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Voltigieren

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Sport & Training > Reiten & Pferdesport

Definition und Überblick

Voltigieren bezeichnet eine Disziplin des Pferdesports, bei der turnerische und akrobatische Übungen auf einem an der Longe im Kreis galoppierenden Pferd ausgeführt werden. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort voltige ab, das so viel wie Kunstsprung oder Flugübung bedeutet. Im Gegensatz zum klassischen Reiten steht beim Voltigieren nicht die direkte Kommunikation zwischen Reiter und Pferd im Vordergrund, sondern die gymnastische Leistung des Voltigierers auf dem sich bewegenden Pferderücken. Die Disziplin vereint Elemente aus Turnen, Tanz und Pferdesport und wird sowohl als Breiten- als auch als Leistungssport betrieben. Zugleich dient sie häufig als Einstieg in den Reitsport, da Kinder und Jugendliche so frühzeitig ein Gefühl für die Bewegungen des Pferdes entwickeln können.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Wurzeln des Voltigierens reichen bis in die Antike zurück. Bereits bei den Römern und Kelten sind akrobatische Übungen auf dem Pferd dokumentiert, die vorwiegend der militärischen Ausbildung dienten. Soldaten trainierten das Auf- und Abspringen auf galoppierende Pferde, um im Kampf beweglicher zu sein. Im Mittelalter gehörte das Voltigieren zur ritterlichen Erziehung, und an den Reitakademien der Renaissance wurde es als fester Bestandteil der Ausbildung junger Edelleute gepflegt.

Die moderne Wettkampfform entwickelte sich im 20. Jahrhundert vorwiegend in Deutschland und Skandinavien. Seit 1983 finden internationale Meisterschaften unter dem Dach der Fédération Équestre Internationale (FEI) statt. Bei den World Equestrian Games ist Voltigieren seit 1990 als offizielle Disziplin vertreten. Deutschland, Österreich, die Schweiz und Frankreich zählen zu den stärksten Nationen in diesem Sport.

Ausrüstung und Pferd

Für das Voltigieren wird eine spezielle Ausrüstung benötigt, die sich deutlich vom klassischen Reitzubehör unterscheidet:

  • Voltigiergurt: Ein gepolsterter Gurt mit zwei Griffen (Pauschen) und Fußschlaufen, der anstelle eines Sattels auf dem Pferderücken befestigt wird. Er bietet dem Voltigierer Halt bei Übungen und Sprüngen.
  • Voltigierdecke (Pad): Eine weiche Unterlage unter dem Gurt, die den Pferderücken schützt und dem Voltigierer eine rutschfeste Oberfläche bietet.
  • Longe und Longierpeitsche: Der Longenführer kontrolliert das Pferd über eine etwa acht Meter lange Longe und gibt mit der Peitsche Impulse zur Regulierung von Tempo und Gangart.
  • Bekleidung: Voltigierer tragen enganliegende, elastische Anzüge sowie spezielle Voltigierschuhe mit dünner, griffiger Sohle.

An das Voltigierpferd werden hohe Anforderungen gestellt. Es muss einen gleichmäßigen, raumgreifenden Galopp auf einem Zirkel mit einem Durchmesser von etwa 15 bis 18 Metern zeigen. Gefragt sind ein ruhiges Temperament, ein kräftiger, gut bemuskelter Rücken sowie ein taktreiner, schwungvoller Bewegungsablauf. Häufig eingesetzte Rassen sind Warmblüter, schwere Warmbluttypen und gelegentlich Kaltblut-Kreuzungen. Die Ausbildung eines Voltigierpferdes dauert mehrere Jahre und verlangt vom Tier ein hohes Maß an Gelassenheit und Verlässlichkeit.

Übungen und Pflichtprogramm

Das Wettkampfprogramm gliedert sich in Pflicht- und Kürübungen. Im Pflichtprogramm müssen alle Voltigierer dieselben festgelegten Übungen in einer bestimmten Reihenfolge zeigen. Zu den Pflichtübungen zählen unter anderem:

  • Aufsprung: Das Aufspringen auf das galoppierende Pferd aus dem Laufen heraus.
  • Grundsitz: Aufrechtes Sitzen auf dem Pferderücken mit losgelassenen Beinen – vergleichbar mit dem Dressursitz.
  • Fahne (Flieger): Der Voltigierer kniet auf dem Pferd und streckt ein Bein und den gegenüberliegenden Arm waagerecht aus.
  • Mühle: Eine vollständige Drehung auf dem Pferd, bei der die Beine nacheinander über den Hals und die Kruppe geschwungen werden.
  • Schere: Ein Schwungelement, bei dem der Voltigierer die Beine über dem Pferd kreuzt und die Sitzrichtung wechselt.
  • Stehen: Freihändiges Stehen auf dem galoppierenden Pferd – eine Übung, die hohe Balance und Körperspannung erfordert.
  • Flanke: Der Abgang vom Pferd über einen seitlichen Schwung mit anschließender Landung neben dem Tier.

In der Kür kombinieren die Sportler diese Grundelemente mit freien akrobatischen und tänzerischen Figuren zu einer Choreografie, die musikalisch begleitet wird. Die Bewertung durch die Richter erfolgt nach Kriterien wie Haltung, Schwierigkeit, Harmonie mit dem Pferd und Gesamteindruck.

Wettkampfformen

Voltigieren wird in drei Wettkampfformen ausgetragen. Beim Einzelvoltigieren zeigt ein Sportler allein auf dem Pferd sein Können in Pflicht und Kür. Beim Doppelvoltigieren (Pas de Deux) turnen zwei Voltigierer gleichzeitig auf dem Pferd und führen synchronisierte sowie partnerakrobatische Elemente vor. Die populärste Form ist das Gruppenvoltigieren, bei dem ein Team aus sechs bis acht Sportlern antritt. Drei Voltigierer befinden sich dabei gleichzeitig auf dem Pferd, während die anderen im Wechsel auf- und abspringen. Die Koordination innerhalb der Gruppe, das Zusammenspiel mit dem Pferd und die Abstimmung mit dem Longenführer machen diese Form besonders anspruchsvoll.

Die Leistungsklassen reichen im deutschen Turniersystem von der Einsteigerstufe (E) über Anfänger (A), Fortgeschrittene (L und M) bis hin zur schweren Klasse (S). International wird in den Kategorien CVI 1*, 2* und 3* unterschieden.