Wasserlinse
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Definition und Überblick
Die Wasserlinse (Gattung Lemna) gehört zur Familie der Aronstabgewächse (Araceae) und zählt zu den kleinsten Blütenpflanzen der Welt. Im Volksmund ist sie auch als Entengrütze, Entengrün oder Entenflott bekannt – Namen, die auf ihre Bedeutung als Nahrungsquelle für Wasservögel hinweisen. In Aquarien und Gartenteichen spielt die Wasserlinse eine zwiespältige Rolle: Einerseits dient sie als natürlicher Nährstofffilter und Futterquelle, andererseits kann sie bei unkontrolliertem Wachstum die gesamte Wasseroberfläche bedecken und anderen Pflanzen sowie Tieren das Licht nehmen.
Weltweit existieren rund 13 Arten innerhalb der Unterfamilie Lemnoideae, zu der neben der eigentlichen Gattung Lemna auch die verwandten Gattungen Spirodela (Vielwurzelige Teichlinse), Wolffia (Zwergwasserlinse) und Wolffiella gehören. In Mitteleuropa kommen vor allem die Kleine Wasserlinse (Lemna minor), die Bucklige Wasserlinse (Lemna gibba) und die Dreifurchige Wasserlinse (Lemna trisulca) vor.
Morphologie und Aufbau
Wasserlinsen bestehen aus einem stark reduzierten, blattähnlichen Pflanzenkörper, dem sogenannten Spross- oder Laubglied (Phyllokládium). Dieser flache, ovale bis rundliche Vegetationskörper misst je nach Art zwischen 1 und 10 Millimeter. Eine klare Unterscheidung in Stängel und Blatt ist bei diesen Schwimmpflanzen nicht möglich – der gesamte grüne Körper übernimmt die Photosynthese.
An der Unterseite hängt bei den meisten Arten eine einzelne fadenförmige Wurzel ins Wasser, die der Nährstoffaufnahme und als Stabilisator dient. Die Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza) bildet dagegen ein Büschel aus mehreren Wurzeln. Die Zwergwasserlinse (Wolffia arrhiza) besitzt überhaupt keine Wurzeln und ist mit etwa 0,5 bis 1,5 Millimetern Durchmesser die kleinste bekannte Blütenpflanze.
Vermehrung und Wachstum
Die Vermehrung erfolgt überwiegend vegetativ durch Sprossung. Aus seitlichen Taschen des Mutterpflänzchens wachsen Tochterpflanzen hervor, die sich nach kurzer Zeit ablösen und eigenständig weiterwachsen. Unter optimalen Bedingungen kann sich eine Wasserlinsen-Population innerhalb weniger Tage verdoppeln. Dieser exponentielle Zuwachs erklärt, warum ein zunächst unauffälliger Bestand innerhalb von Wochen eine komplette Wasseroberfläche zudecken kann.
Blüten bilden Wasserlinsen nur selten aus. Es handelt sich dann um winzige, unscheinbare Blüten ohne Blütenblätter, die zu den kleinsten im gesamten Pflanzenreich gehören. Zur Überwinterung in kälteren Regionen bilden einige Arten sogenannte Turionen – stärkehaltige Überdauerungsknospen, die auf den Gewässergrund absinken und im Frühjahr wieder an die Oberfläche steigen.
Standort und Wasserparameter
Wasserlinsen gedeihen in stehenden und langsam fließenden Gewässern. Sie bevorzugen nährstoffreiches (eutrophes) Wasser mit hohen Stickstoff- und Phosphatwerten. Die optimale Wassertemperatur liegt zwischen 15 und 30 °C, wobei die Pflanzen auch bei niedrigeren Temperaturen überleben. Der pH-Wert kann in einem breiten Bereich zwischen 5,0 und 9,0 liegen.
- Licht: Mittlere bis hohe Lichtintensität fördert das Wachstum. Im Aquarium reichen handelsübliche LED- oder Leuchtstoffröhren-Beleuchtungen aus.
- Strömung: Starke Oberflächenströmung hemmt die Ausbreitung, da die Pflänzchen zusammengeschoben oder untergetaucht werden.
- Nährstoffe: Nitrat und Phosphat werden effizient aus dem Wasser aufgenommen, was die Wasserlinse zu einem biologischen Filter macht.
- CO₂-Düngung: Nicht erforderlich, da die Pflanze ihren Kohlenstoff direkt aus der Luft bezieht.
Einsatz im Aquarium
Im Süßwasseraquarium wird die Wasserlinse gezielt als Schwimmpflanze eingesetzt. Sie bietet Jungfischen, Garnelen und scheuen Arten wie Zwergbuntbarschen oder Labyrinthfischen willkommenen Schatten und Deckung. Insbesondere Kampffische (Betta splendens) profitieren von der gedämpften Beleuchtung, die ein dichter Wasserlinsenteppich erzeugt. Für den Bau von Schaumnestern nutzen sie die Pflänzchen als Strukturhilfe.
Die Nährstoffaufnahme der Wasserlinse senkt effektiv die Nitrat- und Phosphatwerte im Aquarienwasser und wirkt dadurch Algenwachstum entgegen. Gleichzeitig stellt sie ein wertvolles Lebendfutter dar: Goldfische, Koi, Mollys, Platys und viele andere pflanzenfressende Arten fressen die kleinen Schwimmpflanzen gern. Auch Schnecken wie die Posthornschnecke bedienen sich am Grün.
Ein Nachteil im Aquarium ist die mögliche Lichtreduktion für submerse Pflanzen wie Vallisnerien, Cryptocorynen oder Bodendecker. Wer einen dichten Unterwasserpflanzenwuchs anstrebt, muss den Wasserlinsenbestand regelmäßig ausdünnen. Das geschieht am einfachsten mit einem feinen Netz oder Becher, mit dem überschüssige Pflanzen von der Oberfläche abgeschöpft werden.
Einsatz im Gartenteich
Im Gartenteich siedelt sich die Wasserlinse häufig von selbst an – übertragen durch Wasservögel, Wind oder eingesetzte Teichpflanzen. In Maßen erfüllt sie nützliche Funktionen: Sie beschattet das Wasser, reduziert den Algenwuchs durch Nährstoffkonkurrenz und bietet Fröschen, Molchen und Libellenlarven Versteckmöglichkeiten. Enten und andere Wasservögel nutzen sie