Wanderreiten
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Definition und Überblick
Wanderreiten bezeichnet das mehrtägige Reiten über längere Strecken durch die Landschaft, bei dem Reiter und Pferd gemeinsam Distanzen von mehreren hundert Kilometern zurücklegen können. Im Gegensatz zum Distanzreiten, bei dem Geschwindigkeit und Wettbewerb im Vordergrund stehen, liegt der Schwerpunkt beim Wanderreiten auf dem harmonischen Naturerlebnis, der Entschleunigung und dem partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd. Die zurückgelegte Tagesetappe beträgt in der Regel zwischen 20 und 40 Kilometern, wobei das Tempo überwiegend im Schritt und leichtem Trab gehalten wird. Wanderreiten gilt als eine der ältesten Formen des Reitens überhaupt – lange bevor der Pferdesport in Reitbahnen und auf Turnierplätzen stattfand, war das Pferd vor allem Fortbewegungsmittel über weite Strecken.
Geschichte und Entwicklung
Die Nutzung des Pferdes als Reit- und Reisemittel reicht Jahrtausende zurück. Nomadenvölker, Handelstreibende und Militärs legten selbstverständlich mehrtägige Ritte zurück. Mit der zunehmenden Motorisierung im 20. Jahrhundert verlor das Pferd seine Funktion als Transportmittel. In den 1970er und 1980er Jahren erlebte das Wanderreiten in Mitteleuropa jedoch eine Renaissance, als naturverbundene Reiter eine Gegenbewegung zum turnier- und leistungsorientierten Reitsport suchten. Organisationen wie die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) trugen maßgeblich zur Etablierung des Wanderreitens bei, indem sie Reitwegenetze kartierten, Wanderreitstationen aufbauten und Prüfungen für Wanderreiter entwickelten.
Anforderungen an das Pferd
Nicht jedes Pferd eignet sich gleichermaßen für das Wanderreiten. Gefragt sind trittsichere, nervenstabile und ausdauernde Tiere mit guter Grundkondition. Als besonders geeignete Pferderassen gelten:
- Islandpferde – robust, genügsam und mit zusätzlichen Gangarten ausgestattet
- Haflinger – trittsicher, belastbar und ausgeglichen im Temperament
- Araber und Arabermixe – ausdauernd, hitzetolerant und leistungsfähig auf langen Strecken
- Freiberger – kräftige, ruhige Pferde mit guter Geländegängigkeit
- Quarter Horses – gelassene, vielseitige Pferde mit gutem Arbeitswillen
Grundsätzlich kann aber nahezu jedes gesunde, gut trainierte Pferd für Wanderritte vorbereitet werden. Entscheidend sind der Trainingszustand, die Hufgesundheit und die psychische Belastbarkeit. Ein Wanderreitpferd muss mit wechselndem Untergrund, Straßenverkehr, Brücken, Wasser und unbekannten Umgebungen gelassen umgehen können. Die Hufe verdienen besondere Aufmerksamkeit: Viele Wanderreiter setzen auf Hufschuhe als Alternative zum klassischen Hufeisen, da diese je nach Bodenbeschaffenheit an- und abgelegt werden können.
Vorbereitung und Konditionierung
Ein Wanderritt erfordert eine sorgfältige Vorbereitung, die mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Das Pferd muss durch systematisches Konditionstraining auf die Belastung vorbereitet werden. Dazu gehören regelmäßige, zunehmend längere Ausritte im Gelände, Bergtraining und Übungen auf verschiedenen Böden. Auch das Tragen von Gepäck – in Form von Satteltaschen oder Packtaschen – muss schrittweise trainiert werden, da das zusätzliche Gewicht die Balance des Pferdes beeinflusst.
Für den Reiter selbst gilt ebenfalls: Körperliche Fitness, ein ausbalancierter Sitz und grundlegende Kenntnisse in Pferdegesundheit, Hufpflege, Navigation und Wetterkunde sind unerlässlich. Vor einem längeren Ritt empfiehlt sich eine tierärztliche Untersuchung des Pferdes, bei der Herz-Kreislauf-System, Bewegungsapparat und Zahnstatus geprüft werden.
Ausrüstung und Gepäck
Die Wahl der Ausrüstung beeinflusst den Komfort und die Sicherheit auf dem Ritt erheblich. Ein gut passender Wanderreitsattel verteilt das Gewicht des Reiters gleichmäßig auf dem Pferderücken und bietet genügend Befestigungsmöglichkeiten für Gepäck. Weit verbreitet sind Sättel mit breiter Auflagefläche und Möglichkeiten zur Befestigung von Satteltaschen, etwa Modelle nach westlicher oder militärischer Bauart.
Zur Grundausrüstung gehören:
- Satteltaschen oder Packtaschen für Kleidung, Proviant und Werkzeug
- Anbindeseil, Weidezaun oder Highline zur Sicherung des Pferdes bei Pausen und Übernachtungen
- Hufpflegeset mit Hufkratzer, Hufmesser und Ersatzhufschuhen
- Erste-Hilfe-Set für Pferd und Reiter
- Kartenmaterial, GPS-Gerät oder entsprechende Apps zur Navigation
- Regenausrüstung und Reflektoren für Sicherheit im Straßenverkehr
Das Gesamtgewicht von Reiter und Gepäck sollte ein Fünftel des Pferdekörpergewichts nicht überschreiten, um Überlastungsschäden an Rücken und Gelenken zu vermeiden.
Routenplanung und Infrastruktur
Eine durchdachte Routenplanung bildet das Fundament jedes Wanderritts. Dabei sind Tagesetappen so zu wählen, dass am jeweiligen Etappenziel eine geeignete Unterkunft für Pferd und Reiter vorhanden ist. Sogenannte Wanderreitstationen bieten Weide oder Paddock, Wasser, Futter und häufig auch eine Übernachtungsmöglichkeit für den Reiter. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile gut ausgebaute Netzwerke solcher Stationen, die über Datenbanken und Wanderreitkarten auff