Zwergohreule
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Otus scops
- Ordnung: Eulen (Strigiformes)
- Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
- Gattung: Zwergohreulen (Otus)
- Lebensraum: Offene und halboffene Landschaften mit altem Baumbestand, Olivenhaine, Streuobstwiesen, Parks und Gärten in Südeuropa, Kleinasien und Teilen Zentralasiens
- Größe: 19–21 cm Körperlänge, Flügelspannweite 47–54 cm
- Gewicht: 60–135 g
- Lebenserwartung: Etwa 6–7 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 12 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Zwergohreule ist eine der kleinsten europäischen Eulenarten und kaum größer als eine Amsel. Ihr Gefieder zeigt eine rindenähnliche Musterung aus verschiedenen Grau- und Brauntönen, durchsetzt mit feinen schwarzen Schaftstrichen und hellen Flecken. Diese kryptische Färbung dient als hervorragende Tarnung an Baumstämmen und Ästen, wo der Vogel tagsüber ruht.
Auffällig sind die kurzen Federohren, die der Art ihren deutschen Namen geben. Diese Ohrbüschel werden bei Erregung oder Störung aufgerichtet und im entspannten Zustand flach angelegt, sodass sie kaum sichtbar sind. Die Augen sind leuchtend gelb bis orangegelb und von einem undeutlichen Gesichtsschleier umgeben, der weniger ausgeprägt ist als bei größeren Eulenarten wie dem Waldkauz oder der Schleiereule.
Der Schnabel ist kurz, kräftig und hornfarben bis dunkelgrau. Die Zehen sind nur spärlich befiedert, was die Zwergohreule von vielen anderen europäischen Eulenarten unterscheidet. Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden, wobei Weibchen im Durchschnitt etwas schwerer sind. Es existieren zwei Farbmorphen – eine graue und eine bräunlich-rötliche – wobei die graue Variante in Europa deutlich häufiger vorkommt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Zwergohreule erstreckt sich über weite Teile des südlichen und südöstlichen Europas, Nordafrika, Kleinasien und Zentralasien bis in den Nordwesten Chinas. In Europa liegen die Schwerpunkte des Vorkommens im Mittelmeerraum: Spanien, Südfrankreich, Italien, der Balkanhalbinsel und Griechenland. In Mitteleuropa ist die Art selten und nur in klimatisch begünstigten Lagen anzutreffen. In Österreich brütet sie vereinzelt in den südlichen Bundesländern Kärnten und der Steiermark; in Deutschland gilt sie als unregelmäßiger Brutvogel und äußerst seltener Durchzügler.
Als bevorzugtes Habitat wählt die Zwergohreule offene und halboffene Landschaften mit einem ausreichenden Angebot an Höhlenbäumen. Typische Biotope sind Olivenhaine, Obstgärten, lichte Eichenwälder, Kastanienhaine, Parklandschaften und Gärten in ländlichen Siedlungsbereichen. Die Art meidet geschlossene Waldgebiete ebenso wie baumlose Steppen und Halbwüsten. Entscheidend für die Ansiedlung sind ein gutes Höhlenangebot für die Brut und ein ausreichendes Insektenvorkommen als Nahrungsgrundlage.
Die Zwergohreule ist ein ausgeprägter Zugvogel – eine Besonderheit unter den europäischen Eulen. Die europäischen Populationen überwintern südlich der Sahara in der Sahelzone und in der ostafrikanischen Savanne. Der Herbstzug beginnt im August und September, die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt im April und Mai.
Ernährung
Die Nahrung der Zwergohreule besteht überwiegend aus Insekten und anderen Wirbellosen. Großinsekten wie Nachtfalter, Käfer, Heuschrecken, Grillen und Zikaden bilden den Hauptanteil der Beute. Ergänzend werden Spinnen, Regenwürmer, Hundertfüßer und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Eidechsen, Frösche oder junge Mäuse erbeutet.
Die Jagd erfolgt fast ausschließlich in der Dämmerung und Nacht. Die Zwergohreule jagt von einer niedrigen Warte aus – etwa einem Ast, Zaunpfahl oder einer Mauer – und stößt gezielt auf am Boden oder in der Luft befindliche Beutetiere herab. Seltener jagt sie auch im kurzen Rüttelflug. Dank ihres leisen Flugs, ermöglicht durch die samtartige Oberfläche der Schwungfedern, kann sie Beutetiere nahezu unbemerkt anfliegen.
Verhalten & Lebensweise
Die Zwergohreule ist streng nachtaktiv. Tagsüber verharrt sie dicht an einen Baumstamm oder Ast gedrückt in einer aufrechten Tarnhaltung, in der sie den Körper streckt, die Federohren aufrichtet und die Augen zu schmalen Schlitzen verengt. In dieser Haltung ist sie selbst aus nächster Nähe kaum von einem Aststumpf oder einem Stück Rinde zu unterscheiden.
Während der Brutzeit besetzen Männchen ein Revier, das sie mit ihrem charakteristischen Gesang markieren. Der Ruf ist ein monoton wiederholter, flötender Einzelton – ein weiches „djü" oder „tjü" – der in regelmäßigen Abständen von wenigen Sekunden vorgetragen wird. Dieser Balzruf ist über mehrere hundert Meter zu hören und eines der sichersten Indizien für das Vorkommen der Art in einem Gebiet.
Außerhalb der Brutzeit leben Zwergohreulen einzelgängerisch. Auf dem Zug und im Winterquartier werden sie gelegentlich in lockeren Ansammlungen an günstigen Rastplätzen beobachtet, ohne dass ein echtes Sozialverhalten erkennbar wäre.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet, meist ab Mitte April. Das Männchen lockt das Weibchen mit seinem Revierruf zu geeigneten Bruthöhlen. Als Höhlenbrüter nutzt die Zwergohreule natürliche