Vergesellschaftung
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Definition & Überblick
Unter Vergesellschaftung versteht man in der Aquaristik das gezielte Zusammensetzen verschiedener Fischarten, Wirbelloser oder anderer aquatischer Organismen in einem gemeinsamen Aquarium. Ziel ist es, einen artgerechten und möglichst konfliktfreien Lebensraum zu schaffen, in dem alle Bewohner ihren natürlichen Bedürfnissen nachkommen können. Der Begriff wird gelegentlich auch in der Terraristik und Vogelhaltung verwendet, hat aber in der Aquaristik eine besonders zentrale Bedeutung, da hier regelmäßig mehrere Arten auf begrenztem Raum zusammenleben.
Eine durchdachte Vergesellschaftung berücksichtigt nicht nur das Sozialverhalten einzelner Arten, sondern auch deren Ansprüche an Wasserchemie, Temperatur, Strömung, Beckengröße und Einrichtung. Sie ist damit weit mehr als das bloße Einsetzen mehrerer Fische in ein Becken – sie ist ein planerischer Prozess, der über das Wohlbefinden und die Gesundheit aller Aquarienbewohner entscheidet.
Grundlagen & Voraussetzungen
Bevor verschiedene Arten zusammengeführt werden, müssen mehrere Faktoren geprüft und aufeinander abgestimmt werden:
- Wasserwerte: Temperatur, pH-Wert, Gesamthärte (GH) und Karbonathärte (KH) müssen für alle Bewohner im verträglichen Bereich liegen. Wer Malawisee-Buntbarsche mit südamerikanischen Salmlern vergesellschaften möchte, wird schnell feststellen, dass die Wasserwerte kaum unter einen Hut zu bringen sind.
- Beckengröße und Revierverhalten: Revierbildende Arten wie viele Buntbarsche benötigen ausreichend Platz und Sichtbarrieren. Ein zu kleines Gehege führt unweigerlich zu Stress, Aggression und Verletzungen.
- Besatzebenen: Ideal ist eine Verteilung der Arten auf verschiedene Schwimmzonen – Boden, Mitte und Oberfläche. So werden Konkurrenzsituationen minimiert.
- Ernährung: Die Futteransprüche sollten sich nicht grundlegend widersprechen. Rein herbivore Arten mit aggressiven Raubfischen zusammenzusetzen ist nicht nur fütterungstechnisch problematisch, sondern häufig lebensgefährlich für die kleineren Tiere.
- Größenverhältnisse: Als Faustregel gilt: Was ins Maul passt, wird als potenzielle Beute betrachtet. Große Größenunterschiede zwischen den Arten sind daher kritisch zu bewerten.
- Sozialstruktur: Schwarmfische wie Neons oder Panzerwelse brauchen eine Mindestgruppengröße, um artgerechtes Verhalten zeigen zu können. Einzelhaltung oder zu kleine Gruppen verursachen chronischen Stress.
Praktische Umsetzung
Die Vergesellschaftung beginnt nicht beim Einsetzen der Tiere, sondern bei der Planung des Aquariums. Zunächst wird ein Besatzkonzept erstellt, das auf den zur Verfügung stehenden Raum, die technische Ausstattung und die gewünschten Arten abgestimmt ist. Erfahrene Aquarianer nutzen dafür Vergesellschaftungstabellen, Fachliteratur und den Austausch in Fachforen.
Die Einrichtung des Beckens spielt eine entscheidende Rolle: Wurzeln, Steine, dichte Bepflanzung und Höhlen bieten Rückzugsmöglichkeiten und Reviergrenzen. Diese Strukturen dienen nicht nur der Beschäftigung, sondern reduzieren Sichtkontakt zwischen rivalisierenden Tieren und senken so das Aggressionsniveau erheblich.
Beim Einsetzen neuer Tiere in ein bereits bestehendes Becken empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Neue Fische zunächst in einem Quarantänebecken beobachten, um Krankheiten auszuschließen.
- Die Wassertemperatur langsam angleichen, indem der Transportbeutel im Becken schwimmt.
- Schrittweise Beckenwasser zum Transportwasser hinzufügen, um einen Schock durch abweichende Wasserwerte zu vermeiden.
- Neue Tiere bevorzugt in den Abendstunden einsetzen, wenn die Beleuchtung gedimmt ist – das reduziert sofortige Revierstreitigkeiten.
- Bei stark revierbildenden Arten kann es helfen, die bestehende Dekoration umzustellen, damit alle Bewohner gleichzeitig neue Reviere etablieren müssen.
In den ersten Tagen nach der Vergesellschaftung ist genaue Beobachtung unerlässlich. Anzeichen von Stress – eingeklemmte Flossen, Farbverlust, Verstecken, Futterverweigerung oder offene Aggression – erfordern sofortiges Handeln bis hin zur Trennung der Tiere.
Häufige Fehler
- Überbesatz: Der häufigste Fehler überhaupt. Zu viele Tiere auf zu wenig Raum belasten die Wasserqualität, erhöhen den Stresslevel und fördern Krankheitsausbrüche. Die biologische Filterleistung hat Grenzen.
- Unvereinbare Arten: Friedliche Garnelen mit Skalaren, Guppys mit aggressiven Barscharten oder schnelle Flossenbeißer mit Schleierschwanz-Varianten – solche Kombinationen enden regelmäßig mit Verlusten.
- Keine Recherche: Viele Einsteiger kaufen Tiere nach optischem Gefallen, ohne deren Endgröße, Temperament oder Haltungsansprüche zu kennen. Ein juveniler Rotflossensalmler sieht harmlos aus, wird aber bis zu 40 Zentimeter groß.
- Einzelhaltung von Schwarmfischen: Fünf Corydoras sind kein Schwarm. Viele Arten brauchen mindestens zehn Artgenossen, um natürliches Sozialverhalten zu zeigen. Einzelhaltung bei sozialen Arten verstößt gegen Grundsätze des Tierschutzes.
- Fehlende Rückzugsmöglichkeiten: Ein spärlich eingerichtetes Becken ohne Verstecke und Strukturen zwingt schwächere Tiere in permanenten Stress. Beschäftigung und Rückzug sind für eine artgerechte Haltung unve