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Waldohreule

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Tierart – Vögel > Eulen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Asio otus
  • Ordnung: Eulen (Strigiformes)
  • Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
  • Gattung: Ohreulen (Asio)
  • Größe: 35–40 cm Körperlänge, Flügelspannweite 84–95 cm
  • Gewicht: 220–370 g (Weibchen tendenziell schwerer als Männchen)
  • Lebensraum: Nadel- und Mischwälder, Feldgehölze, Parks, halboffene Kulturlandschaften
  • Nahrung: Überwiegend Kleinsäuger, vor allem Wühlmäuse
  • Lebenserwartung: Bis zu 28 Jahre (Ringfund), in freier Wildbahn durchschnittlich 10–15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Waldohreule ist eine mittelgroße Eule mit schlankem Körperbau und auffällig langen Federohren, die aus jeweils sechs bis acht verlängerten Federn bestehen. Diese Federohren – die mit den eigentlichen Ohren nichts zu tun haben – werden je nach Stimmungslage aufgerichtet oder angelegt. Im Ruhezustand stehen sie aufrecht und verleihen dem Vogel sein charakteristisches Erscheinungsbild, während sie im Flug flach an den Kopf gedrückt werden.

Das Gefieder zeigt eine rindenbraune Grundfärbung mit einer dichten, dunklen Längs- und Querbänderung, die eine hervorragende Tarnung an Baumstämmen bietet. Die Unterseite ist etwas heller, gelblich-braun mit deutlichen dunklen Längsstreifen und feiner Querbänderung. Der Gesichtsschleier ist rostgelb bis orangebraun getönt und wird von einem dunklen Rand eingefasst. Die Augen leuchten orangegelb – ein Unterscheidungsmerkmal zur verwandten Sumpfohreule (Asio flammeus), deren Iris gelb gefärbt ist.

Die Flügel sind lang und schmal, die Handschwingen weisen an der Basis einen hellen Fleck auf, der im Flug erkennbar ist. Wie bei allen Eulen besitzen die Schwungfedern einen samtartigen Oberflächenbelag und ausgefranste Vorderkanten, die den Luftstrom brechen und so einen nahezu lautlosen Flug ermöglichen. Die Beine und Zehen sind vollständig befiedert.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Waldohreule erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis und Nordamerikas. In Europa kommt sie von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und ostwärts bis Japan vor. In Mitteleuropa zählt sie zu den häufigsten Eulenarten, auch wenn genaue Bestandszahlen aufgrund ihrer heimlichen Lebensweise schwer zu ermitteln sind. Der Brutbestand in Deutschland wird auf 26.000 bis 43.000 Brutpaare geschätzt.

Als Habitat bevorzugt die Waldohreule Waldränder, lichte Nadel- und Mischwälder sowie Feldgehölze in der Nähe offener Jagdflächen. Sie besiedelt auch Parks, Friedhöfe und größere Gärten in Siedlungsnähe, sofern geeignete Nistmöglichkeiten und ausreichende Nahrungsflächen vorhanden sind. Reine Laubwälder werden seltener besiedelt, da Nadelgehölze besseren Sichtschutz während der Tagesruhe bieten.

In den nördlichen und östlichen Teilen ihres Verbreitungsgebietes ist die Waldohreule ein Zugvogel oder Teilzieher. Mitteleuropäische Populationen verhalten sich überwiegend als Standvögel oder Kurzstreckenzieher, wobei in strengen Wintern Wanderbewegungen nach Südwesten auftreten können.

Ernährung

Die Waldohreule ernährt sich ganz überwiegend von Kleinsäugern. Feldmäuse und andere Wühlmäuse der Gattung Microtus machen in Mitteleuropa oft über 80 Prozent der Nahrung aus. Daneben werden Waldmäuse (Apodemus), Spitzmäuse und gelegentlich Ratten erbeutet. In geringem Umfang ergänzen Kleinvögel – vor allem Sperlinge und Finken – den Speiseplan, ebenso vereinzelt Insekten und andere Wirbellose.

Die Jagd erfolgt überwiegend im niedrigen Suchflug über offenen Flächen wie Wiesen, Brachen und Feldfluren. Dabei orientiert sich die Eule stark akustisch: Der asymmetrisch angeordnete Gehörapparat ermöglicht ein räumliches Hören, das die exakte Ortung von Beutetieren selbst unter einer Schneedecke erlaubt. Alternativ jagt die Waldohreule von erhöhten Ansitzwarten aus.

Unverdauliche Nahrungsreste wie Knochen, Fell und Federn werden als Gewölle wieder hervorgewürgt. Diese länglichen, graubraunen Speiballen sind ein wichtiger Hinweis auf das Vorkommen der Art und werden in der Feldornithologie systematisch zur Nahrungsanalyse herangezogen.

Verhalten & Lebensweise

Die Waldohreule ist streng nachtaktiv. Den Tag verbringt sie dicht an einen Baumstamm oder Ast gedrückt in aufrechter Haltung, wobei die Tarnfärbung des Gefieders sie mit der Rinde verschmelzen lässt. Bei Störungen nimmt sie eine sogenannte Pfahlstellung ein: Der Körper wird lang gestreckt, die Federohren aufgerichtet und die Augen zu schmalen Schlitzen verengt, sodass die Eule einem abgebrochenen Ast gleicht.

Außerhalb der Brutzeit zeigt die Art ein für Eulen ungewöhnliches Verhalten: Im Winter bilden sich an traditionellen Schlafplätzen – häufig in dichten Nadelgehölzen oder immergrünen Hecken – gemeinschaftliche Tagesruheplätze, an denen sich teils über dreißig Individuen versammeln. Diese Winterschlafgemeinschaften können über viele Jahre hinweg am selben Ort bestehen.

Der Reviergesang des Männchens besteht aus tiefen, dumpfen „huh"-Rufen, die in regelmäßigen Abständen von etwa zwei bis drei Sekunden wiederholt werden. Weibchen antworten mit einem nasaleren, höheren „piiäh". Bettelnde Jungvögel geben einen durchdringenden, quietschenden Ruf von sich, der an das