Vorhand
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Definition und Überblick
Als Vorhand bezeichnet man beim Pferd den gesamten vorderen Körperabschnitt, der sich vor dem Sattel bzw. vor dem Widerrist befindet. Dazu gehören Kopf, Hals, Schultern, Brust, die Vorderbeine einschließlich der Hufe sowie der Widerrist selbst. Die Vorhand bildet zusammen mit der Mittelhand (Rumpf, Rücken, Brustkorb) und der Hinterhand (Kruppe, Hüfte, Hinterbeine) die drei großen Körperregionen des Pferdes, die in der Reitlehre zur Beschreibung von Bewegungsabläufen, Balance und Einwirkung des Reiters herangezogen werden.
Im Kontext von Reiten und Pferdesport ist die Vorhand weit mehr als nur ein anatomischer Begriff. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Beurteilung von Gleichgewicht, Durchlässigkeit und Versammlungsgrad eines Pferdes. Die gezielte Arbeit mit und an der Vorhand gehört zu den Grundlagen der klassischen und modernen Ausbildungslehre.
Anatomie und Biomechanik der Vorhand
Die Vorhand des Pferdes trägt im natürlichen Stand etwa 55 bis 60 Prozent des Körpergewichts. Dieses Ungleichgewicht ergibt sich aus dem schweren Kopf und dem langen Hals, die als eine Art Hebel vor dem Schwerpunkt liegen. Das Schulterblatt (Scapula) ist beim Pferd nicht über ein Schlüsselbein mit dem Rumpf verbunden, sondern wird ausschließlich durch Muskulatur und Sehnen gehalten – eine Konstruktion, die als Synsarkose bezeichnet wird. Diese muskuläre Aufhängung ermöglicht dem Pferd eine beachtliche Beweglichkeit der Vorhand und federt Stöße beim Laufen ab.
Die Vorderbeine fungieren biomechanisch vorwiegend als Stütz- und Bremsapparat, während die Hinterbeine den Schub für die Vorwärtsbewegung liefern. Die Gelenke der Vorhand – Schultergelenk, Ellenbogengelenk, Karpalgelenk (Vorderfußwurzelgelenk), Fesselgelenk, Krongelenk und Hufgelenk – arbeiten dabei in einer Kettenreaktion zusammen, die den gleichmäßigen Bewegungsfluss gewährleistet.
Bedeutung der Vorhand in der Reitausbildung
In der Skala der Ausbildung, wie sie die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) definiert, steht die Arbeit an der Vorhand in engem Zusammenhang mit den Ausbildungszielen Takt, Losgelassenheit, Anlehnung und Geraderichtung. Ein Pferd, das auf der Vorhand läuft – also übermäßig viel Gewicht auf die Vorderbeine verlagert –, kann sich nicht in Balance bewegen und ist langfristig gesundheitlich gefährdet.
Ziel der reiterlichen Ausbildung ist es, das Pferd dazu zu bringen, seinen Schwerpunkt zunehmend nach hinten zu verlagern, also die Hinterhand stärker zu belasten und die Vorhand zu entlasten. Dieser Prozess wird als Versammlung bezeichnet. Ein versammeltes Pferd trägt sich leichter auf der Vorhand, hebt Schulter und Widerrist an und bewegt sich mit erhöhter Selbsthaltung. Die Vorderbeine gewinnen dadurch an Raumgriff und Kadenz.
Typische Anzeichen dafür, dass ein Pferd zu stark auf der Vorhand geht, sind:
- Häufiges Stolpern oder unsicherer Gang
- Schwere, nach unten drückende Anlehnung an das Gebiss
- Mangelnde Reaktion auf halbe Paraden
- Steife, kurze Tritte der Vorderbeine
- Schwierigkeiten bei Übergängen und Wendungen
Lektionen und Übungen zur Arbeit mit der Vorhand
In der Dressurarbeit gibt es mehrere Lektionen, die direkt auf die Kontrolle und Schulung der Vorhand abzielen. Eine der grundlegendsten ist das Vorhandwendung (auch: Wendung um die Hinterhand auf der Stelle). Dabei dreht das Pferd seine Vorhand um die nahezu stillstehende Hinterhand. Diese Übung schult die seitliche Beweglichkeit der Schultern und verbessert die Reaktion des Pferdes auf den seitwärtstreibenden Schenkel.
Beim Schulterherein wird die Vorhand des Pferdes nach innen gestellt, sodass es auf drei Hufschlaglinien geht. Diese Lektion gilt als "Aspirin der Reitkunst" und dient der Geraderichtung, der Geschmeidigkeit der Schulter und der vermehrten Lastaufnahme des inneren Hinterbeins.
Weitere Übungen, die auf die Vorhand einwirken:
- Halbe Paraden – kurze, koordinierte Einwirkungen von Sitz, Schenkel und Hand, die das Pferd zum Aufnehmen und Ausbalancieren anregen
- Übergänge zwischen und innerhalb der Gangarten – fördern die Gewichtsverlagerung auf die Hinterhand
- Volten und kleine Wendungen – verbessern die Geschmeidigkeit der Schulterpartie
- Rückwärtsrichten – aktiviert die Hinterhand und entlastet die Vorhand
Vorhand und Exterieurbeurteilung
Bei der Exterieurbeurteilung – also der Bewertung des äußeren Erscheinungsbildes eines Pferdes – wird die Vorhand intensiv begutachtet. Beurteilt werden unter anderem die Länge und Neigung des Schulterblatts, die Ausprägung des Widerrists, die Stellung der Vorderbeine sowie die Breite und Tiefe der Brust. Eine schräge, lange Schulter gilt als wünschenswert, da sie einen raumgreifenden, elastischen Vorderbeinschub ermöglicht. Ein gut ausgeprägter Widerrist sorgt für sicheren Sattelhalt und eine vorteilhafte Rückenlinie.
Fehlerhafte Stellungen der Vorhand – etwa bodenenge, bodenweite, zehenenge oder zehenweite Beinstellungen – beeinflussen die Bewegungsqualität und können zu ungleichmäßiger Belastung der Gelenke und Sehnen führen. Auch rückständige oder vorständige B