T Tierlexikon.net
← Lexikon

Welpe

W

Zucht & Fortpflanzung > Lebensstadien

Definition und Überblick

Als Welpe wird ein junger Haushund (Canis lupus familiaris) in der ersten Lebensphase bezeichnet – von der Geburt bis etwa zur 16. bis 18. Lebenswoche. Der Begriff wird gelegentlich auch für den Nachwuchs anderer Caniden wie Wölfe oder Füchse verwendet, im allgemeinen Sprachgebrauch bezieht er sich jedoch nahezu ausschließlich auf junge Hunde. Synonyme und verwandte Bezeichnungen sind Hundewelpe, Hundebaby oder im süddeutschen und österreichischen Raum Hundekind. In der Jägersprache ist für junge Hunde auch der Ausdruck Hündchen oder Welf gebräuchlich.

Die Welpenzeit gilt als die prägendste Phase im Leben eines Hundes. Innerhalb weniger Wochen durchläuft das Tier eine rasante körperliche Entwicklung und bildet grundlegende Verhaltensweisen aus, die sein gesamtes weiteres Leben bestimmen. Nach dem Welpenalter schließt sich die Junghundephase an, die je nach Rasse bis zum 12. oder sogar 24. Lebensmonat dauern kann.

Geburt und neonatale Phase

Die Trächtigkeit der Hündin dauert durchschnittlich 63 Tage. Ein Wurf umfasst je nach Rasse zwischen einem und über zwölf Welpen, wobei die durchschnittliche Wurfgröße bei vier bis sechs Tieren liegt. Große Rassen wie Deutsche Doggen oder Bernhardiner bringen tendenziell mehr Nachkommen zur Welt als kleine Rassen wie Chihuahuas oder Yorkshire Terrier.

Neugeborene Welpen wiegen je nach Rasse zwischen 100 und 700 Gramm. Sie kommen in einem ausgesprochen unreifen Zustand zur Welt – man spricht von Nesthockern. Ihre Augen und Gehörgänge sind geschlossen, die Fortbewegung beschränkt sich auf ein Robben in Richtung der Mutterhündin. In dieser neonatalen Phase (1. bis 2. Lebenswoche) sind die Welpen vollständig auf die Mutterhündin angewiesen. Sie regulieren ihre Körpertemperatur noch nicht selbstständig und verbringen den größten Teil des Tages schlafend und saugend. Die Kolostralmilch (Erstmilch) der Hündin versorgt die Neugeborenen mit lebenswichtigen Antikörpern, die einen passiven Immunschutz in den ersten Lebenswochen gewährleisten.

Entwicklungsphasen des Welpen

Die Welpenentwicklung wird in der Verhaltensbiologie in mehrere aufeinanderfolgende Abschnitte unterteilt:

  • Neonatale Phase (1.–2. Woche): Die Sinnesorgane sind noch weitgehend unreif. Die Welpen reagieren auf Wärme und Berührung, zeigen den sogenannten Suchreflex und den Milchtritt.
  • Übergangsphase (2.–3. Woche): Zwischen dem 10. und 16. Lebenstag öffnen sich die Augen, kurz darauf die Ohren. Die Welpen beginnen, ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen, und machen erste wackelige Gehversuche.
  • Sozialisierungsphase (3.–12. Woche): Dies ist die bedeutendste Phase für die Verhaltensentwicklung. Die Welpen lernen den Umgang mit Artgenossen, nehmen Kontakt zu Menschen auf und werden mit verschiedenen Umweltreizen konfrontiert. Das Spiel mit Wurfgeschwistern dient dem Erlernen der Beißhemmung und sozialer Kommunikation. Versäumnisse in dieser Phase können zu dauerhaften Verhaltensproblemen führen.
  • Juvenile Phase (ab 12.–16. Woche): Der Übergang zum Junghund vollzieht sich fließend. Die Milchzähne werden durch das bleibende Gebiss ersetzt (Zahnwechsel), die motorischen Fähigkeiten verfeinern sich, und die Lernfähigkeit bleibt hoch.

Ernährung und Entwöhnung

In den ersten drei bis vier Lebenswochen ernähren sich die Welpen ausschließlich von der Muttermilch. Ab der vierten Woche beginnt die schrittweise Entwöhnung (Absetzen), bei der die Welpen an feste Nahrung herangeführt werden. Zunächst wird weiches, breiiges Futter angeboten, bevor die Jungtiere auf spezielles Welpenfutter umgestellt werden. Dieses enthält einen höheren Anteil an Protein, Fett, Kalzium und Phosphor als Futter für ausgewachsene Hunde und ist auf die Anforderungen des schnellen Wachstums abgestimmt.

Eine bedarfsgerechte Ernährung in der Welpenzeit hat direkten Einfluss auf die Skelettentwicklung, die Muskulatur und das Immunsystem. Sowohl Über- als auch Unterversorgung mit Nährstoffen – insbesondere bei großwüchsigen Rassen – können zu Wachstumsstörungen und Gelenkproblemen wie Hüftgelenksdysplasie (HD) beitragen.

Gesundheit und tierärztliche Versorgung

In den ersten Lebenswochen genießen Welpen durch die mütterlichen Antikörper einen gewissen Schutz vor Infektionskrankheiten. Dieser maternale Immunschutz lässt jedoch zwischen der 6. und 16. Lebenswoche nach, weshalb in diesem Zeitraum die Grundimmunisierung durch Impfungen beginnt. Standardmäßig wird gegen Staupe, Parvovirose, Leptospirose, Hepatitis contagiosa canis und Tollwut geimpft.

Regelmäßige Entwurmungen gehören ebenfalls zur Gesundheitsvorsorge, da Welpen bereits über die Muttermilch mit Spulwürmern infiziert werden können. Der erste Tierarztbesuch sollte in der Regel in der 6. bis 8. Lebenswoche stattfinden und umfasst neben der Impfung eine Allgemeinuntersuchung sowie die Ausstellung eines Impfpasses bzw. EU-Heimtierausweises.

Abgabe und Welpenschutz

Seriöse Züchter, die einem Zuchtverband angehören, geben ihre Welpen frühestens ab der 8., in vielen Vereinen