T Tierlexikon.net
← Lexikon

Westernreiten

W

Sport & Training > Reiten & Pferdesport

Definition und Überblick

Westernreiten ist eine Reitweise, die ihren Ursprung in der Arbeitsreiterei nordamerikanischer Cowboys hat. Im Gegensatz zur klassischen englischen Reitweise, die auf die europäische Militär- und Hofreitkunst zurückgeht, entwickelte sich das Westernreiten aus den praktischen Anforderungen der Rinderzucht und des Viehtransports im amerikanischen Westen des 18. und 19. Jahrhunderts. Heute ist Westernreiten eine weltweit verbreitete Turniersportdisziplin mit eigenen Verbänden, Regelwerken und Zuchtzielen. In Deutschland wird der Sport durch die Erste Westernreiter Union Deutschland e.V. (EWU) als Mitgliedsverband der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) organisiert.

Geschichtliche Entwicklung

Die Wurzeln des Westernreitens reichen bis zu den spanischen Konquistadoren zurück, die im 16. Jahrhundert Pferde nach Amerika brachten. Ihre Reitweise beeinflusste die mexikanischen Vaqueros, die als Vorreiter der nordamerikanischen Cowboys gelten. Im Alltag der Rinderranch musste der Reiter stundenlang im Sattel sitzen, Viehherden über weite Strecken treiben und einzelne Rinder aus einer Herde separieren – oft einhändig, da die andere Hand für das Lasso benötigt wurde. Aus diesen Anforderungen entwickelten sich die charakteristischen Merkmale der Westernreitweise: eine einhändige Zügelführung (Neck Reining), ein tiefer, bequemer Sitz und ein Pferd, das selbstständig mitdenkt.

Ab den 1950er-Jahren etablierte sich das Westernreiten als eigenständige Turniersportart. Die American Quarter Horse Association (AQHA) wurde bereits 1940 gegründet und ist heute der weltweit größte Zuchtverband für eine einzelne Pferderasse. In Europa gewann die Disziplin ab den 1970er-Jahren zunehmend an Popularität.

Ausrüstung und Sattel

Das auffälligste Merkmal der Westernausrüstung ist der Westernsattel. Er unterscheidet sich grundlegend vom englischen Sattel durch sein deutlich höheres Gewicht (8–15 kg), ein Sattelhorn vorne am Vorderzwiesel, eine breite Sitzfläche und eine größere Auflagefläche auf dem Pferderücken. Das Sattelhorn diente ursprünglich zum Befestigen des Lassos bei der Rinderarbeit. Die breite Auflagefläche verteilt das Reitergewicht gleichmäßiger, was bei langen Arbeitstagen sowohl für Pferd als auch für Reiter von Vorteil war.

Zur weiteren Ausrüstung gehören:

  • Westerntrense – häufig mit geteiltem Gebiss (Snaffle Bit) für junge Pferde oder Kandarengebiss (Curb Bit) für ausgebildete Pferde
  • Split Reins – offene, nicht verbundene Zügel, die einhändig geführt werden
  • Westernpad – eine dicke Sattelunterlage, die Stöße abfedert und den Pferderücken schützt
  • Chaps – Beinschützer aus Leder, die beim Reiten im Gelände und bei Turnieren getragen werden
  • Westernstiefel – mit schräger Sohle und Absatz für sicheren Halt im Steigbügel

Grundlagen der Reitweise

Das Westernreiten basiert auf dem Prinzip der Losgelassenheit und der feinen Hilfengebung. Der Reiter sitzt tief und entspannt im Sattel, die Zügel werden mit minimaler Spannung gehalten. Ziel ist ein Pferd, das auf feinste Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen reagiert. Anders als in der klassischen Dressur wird beim Westernreiten ein durchhängender Zügel angestrebt – die sogenannte Zügelanlehnung entfällt. Das Pferd soll eigenständig in der gewünschten Gangart und Geschwindigkeit bleiben, ohne ständige Einwirkung des Reiters.

Die Grundgangarten werden im Westernreiten anders benannt: Der Schritt heißt Walk, der Trab wird als Jog bezeichnet – ein langsamer, flacher Trab, der sich deutlich vom schwungvollen Trab der klassischen Reitweise unterscheidet. Der Galopp wird Lope genannt und ist ebenfalls ruhiger und flacher als der Dressurgalopp. Hinzu kommt der Sliding Stop, ein spektakuläres Anhalten aus dem Galopp, bei dem das Pferd mit der Hinterhand tief unter den Schwerpunkt gleitet.

Turnierdisziplinen

Der Turniersport im Westernreiten umfasst zahlreiche Disziplinen, die zum Teil direkt aus der Rancharbeit abgeleitet sind:

  • Reining – oft als „Dressur des Westernreitens" bezeichnet. Pferd und Reiter absolvieren eine vorgegebene Pattern mit Sliding Stops, Spins (schnelle Drehungen auf der Hinterhand), Zirkel in verschiedenen Geschwindigkeiten und Galoppwechsel. Reining ist seit 2002 als FEI-Disziplin international anerkannt.
  • Western Pleasure – eine Gangprüfung, bei der das Pferd in den drei Grundgangarten auf Gleichmäßigkeit, Manier und Rittigkeit bewertet wird
  • Trail – ein Geschicklichkeitsparcours mit Hindernissen wie Brücken, Toren und Stangen, die ruhig und präzise bewältigt werden müssen
  • Western Horsemanship – hier wird primär der Sitz und die Hilfengebung des Reiters bewertet
  • Cutting – das Herauslösen eines einzelnen Rindes aus einer Herde. Das Pferd arbeitet dabei weitgehend selbstständig und hält das Rind von der Herde fern.
  • Working Cowhorse – eine Kombination aus Reining-Pattern und Rinderarbeit, bei der das Pferd ein einzelnes Rind entlang der Bande kontrollieren muss
  • Barrel Racing – ein Geschwindigkeitsrennen um drei Tonnen in einem Kleeblattmuster, besonders populär bei Rodeo-Veranstaltungen

Typische Pferderassen

Die mit Abstand beliebteste Rasse im Westernreiten ist das American Quarter Horse. Diese Rasse