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Wickelbär

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Tierart – Säugetiere > Raubtiere – Kleinbären

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Potos flavus
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Kleinbären (Procyonidae)
  • Gattung: Potos
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder Mittel- und Südamerikas
  • Körperlänge: 40–60 cm (ohne Schwanz)
  • Schwanzlänge: 40–55 cm
  • Gewicht: 1,4–4,6 kg
  • Lebenserwartung: ca. 20–25 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn vermutlich kürzer

Aussehen & Merkmale

Der Wickelbär ist ein mittelgroßes Säugetier mit einem kompakten, schlanken Körperbau, der auf den ersten Blick an einen Primaten erinnern kann. Sein dichtes, wolliges Fell ist oberseits goldbraun bis dunkelbraun gefärbt, die Unterseite zeigt einen helleren, gelblichen Ton. Die großen, runden Augen sind an das nächtliche Sehen angepasst und reflektieren im Lichtschein auffällig. Die Ohren sind klein und abgerundet.

Das auffälligste körperliche Merkmal ist der lange Greifschwanz, der als fünfte Extremität dient. Dieser Schwanz ist voll greiffähig (prehensil) und ermöglicht es dem Wickelbär, sich beim Klettern sicher an Ästen festzuhalten – eine Eigenschaft, die unter den Raubtieren einzigartig ist und ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. Die Füße sind mit scharfen, gebogenen Krallen ausgestattet. Die Hinterfüße lassen sich um 180 Grad drehen, sodass das Tier kopfüber an Stämmen hinabklettern kann. Die Zunge ist lang, dünn und ausstreckbar, was beim Sammeln von Nektar und Honig von Vorteil ist.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Wickelbären erstreckt sich vom südlichen Mexiko über ganz Mittelamerika bis in den Norden Südamerikas – einschließlich Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Peru, Bolivien und dem westlichen Brasilien. Er bewohnt vorwiegend tropische und subtropische Regenwälder, kommt aber auch in Trockenwäldern, Bergnebelwäldern und Sekundärwäldern vor. Sein Habitat reicht von Tieflandregenwäldern auf Meereshöhe bis in Bergwälder auf etwa 2.500 Metern Höhe.

Als strikt baumbewohnende (arborikole) Art verbringt der Wickelbär sein gesamtes Leben im Kronendach der Bäume. Den Waldboden betritt er nur in Ausnahmefällen. Er bevorzugt zusammenhängende Waldgebiete mit altem Baumbestand, da er auf Baumhöhlen als Schlafplätze angewiesen ist. Fragmentierte Wälder und offene Landschaften meidet er weitgehend.

Ernährung

Obwohl der Wickelbär taxonomisch zu den Raubtieren gehört, ernährt er sich überwiegend pflanzlich – ein Umstand, der ihn innerhalb der Ordnung Carnivora zu einer Besonderheit macht. Etwa 90 Prozent seiner Nahrung bestehen aus reifen Früchten. Ergänzend frisst er Blütennektar, Honig, Blütenblätter und gelegentlich Insekten, kleine Wirbeltiere und Eier.

Mit seiner langen, beweglichen Zunge leckt er Nektar aus tiefen Blütenkelchen und nimmt dabei eine ökologisch bedeutsame Rolle als Bestäuber ein. Besonders Balsa-Bäume (Ochroma pyramidale) und verschiedene Parkia-Arten profitieren von seinen nächtlichen Blütenbesuchen. Im Fruchtangebot bevorzugt er weiche, zuckerreiche Früchte wie Feigen, Mangos und verschiedene Maulbeergewächse. Durch den Transport von Samen im Verdauungstrakt trägt er zur Verbreitung zahlreicher Baumarten bei und erfüllt damit eine wichtige Funktion im Ökosystem des tropischen Regenwaldes.

Verhalten & Lebensweise

Der Wickelbär ist strikt nachtaktiv. Tagsüber schläft er in Baumhöhlen oder im dichten Blattwerk, oft zusammen mit einem oder mehreren Artgenossen. Seine Aktivitätsphase beginnt in der Abenddämmerung und reicht bis in die frühen Morgenstunden.

Sozial zeigt der Wickelbär ein flexibles Muster. Er lebt nicht in festen Gruppen, bildet aber lockere soziale Verbände. Häufig teilen sich zwei Männchen und ein Weibchen mit Jungtier einen Schlafbaum, gehen aber einzeln auf Nahrungssuche. Die Tiere kommunizieren über ein breites Repertoire an Lautäußerungen – darunter schrille Schreie, Zischlaute und bellende Rufe – sowie über Duftmarkierungen. Brust- und Bauchdrüsen sowie Drüsen im Gesichtsbereich dienen der Reviermarkierung.

Das Revier eines Männchens umfasst je nach Nahrungsangebot zwischen 20 und 50 Hektar und überlappt häufig mit den Streifgebieten mehrerer Weibchen. Innerhalb seines Reviers nutzt der Wickelbär bevorzugte Routen im Kronendach, die er über Jahre beibehält.

Fortpflanzung & Aufzucht

Wickelbären pflanzen sich ganzjährig fort, wobei regionale Häufungen beobachtet werden. Nach einer Tragzeit von etwa 100 bis 120 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Das Neugeborene wiegt rund 150 bis 200 Gramm, ist zunächst blind und mit einem dünnen Flaum bedeckt.

Die Augen öffnen sich nach ein bis zwei Wochen. Das Jungtier klammert sich anfangs am Bauchfell der Mutter fest und wird etwa acht Wochen gesäugt. Mit drei bis vier Monaten beginnt es, feste Nahrung aufzunehmen. Die Geschlechtsreife tritt bei Weibchen mit etwa 18 bis 24 Monaten ein, bei Männchen etwas später. Die Aufzucht liegt allein beim Weibchen, das Männchen beteiligt sich nicht an der Jungenbetreuung.

Bedrohung & Schutzstatus

Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Wickelbär derzeit als „nicht gefährdet" (Least Concern)