Wollhaar
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Definition & Überblick
Als Wollhaar (Pili lanei, auch Sekundärhaar oder Unterhaar) bezeichnet man den feinen, dicht stehenden und meist stark gekräuselten oder gewellten Haartyp, der die innere Schicht des Haarkleides bei Säugetieren bildet. Im Gegensatz zum gröberen Deckhaar (Pili primarii) besitzt das Wollhaar einen deutlich geringeren Durchmesser, fehlt ihm häufig das Mark (Medulla) und ist es in der Regel kürzer. Zusammen mit dem Deckhaar, den Grannenhaaren und gegebenenfalls den Sinushaaren (Pili tactiles) bildet das Wollhaar das gesamte Haarkleid (Pelage) eines Tieres. Seine Hauptaufgabe liegt in der Thermoregulation: Das feine, dicht verfilzte Unterhaar schließt Luft ein und wirkt als effektive Isolationsschicht gegen Wärme- und Kälteverlust.
Aufbau & Struktur
Histologisch entspricht das Wollhaar dem Grundbauplan eines Säugetierhaares, unterscheidet sich aber in wesentlichen Details vom Deckhaar. Jedes Wollhaar entsteht in einem Haarfollikel (Folliculus pili), der in der Dermis (Lederhaut) verankert ist. Die Follikel der Wollhaare sind in der Regel kleiner und weniger tief eingebettet als jene der Primärhaare. Bei vielen Tierarten münden mehrere Wollhaarfollikel in eine gemeinsame Haarbalgöffnung, die einem zentralen Leithaarbälg zugeordnet ist – man spricht dann von einem zusammengesetzten Haarfollikel (Folliculus pili compositus).
Im Querschnitt zeigt das Wollhaar typischerweise folgende Schichten:
- Kutikula (Cuticula pili): Die äußere Schuppenschicht, deren Anordnung je nach Tierart variiert. Beim Wollhaar ist die Schuppung oft dichter und feiner als beim Deckhaar.
- Kortex (Cortex pili): Die Rindenschicht aus längs ausgerichteten, keratinisierten Zellen. Sie bestimmt die mechanischen Eigenschaften und enthält Melaningranula, die für die Farbgebung verantwortlich sind.
- Medulla (Medulla pili): Das Markgewebe im Haarinneren fehlt beim Wollhaar häufig vollständig oder ist nur fragmentarisch vorhanden. Dieses Merkmal ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium zum Deckhaar in der forensischen und trichologischen Diagnostik.
Der Durchmesser eines typischen Wollhaares liegt je nach Tierart zwischen 10 und 30 Mikrometern – beim Deckhaar kann er das Drei- bis Zehnfache betragen. Die Haarwurzel sitzt einer Haarpapille (Papilla pili) auf, die über Blutgefäße die Nährstoffversorgung des wachsenden Haares gewährleistet. Dem Wollhaarfollikel fehlt häufig ein eigener Musculus arrector pili (Haarbalgmuskel); stattdessen wird die Aufrichtung des Unterhaares passiv über die Kontraktion des dem Leithaar zugeordneten Muskels vermittelt.
Funktion
Die zentrale Funktion des Wollhaares ist die Wärmeisolation. Die feinen, vielfach gekräuselten Haare bilden ein dichtes Polster, das eine stehende Luftschicht einschließt. Diese Luftschicht wirkt als thermischer Puffer und verhindert sowohl übermäßigen Wärmeverlust bei niedrigen Umgebungstemperaturen als auch eine zu schnelle Aufheizung des Körpers bei Hitze.
Darüber hinaus erfüllt das Wollhaar weitere Aufgaben:
- Mechanischer Schutz: Die dichte Unterwolle schützt die Epidermis vor mechanischer Beanspruchung, UV-Strahlung und Feuchtigkeit.
- Wasserabweisung: In Kombination mit Talgdrüsensekret (Sebum) und dem darüberliegenden Deckhaar bildet das Wollhaar eine wasserabweisende Barriere – besonders ausgeprägt bei semiaquatischen Arten.
- Saisonale Anpassung: Viele Säugetiere durchlaufen einen Haarwechsel (Fellwechsel), bei dem die Dichte des Wollhaares jahreszeitlich reguliert wird. Im Herbst wird eine dichtere Unterwolle (Winterfell) ausgebildet, im Frühjahr erfolgt der Abwurf (Effluvium).
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Ausprägung des Wollhaares variiert erheblich zwischen verschiedenen Spezies und ist stark an den jeweiligen Lebensraum angepasst:
- Hund (Canis lupus familiaris): Rasseabhängig existieren enorme Unterschiede. Nordische Rassen wie der Siberian Husky besitzen eine extrem dichte Unterwolle mit bis zu 800 Sekundärhaaren pro Leithaar. Rassen wie der Pudel zeigen ein durchgehend wollhaarartiges Fell mit minimalem Deckhaar und reduziertem Fellwechsel.
- Katze (Felis catus): Die meisten Katzenrassen besitzen eine ausgeprägte Unterwolle. Bei Rexkatzen (Devon Rex, Cornish Rex) ist das Fell fast ausschließlich aus welligem Wollhaar zusammengesetzt, da genetische Mutationen die Ausbildung normaler Deckhaare unterdrücken.
- Schaf (Ovis aries): Beim Merinoschaf ist das gesamte Vlies funktionell Wollhaar. Die Fasern sind stark gekräuselt (bis zu 40 Kräuselungen pro Zentimeter), extrem fein (12–24 µm) und medullafrei. Die züchterische Selektion hat die Primärhaare zugunsten der Sekundärhaare stark zurückgedrängt.
- Pferd (Equus caballus): Pferde besitzen im Vergleich zu Hund und Katze eine deutlich weniger ausgeprägte Unterwolle. Im Winterfell nimmt der Wollhaaranteil zu, bleibt aber gering. Robustpferderassen wie Islandpferde und Fjordpferde zeigen eine dichtere Unterwolle als Warmblüter.
- Rind (Bos taurus): Hochlandrindrassen (