Wurfbau
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Definition und Überblick
Als Wurfbau wird in der Zoologie und Jagdkunde ein unterirdischer oder teilweise oberirdischer Bau bezeichnet, den bestimmte Säugetiere eigens zur Geburt und Aufzucht ihrer Jungen anlegen oder herrichten. Der Wurfbau unterscheidet sich vom regulären Wohnbau durch seine spezifische Funktion als Geburts- und Kinderstube. Er bietet dem Muttertier und den Jungtieren in den ersten Lebenswochen Schutz vor Witterung, Fressfeinden und Artgenossen. In der Jägersprache wird der Wurfbau je nach Tierart auch als Wurfkessel, Setzröhre oder Wurfhöhle bezeichnet.
Der Begriff leitet sich vom zoologischen Ausdruck „Wurf" ab, der die Gesamtheit der bei einer Geburt zur Welt kommenden Jungtiere eines Säugetiers beschreibt. Der Wurfbau steht damit im Zentrum der Reproduktionsbiologie zahlreicher grabender und höhlenbewohnender Arten.
Abgrenzung zum Wohnbau
Viele Säugetiere nutzen Erdbaue sowohl als dauerhaften Wohnbau als auch als temporären Wurfbau. Die Unterscheidung ist nicht immer eindeutig, da manche Arten denselben Bau für beide Zwecke verwenden. Dennoch gibt es klare Unterschiede:
- Der Wurfbau wird häufig nur saisonal genutzt, nämlich in der Setz- oder Wurfzeit.
- Er liegt oft abseits vom Hauptbau und ist schwerer zugänglich, um maximalen Schutz zu gewährleisten.
- Manche Arten polstern den Wurfbau mit Nistmaterial wie Gras, Moos, Haaren oder Federn aus, während der Wohnbau weniger aufwendig gestaltet ist.
- Der Wurfbau besitzt bei einigen Arten weniger Eingänge als der Wohnbau, um das Eindringen von Feinden zu erschweren.
Bei sozialen Arten wie dem Europäischen Dachs (Meles meles) kann der Wurfkessel Teil eines ausgedehnten, über Generationen genutzten Bausystems sein. Bei Einzelgängern wie dem Rotfuchs (Vulpes vulpes) handelt es sich dagegen oft um einen eigens gegrabenen oder von anderen Tieren übernommenen Separatbau.
Tierarten und ihre Wurfbauten
Zahlreiche Säugetierarten in Mitteleuropa und weltweit errichten Wurfbauten. Die Bauweise variiert erheblich je nach Art, Lebensraum und ökologischer Nische.
Fuchs: Die Fähe sucht zur Wurfzeit im Spätwinter einen geeigneten Bau, den sie entweder selbst gräbt oder von Dachsen, Kaninchen oder anderen Füchsen übernimmt. Der Wurfkessel liegt in der Regel tiefer als andere Kammern und ist über eine oder mehrere Röhren erreichbar. Die Jungfüchse, auch Welpen genannt, verbringen die ersten vier bis fünf Wochen ausschließlich im Wurfbau.
Dachs: Der Dachsbau, in der Jägersprache als Burg bezeichnet, zählt zu den aufwendigsten unterirdischen Bauwerken der heimischen Fauna. Der Wurfkessel wird mit trockenem Laub und Gras ausgepolstert. Dachsbaue können über Jahrzehnte bestehen und erreichen Ausmaße von mehreren Stockwerken mit dutzenden Eingängen. Die Wurfkammer liegt besonders geschützt im Inneren des Systems.
Wildkaninchen: Die Häsin legt eine Setzröhre an – einen kurzen, blind endenden Gang abseits des gemeinschaftlichen Kaninchenbaus. Sie polstert diesen mit Gras und eigener Bauchwolle aus und verschließt den Eingang nach jedem Säugebesuch mit Erde. Dieses Verhalten dient dem Schutz der nackten und blinden Jungtiere vor Fressfeinden.
Wolf: Wölfinnen nutzen als Wurfbau natürliche Höhlen, Felsspalten, umgestürzte Wurzelteller oder selbst gegrabene Erdbaue. Die Wurfhöhle liegt meist an schwer zugänglichen Stellen im Revier. Das gesamte Rudel beteiligt sich nach der Geburt an der Versorgung der Welpen.
Weitere Arten: Auch Marderhund, Hamster, Biber und verschiedene Wühlmausarten legen Wurfkammern an. Beim Biber befindet sich die Wurfkammer im Inneren der Biberburg oberhalb der Wasserlinie, was sie vor den meisten Bodenräubern schützt.
Bauweise und Standortwahl
Die Wahl des Standorts für einen Wurfbau folgt bestimmten ökologischen Kriterien. Der Boden muss grabbar, aber stabil genug sein, um nicht einzustürzen. Sandige und lehmige Böden an Hanglagen werden bevorzugt, da sie eine gute Drainage bieten und Staunässe verhindern. Viele Arten wählen Standorte in der Nähe von Deckung wie Gebüsch, Hecken oder Waldrändern.
Die Tiefe des Wurfkessels variiert je nach Art zwischen wenigen Dezimetern bei Kaninchen und über einem Meter bei Dachsen. Die Temperatur im Inneren bleibt relativ konstant, was für die Thermoregulation der Jungtiere entscheidend ist, da viele Arten als Nesthocker zunächst nicht in der Lage sind, ihre Körpertemperatur selbst zu regulieren.
Ökologische Bedeutung
Wurfbauten spielen eine zentrale Rolle im Reproduktionserfolg grabender Säugetiere. Die Überlebensrate der Jungtiere hängt wesentlich von der Qualität des Wurfbaus ab. Störungen in der Nähe des Baus – etwa durch land- und forstwirtschaftliche Arbeiten, freilaufende Hunde oder menschliche Freizeitaktivitäten – können dazu führen, dass das Muttertier den Bau aufgibt oder die Jungtiere vorzeitig umgebettet werden, was deren Überlebenschancen senkt.
Verlassene Wurfbauten dienen häufig als Sekundärquartier für andere Tierarten. So nutzen Steinmarder, Iltis oder verschiedene Amphibien- und Reptilienarten alte