusst die Gesamtverdaulichkeit einer Ration erheblich. Hohe Rohfaseranteile senken die Verdaulichkeit der Gesamtration, weil sie die Passagegeschwindigkeit erhöhen und andere Nährstoffe teilweise binden.
- Vitamine und Mineralstoffe: Auch Mikronährstoffe unterliegen der Verdaulichkeit. Organisch gebundene Spurenelemente (Chelate) werden besser resorbiert als anorganische Verbindungen. Bei Vitaminen spielt die Stabilität während der Futterherstellung eine Rolle.
Die Energieverdaulichkeit fasst alle energieliefernden Nährstoffe zusammen und bildet die Grundlage für die Berechnung der verdaulichen Energie (DE) und der umsetzbaren Energie (ME), die auf vielen Futtermitteldeklarationen angegeben wird.
Für welche Tiere geeignet?
Die Verdaulichkeit ist für sämtliche Haus- und Nutztiere relevant, allerdings mit artspezifischen Besonderheiten:
- Hunde: Als fakultative Karnivoren verfügen Hunde über einen relativ kurzen Verdauungstrakt. Hochverdauliche Alleinfuttermittel mit tierischem Protein und moderatem Rohfasergehalt sind ideal. Welpen, Senioren und kranke Tiere profitieren besonders von Futter mit hoher Verdaulichkeit.
- Katzen: Als obligate Karnivoren benötigen Katzen eine noch höhere Proteinverdaulichkeit. Pflanzliche Proteinquellen werden schlechter verwertet als bei Hunden.
- Pferde: Als Herbivoren mit ausgeprägtem Blinddarm können Pferde Rohfaser durch mikrobielle Fermentation teilweise verdauen. Die Verdaulichkeit von Heu variiert je nach Schnittzeitpunkt stark.
- Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen): Dank ihres Vormagensystems erreichen sie bei rohfaserreichem Futter eine deutlich höhere Verdaulichkeit als Monogastrier.
- Kaninchen und Meerschweinchen: Diese Tierarten praktizieren Caecotrophie – das Fressen des eigenen Blinddarmkots –, um die Nährstoffverdaulichkeit zu maximieren.
Fütterungsempfehlung
Die Verdaulichkeit eines Futters bestimmt maßgeblich die notwendige Futtermenge. Hochverdauliches Futter liefert pro Gramm mehr verwertbare Nährstoffe, sodass geringere Futtermengen ausreichen. Das hat direkte Auswirkungen auf die Kotmenge: Tiere, die hochverdauliches Futter erhalten, setzen weniger und festeren Kot ab.
Bei der Zusammenstellung einer Futterration sollte die Verdaulichkeit aller Einzelkomponenten berücksichtigt werden. Ein Alleinfuttermittel mit deklariertem Rohproteingehalt von 25 % und einer Proteinverdaulichkeit von 70 % liefert effektiv weniger verwertbares Protein als ein Futter mit 22 % Rohprotein bei 92 % Verdaulichkeit.
Das Fütterungsintervall kann bei hochverdaulichem Futter gegebenenfalls angepasst werden, da die Magenverweildauer kürzer ist. Mehrere kleine Mahlzeiten sind besonders bei empfindlichen Tieren oder bei der Fütterung von Ergänzungsfuttermitteln sinnvoll.
Vorteile & Nachteile
- Vorteile hoher Verdaulichkeit: Bessere Nährstoffausnutzung, geringere Kotmenge, weniger Belastung des Verdauungstrakts, geeignet für empfindliche Tiere, Welpen, Senioren und rekonvaleszente Patienten. Hochverdauliche Futtermittel sind oft kosteneffizienter, da geringere Mengen benötigt werden.
- Nachteile extrem hoher Verdaulichkeit: Ein Mindestmaß an unverdaulichen Fasern ist notwendig, um die Darmperistaltik aufrechtzuerhalten und die Darmflora zu ernähren. Zu wenig Rohfaser kann