T Tierlexikon.net
← Lexikon

Virginia-Uhu

V

Tierart – Vögel > Eulen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Bubo virginianus
  • Ordnung: Eulen (Strigiformes)
  • Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
  • Gattung: Uhus (Bubo)
  • Lebensraum: Wälder, Halbwüsten, Prärien, Sumpfgebiete, städtische Grünflächen – nahezu alle Habitate Nord- und Südamerikas
  • Größe: 46–63 cm Körperlänge, Flügelspannweite 91–153 cm
  • Gewicht: 900–2.500 g (Weibchen deutlich schwerer als Männchen)
  • Lebenserwartung: 15–25 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 35 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Virginia-Uhu ist eine der größten Eulenarten des amerikanischen Kontinents und wird im englischen Sprachraum als „Great Horned Owl" bezeichnet – ein Name, der auf seine auffälligen, weit auseinanderstehenden Federohren verweist. Diese Federbüschel haben keine Funktion beim Hören, dienen aber wahrscheinlich der Tarnung und der innerartlichen Kommunikation. Sie sind das markanteste äußere Merkmal und unterscheiden den Virginia-Uhu auf den ersten Blick von anderen nordamerikanischen Eulen wie der Schnee-Eule (Bubo scandiacus) oder dem Streifenkauz (Strix varia).

Das Gefieder ist überwiegend graubraun bis rötlichbraun mit dunkler Bänderung und Fleckung, was eine hervorragende Tarnung vor der Rinde von Baumstämmen bietet. Die Unterseite zeigt eine dichte, horizontale Querbänderung auf hellem Grund. Auffällig ist der weiße Kehlfleck, der bei Balzrufen sichtbar wird, wenn der Vogel die Kehlfedern aufplustert. Die großen Augen leuchten intensiv gelb-orange und sitzen in einem breiten Gesichtsschleier, der den Schall zu den unter den Federn verborgenen Ohröffnungen lenkt. Wie bei allen Eulen sind die Augen nach vorn gerichtet und nahezu unbeweglich in den Augenhöhlen fixiert, was durch die extrem bewegliche Halswirbelsäule kompensiert wird – der Kopf lässt sich um bis zu 270 Grad drehen.

Die Zehen tragen kräftige, stark gekrümmte Krallen. Die Greifkraft des Virginia-Uhus ist außerordentlich hoch und wurde in Messungen mit bis zu 130 Newton pro Fuß bestimmt – vergleichbar mit dem Biss eines mittelgroßen Hundes. Die Flugfedern besitzen die für Eulen typische kammartige Vorderkante, die Verwirbelungen der Luft minimiert und so einen nahezu lautlosen Flug ermöglicht.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Virginia-Uhus erstreckt sich über fast den gesamten amerikanischen Doppelkontinent – von der arktischen Baumgrenze in Kanada und Alaska bis nach Feuerland im Süden Südamerikas. Kein anderer Uhu der Gattung Bubo besiedelt ein derart ausgedehntes Areal. Innerhalb dieses Gebiets werden zahlreiche Unterarten beschrieben, darunter Bubo virginianus virginianus im Osten Nordamerikas, B. v. subarcticus in den subarktischen Regionen und B. v. nacurutu in Südamerika. Letztere wird von einigen Taxonomen als eigenständige Art (Bubo nacurutu, Südamerikanischer Uhu) geführt.

Der Virginia-Uhu ist ein ausgesprochener Habitatgeneralist. Er besiedelt boreale Nadelwälder ebenso wie Laubmischwälder, Halbwüsten des Südwestens der USA, tropische Regenwaldränder, offene Prärielandschaften und sogar städtische Parks und Friedhöfe. Entscheidend für die Habitatwahl sind geeignete Brutplätze und ein ausreichendes Beuteangebot. In Gebirgsregionen kommt er bis auf etwa 3.300 Meter Höhe vor.

Ernährung

Der Virginia-Uhu ist ein opportunistischer Spitzenprädator mit einem ungewöhnlich breiten Beutespektrum. Auf dem Speiseplan stehen Kaninchen und Hasen, Ratten, Mäuse, Erdhörnchen, Stinktiere, Opossums und selbst junge Füchse. Unter den Vögeln erbeutet er Krähen, Enten, Gänse, Fasane und andere Eulenarten, darunter auch die deutlich kleinere Streifeneule. Gelegentlich schlägt er Greifvögel wie den Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis).

Auch Reptilien, Amphibien, Fische und größere Insekten gehören zur Nahrung. Die Jagd findet überwiegend in der Dämmerung und nachts statt, wobei der Virginia-Uhu von erhöhten Ansitzwarten aus zuschlägt oder in niedrigem Suchflug über offenes Gelände patrouilliert. Sein Gehör ist so fein, dass er Beutetiere unter Schnee oder Laub orten kann.

Verhalten & Lebensweise

Virginia-Uhus sind vorwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv, gelegentlich aber auch tagsüber bei der Jagd zu beobachten. Sie leben als standorttreue Einzelgänger oder Paare und verteidigen ein Revier, dessen Größe je nach Nahrungsangebot zwischen wenigen Quadratkilometern in produktiven Wäldern und über 20 Quadratkilometern in nahrungsarmen Gebieten variiert. Die Reviermarkierung erfolgt hauptsächlich durch Rufe – das tiefe, rhythmische „hoo-hoo-hoo-hoo" ist einer der bekanntesten Eulenrufe Nordamerikas und über mehr als einen Kilometer hörbar.

Gegenüber Nesträubern und Eindringlingen zeigt der Virginia-Uhu ein aggressives Verteidigungsverhalten. Er attackiert auch deutlich größere Tiere und sogar Menschen, die seinem Nest zu nahe kommen. Tagsüber ruht er an geschützten Stellen in Bäumen, wo sein tarnfarbenes Gefieder ihn nahezu unsichtbar macht. Wird er dennoch von Krähen oder anderen Vögeln entdeckt, wird er häufig intensiv angehasst – ein Verhalten, das als „Mobbing" bekannt ist.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt bereits im Spätherbst oder Fr