Zicklein
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Definition und Überblick
Als Zicklein wird das Jungtier der Hausziege (Capra aegagrus hircus) bezeichnet. Der Begriff umfasst den Lebensabschnitt von der Geburt bis zum Absetzen von der Muttermilch, in manchen Kontexten auch bis zur Geschlechtsreife. Synonyme Bezeichnungen sind Kitz, Gitzi (vor allem in der Schweiz), Ziegenlamm oder regional auch Zickel. Weibliche Jungtiere werden als Geißlein oder Ziegenlämmchen bezeichnet, männliche gelegentlich als Bocklein oder Bocklamm. In der Fleischwirtschaft ist der Begriff Kitzfleisch gebräuchlich, das von Tieren stammt, die in der Regel jünger als ein Jahr sind.
Zicklein spielen sowohl in der Ziegenzucht als auch in der Kulturgeschichte eine bedeutende Rolle. Die Aufzucht gesunder Jungtiere ist das zentrale Ziel jeder Ziegenhaltung – ob in der Milchziegenwirtschaft, der Fleischproduktion oder der Hobbytierhaltung.
Trächtigkeit und Geburt
Die Tragzeit der Ziege beträgt durchschnittlich 150 Tage, also rund fünf Monate. Die Ziegenmutter, auch Geiß oder Ziege genannt, bringt je nach Rasse, Alter und Ernährungszustand ein bis vier Jungtiere zur Welt. Zwillingsgeburten sind bei den meisten Ziegenrassen die Regel, Einlinge und Drillinge kommen ebenfalls häufig vor. Vierlinge sind seltener und erfordern in der Regel eine intensivere Betreuung durch den Halter.
Die Geburt, fachsprachlich Lammung oder Ablammung genannt, verläuft bei Ziegen meist komplikationsarm. Die Geiß zieht sich kurz vor der Geburt zurück und sucht einen geschützten Platz auf. Normale Geburtslagen sind die Vorderendlage mit nach vorn gestreckten Vorderbeinen und die Hinterendlage. Bei Fehllagen kann eine geburtshilfliche Korrektur notwendig werden.
Entwicklung und erste Lebenstage
Zicklein gehören zu den Nestflüchtern. Sie wiegen bei der Geburt je nach Rasse zwischen 2 und 5 Kilogramm und stehen bereits innerhalb der ersten Stunde auf eigenen Beinen. Schon nach wenigen Stunden sind sie in der Lage, der Mutter zu folgen. Diese rasche Mobilität ist ein evolutionäres Erbe der Wildform, der Bezoarziege, die in felsigen Gebirgsregionen lebt.
Die Kolostralmilch (Biestmilch) der ersten Stunden ist für das Überleben der Zicklein entscheidend. Sie enthält hohe Konzentrationen an Immunglobulinen, die dem Neugeborenen einen passiven Immunschutz verleihen. Die Aufnahme von Kolostrum sollte innerhalb der ersten zwei bis vier Lebensstunden erfolgen, da die Darmwand nur in diesem Zeitfenster die großen Antikörpermoleküle unverändert aufnehmen kann.
In den ersten Lebenstagen entwickelt sich eine enge Mutter-Kind-Bindung. Die Geiß erkennt ihr Zicklein am Geruch und an der Stimme. Zicklein geben charakteristische hohe Rufe von sich, die individuell unterscheidbar sind. Diese akustische Kommunikation ermöglicht es den Tieren, sich auch in größeren Herden wiederzufinden.
Aufzuchtmethoden
In der Ziegenhaltung werden verschiedene Aufzuchtverfahren praktiziert:
- Muttergebundene Aufzucht: Die Zicklein bleiben bei der Muttergeiß und trinken nach Bedarf. Diese Methode wird in der Fleischziegenhaltung, in extensiven Haltungssystemen und zunehmend auch in der ökologischen Milchziegenhaltung bevorzugt.
- Mutterlose Aufzucht (Handaufzucht): Die Jungtiere werden kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt und mit dem Fläschchen oder am Tränkeautomaten aufgezogen. In der konventionellen Milchziegenhaltung ist dieses Verfahren verbreitet, um die Milch der Geiß vollständig für die Vermarktung nutzen zu können.
- Ammenaufzucht: Zicklein werden einer anderen laktierenden Geiß zugeordnet, die als Amme fungiert. Dieses Verfahren kommt zum Einsatz, wenn die Mutter nicht genügend Milch produziert, erkrankt ist oder bei der Geburt verstirbt.
Jede Methode bringt spezifische Vor- und Nachteile mit sich. Die muttergebundene Aufzucht fördert das natürliche Verhalten und das Wohlbefinden der Tiere, steht aber in Konkurrenz zur Milchleistung. Die Handaufzucht erfordert einen hohen Arbeitsaufwand und birgt ein größeres Risiko für Durchfallerkrankungen.
Ernährung und Wachstum
In den ersten zwei bis drei Lebenswochen ernähren sich Zicklein ausschließlich von Ziegenmilch. Ab der zweiten bis dritten Woche beginnen sie, ergänzend festes Futter aufzunehmen – zunächst zartes Heu, Blätter und Kraftfutter. Dieser Prozess des Beifutterbeginns fördert die Entwicklung der Vormägen. Ziegen sind Wiederkäuer mit einem vierteiligen Magen, doch bei Neugeborenen ist zunächst nur der Labmagen funktionsfähig. Die Vormägen – Pansen, Netzmagen und Blättermagen – entwickeln sich erst durch die Aufnahme von Raufutter und die damit einhergehende mikrobielle Besiedlung.
Das Absetzen erfolgt je nach Haltungssystem im Alter von acht bis zwölf Wochen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Zicklein in der Lage, ihren Nährstoffbedarf vollständig über pflanzliche Nahrung zu decken. Die täglichen Zunahmen liegen in dieser Phase je nach Rasse und Fütterung bei 100 bis 250 Gramm.