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Wildpferd

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Pferde (wild)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Equus ferus
  • Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
  • Familie: Pferde (Equidae)
  • Gattung: Equus
  • Unterarten: Przewalski-Pferd (Equus ferus przewalskii), ausgestorbener Tarpan (Equus ferus ferus)
  • Lebensraum: Steppen, Halbwüsten, Grasland
  • Größe: Schulterhöhe 120–146 cm
  • Gewicht: 250–350 kg
  • Lebenserwartung: 20–25 Jahre in freier Wildbahn, bis 30 Jahre in menschlicher Obhut

Aussehen & Merkmale

Das Wildpferd ist ein kompakt gebauter Einhufer mit kräftigem Körperbau, der sich deutlich von modernen Hauspferden unterscheidet. Das Przewalski-Pferd – die einzige überlebende Unterart – besitzt einen relativ großen Kopf mit breiter Stirn, kleine Ohren und einen gedrungenen Hals. Die Beine sind kurz und stämmig, häufig mit dunklen Zebrastreifen an den Vorderbeinen, sogenannten Beinstreifen.

Das Fell ist oberseits gelblich-braun bis sandfarben und geht an Bauch und Flanken in einen helleren Ton über. Ein markantes Merkmal ist der dunkle Aalstrich, der als durchgehende Linie vom Mähnenkamm über den Rücken bis zum Schweifansatz verläuft. Die Stehmähne des Wildpferdes ist kurz und aufrecht – im Gegensatz zur langen Hängemähne domestizierter Pferde. Der Schweif ist im oberen Abschnitt kurzhaarig und wird erst im unteren Bereich lang und buschig. Das Winterfell ist dicht und langhaarig, was dem Tier Schutz gegen die extremen Temperaturen seines Lebensraums bietet.

Das Maul ist hell gefärbt, oft fast weiß, was als Mehlmaul bezeichnet wird. Die Hufe sind hart und breit, eine Anpassung an steinige und trockene Böden. Wildpferde besitzen wie alle Vertreter der Gattung Equus an jedem Fuß nur eine funktionale Zehe.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Wildpferdes erstreckte sich über weite Teile Eurasiens – von der Iberischen Halbinsel bis in die Steppen der Mongolei und Chinas. Der europäische Tarpan besiedelte Waldsteppen und offene Graslandschaften Osteuropas und wurde im 19. Jahrhundert ausgerottet. Das Przewalski-Pferd bewohnte bevorzugt die trockenen Steppen und Halbwüsten Zentralasiens.

Das bevorzugte Habitat sind offene, baumlose oder baumarme Landschaften mit ausreichend Grasvegetation. Die Tiere benötigen Zugang zu Wasserstellen, wobei sie mit vergleichsweise geringen Wassermengen auskommen. In der Mongolei besiedeln sie heute die Übergangszone zwischen Steppe und Wüste Gobi. Weitere Auswilderungsprojekte wurden in China, Kasachstan und Ungarn durchgeführt. In Deutschland leben halbwilde Przewalski-Pferde im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst bei Erlangen sowie im Schaugehege des Kölner Zoos und in der Döberitzer Heide bei Berlin.

Ernährung

Wildpferde sind reine Pflanzenfresser (Herbivoren) und ernähren sich überwiegend von Gräsern, Kräutern und niedrigen Sträuchern. Sie zählen zu den Raufutterfressern, deren Verdauungssystem auf die Verwertung faserreicher Nahrung ausgelegt ist. Als Dickdarmfermentierer verarbeiten sie Zellulose im Blinddarm und Dickdarm mithilfe spezialisierter Mikroorganismen.

In den kargen Steppengebieten fressen sie auch Rinde, Wurzeln und trockene Halme. Die Tiere verbringen einen Großteil des Tages – bis zu 16 Stunden – mit der Nahrungsaufnahme. Im Winter scharren sie mit den Hufen Schnee beiseite, um an darunter liegende Vegetation zu gelangen. Diese Verhaltensweise wird als Scharren oder Cratering bezeichnet.

Verhalten & Lebensweise

Wildpferde leben in stabilen sozialen Gruppen, sogenannten Harems, die aus einem erwachsenen Hengst, mehreren Stuten und deren Fohlen bestehen. Eine Gruppe umfasst typischerweise fünf bis fünfzehn Tiere. Die Stuten bilden untereinander eine feste Rangordnung, wobei eine erfahrene Leitstute die Gruppe bei der Wanderung zu Futter- und Wasserstellen anführt. Der Hengst hält sich meist am Rand der Herde auf und verteidigt die Gruppe gegen Rivalen und Raubtiere.

Junge Hengste, die aus der Familiengruppe verdrängt wurden, schließen sich zu Junggesellengruppen zusammen. In diesen Verbänden üben sie durch spielerische Kämpfe – Beißen, Steigen und Austreten – das Kräftemessen, das sie später für die Übernahme einer eigenen Harem-Gruppe benötigen.

Die Tiere sind vorwiegend in der Dämmerung aktiv und ruhen in den heißen Mittagsstunden. Ihre Tagesrhythmen passen sie saisonal an. Im Winter stehen sie häufig in dichten Gruppen zusammen, um sich gegenseitig vor Wind und Kälte zu schützen. Wildpferde kommunizieren über Lautäußerungen wie Wiehern und Schnauben, über Körperhaltung und Geruchssignale. Die Tiere markieren ihr Revier durch Kothaufen, die von Hengsten an festen Stellen abgesetzt werden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Monate April bis Juli. Hengste konkurrieren durch Imponierverhalten und direkte Auseinandersetzungen um die Gunst der Stuten. Nach einer Tragzeit von etwa elf bis zwölf Monaten bringt die Stute in der Regel ein einzelnes Fohlen zur Welt. Zwillingsgeburten sind extrem selten.

Neugeborene Fohlen wiegen rund 30 Kilogramm und stehen innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt auf den Beinen – eine überlebenswichtige Anpassung als Fluchttier in offenen Landschaften. Das Fohlen wird sechs bis acht Monate gesäugt, begin