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Wurf

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Verhalten > Fortpflanzungs- & Brutverhalten

Definition & Überblick

Als Wurf bezeichnet man in der Zoologie und Ethologie die Gesamtheit der Nachkommen, die ein Säugetier bei einer einzelnen Geburt zur Welt bringt. Der Begriff umfasst dabei sowohl den Geburtsvorgang selbst als auch das Ergebnis – also die Gruppe der gleichzeitig geborenen Jungtiere, die als Wurfgeschwister bezeichnet werden. Die Anzahl der Jungtiere pro Wurf wird als Wurfgröße oder Wurfstärke angegeben und variiert zwischen den Arten erheblich: von einem einzelnen Jungtier bei Großsäugern wie dem Elefanten bis hin zu über zwanzig Nachkommen bei bestimmten Tenrekarten auf Madagaskar.

Im Kontext des Fortpflanzungs- und Brutpflegeverhaltens bildet der Wurf eine zentrale biologische Einheit. Die Wurfgeschwister teilen nicht nur den genetischen Hintergrund derselben Elterntiere, sondern durchlaufen gemeinsam kritische Phasen der frühkindlichen Entwicklung, in denen Sozialverhalten, Kommunikation und artspezifische Verhaltensmuster erlernt und gefestigt werden.

Biologischer Hintergrund

Die Wurfgröße ist das Ergebnis einer evolutionären Abwägung zwischen zwei grundlegend unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien, die in der Ökologie als r- und K-Strategie beschrieben werden. Arten mit hoher Wurfgröße (r-Strategen) investieren vergleichsweise wenig Energie in das einzelne Jungtier und kompensieren eine hohe Jungtiersterblichkeit durch schiere Anzahl. K-Strategen hingegen bringen wenige, dafür reifere Nachkommen zur Welt und betreiben intensive Brutpflege über einen längeren Zeitraum.

Die Anzahl der Jungtiere pro Wurf wird durch mehrere Faktoren bestimmt:

  • Ovulationsrate – die Zahl der pro Zyklus freigesetzten Eizellen, die artspezifisch genetisch determiniert ist
  • Uteruskapazität – der verfügbare Platz und die Nährstoffversorgung in der Gebärmutter
  • Ernährungszustand des Muttertieres – bei Mangelernährung werden häufig weniger Embryonen erfolgreich ausgetragen
  • Alter und Parität – die Wurfgröße verändert sich oft im Laufe des Reproduktionslebens, wobei sehr junge und sehr alte Muttertiere tendenziell kleinere Würfe hervorbringen
  • Embryonalresorption – ein physiologischer Mechanismus, bei dem einzelne Embryonen im Frühstadium resorbiert werden, um die Überlebenschancen der verbleibenden Geschwister zu erhöhen

Je nach Reifegrad der Neugeborenen unterscheidet man zwischen Nesthockern (Altrizes), die blind, nackt und vollständig auf elterliche Fürsorge angewiesen zur Welt kommen, und Nestflüchtern (Praecoces), die bereits kurz nach der Geburt selbstständig stehen und der Mutter folgen können. Nesthocker treten typischerweise in größeren Würfen auf, Nestflüchter eher in kleineren.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Der Begriff Wurf ist ausschließlich auf lebendgebärende Säugetiere (Theria) anwendbar und grenzt sich damit klar von Gelegen bei Vögeln, Reptilien und Fischen ab. Die Wurfgröße variiert enorm:

  • Nagetiere – Mäuse und Ratten bringen durchschnittlich 6 bis 12 Jungtiere pro Wurf zur Welt, manche Arten bis zu 20. Die kurze Generationszeit ermöglicht mehrere Würfe pro Jahr.
  • Raubtiere – Wölfe und Haushunde werfen typischerweise 4 bis 8 Welpen, Katzen 3 bis 6 Kätzchen. Bei Großkatzen wie dem Tiger liegt die Wurfgröße bei 2 bis 4 Jungtieren.
  • Schweine – Das Hausschwein ist mit durchschnittlich 10 bis 14 Ferkeln pro Wurf einer der produktivsten Großsäuger überhaupt. Wildschweine bringen mit 4 bis 8 Frischlingen etwas weniger Nachkommen zur Welt.
  • Kaninchen und Hasen – Mit 4 bis 12 Jungtieren pro Wurf und mehreren Würfen jährlich sind Lagomorphen ausgesprochen reproduktiv.
  • Primaten – Die meisten Affenarten, einschließlich des Menschen, bringen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillinge sind selten, bei Krallenaffen (Callitrichidae) jedoch die Norm.
  • Huftiere – Pferde, Rinder, Giraffen und Elefanten gebären fast ausschließlich Einlinge. Die extrem lange Tragzeit bei Elefanten von rund 22 Monaten steht exemplarisch für die K-Strategie.
  • Beuteltiere – Kängurus bringen zwar nur ein einziges, extrem unreifes Jungtier zur Welt, doch einige Beuteltierarten wie der Beutelmarder haben Würfe von bis zu 8 Jungtieren.

Auslöser & Funktion

Der Zeitpunkt eines Wurfs wird durch ein Zusammenspiel hormoneller und umweltbedingter Faktoren gesteuert. Die Photoperiode – also die Tageslichtlänge – reguliert über die Melatoninproduktion der Zirbeldrüse den Fortpflanzungszyklus vieler Arten, sodass die Geburt in eine Jahreszeit mit optimaler Nahrungsverfügbarkeit fällt. Bei Rehen etwa sorgt die Keimruhe (Diapause) dafür, dass der befruchtete Embryo erst nach Monaten mit der Entwicklung beginnt und die Kitze im Frühsommer geboren werden.

Die Wurfgröße selbst ist ein Kompromiss zwischen maximalem Reproduktionserfolg und den physiologischen Kosten für das Muttertier. Aus ethologischer Perspektive hat die Aufzucht mehrerer Wurfgeschwister eine wichtige Funktion für die Verhaltensentwicklung: Im Spiel mit den Geschwistern erlernen die Jungtiere Beißhemmung, soziale Rangordnung und artspezifische Kommunikationssignale. Dieser als Sozialisationsphase bezeichnete Entwicklungsabsc