Abmagerung
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Definition & Überblick
Abmagerung – in der Tiermedizin als Kachexie (schwere, krankhafte Auszehrung) oder Emaziation bezeichnet – beschreibt einen übermäßigen Verlust an Körpermasse, insbesondere von Fettreserven und Muskelmasse. Der Begriff ist vom normalen, kontrollierten Gewichtsverlust streng abzugrenzen: Während eine gezielte Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Tieren erwünscht sein kann, ist Abmagerung stets ein pathologisches Geschehen, dem eine oder mehrere Grunderkrankungen, Mangelzustände oder äußere Faktoren zugrunde liegen.
Abmagerung kann bei sämtlichen Haus-, Nutz- und Heimtieren auftreten. Besonders häufig betroffen sind ältere Hunde und Katzen, Pferde mit Zahnproblemen, Kaninchen mit verdeckten Organerkrankungen sowie Nutztiere unter ungünstigen Haltungsbedingungen. Der Gewichtsverlust verläuft manchmal schleichend über Wochen bis Monate, weshalb er von Tierhaltern anfangs oft übersehen wird. Als Faustregel gilt: Ein ungewollter Verlust von mehr als 10 Prozent des normalen Körpergewichts ist klinisch relevant und erfordert eine tierärztliche Abklärung.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen für Abmagerung lassen sich in drei grundlegende Mechanismen einteilen:
- Verminderte Futteraufnahme (Inappetenz/Anorexie): Zahnerkrankungen, Schmerzen im Maulbereich, Übelkeit, Stress, Rangordnungsprobleme in Mehrtierhalten oder unschmackhaftes Futter führen dazu, dass ein Tier weniger oder gar nicht frisst.
- Gestörte Nährstoffverwertung (Malassimilation): Hierzu zählen sowohl die Maldigestion (unzureichende Verdauung, etwa bei exokriner Pankreasinsuffizienz) als auch die Malabsorption (gestörte Aufnahme der Nährstoffe durch die Darmwand, z. B. bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie IBD).
- Erhöhter Energieverbrauch oder Nährstoffverlust: Tumorerkrankungen (Tumorkachexie), Fieber, Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion, besonders bei Katzen), chronische Infektionen, hochgradiger Parasitenbefall oder Diabetes mellitus steigern den Stoffwechselumsatz oder führen zu unkontrollierten Nährstoffverlusten.
Häufige Grunderkrankungen, die mit Abmagerung einhergehen, sind im Einzelnen:
- Chronische Niereninsuffizienz (CNI)
- Lebererkrankungen (Hepatopathien)
- Tumorerkrankungen (Neoplasien)
- Endoparasitosen (Wurmbefall, Giardien, Kokzidien)
- Infektionskrankheiten (FIV, FeLV bei Katzen; Leishmaniose beim Hund)
- Herzerkrankungen mit kardialer Kachexie
- Chronische Schmerzzustände (z. B. Arthrose)
Zu den Risikofaktoren zählen hohes Alter, unzureichende Fütterung, mangelnde Entwurmung, Haltung in großen Gruppen mit Futterkonkurrenz, Freigang bei Katzen sowie fehlende regelmäßige Gesundheitsvorsorge.
Symptome & Erkennung
Abmagerung zeigt sich nicht allein durch sinkende Zahlen auf der Waage. Tierhalter sollten auf folgende Anzeichen achten:
- Sichtbare Knochenvorsprünge: Rippen, Wirbelsäule, Hüfthöcker und Schulterblätter treten deutlich hervor. Bei gesunden Tieren sollten Rippen tastbar, aber nicht sichtbar sein.
- Verlust der Muskulatur: Besonders auffällig an Hinterhand, Schläfenmuskulatur und entlang der Wirbelsäule. Man spricht von Muskelatrophie.
- Verändertes Fell: Stumpfes, glanzloses Haarkleid, vermehrter Haarausfall oder verzögerter Fellwechsel deuten auf Mangelernährung hin.
- Verhaltensänderungen: Mattigkeit, Rückzug, verminderte Aktivität, Appetitlosigkeit oder im Gegenteil gesteigerter Appetit bei gleichzeitigem Gewichtsverlust (typisch bei Hyperthyreose oder Diabetes).
- Weitere Begleitsymptome: Durchfall, Erbrechen, vermehrtes Trinken (Polydipsie), häufiger Urinabsatz (Polyurie), Mundgeruch oder Bauchschmerzen.
Zur objektiven Beurteilung des Ernährungszustands nutzen Tierärzte den sogenannten Body Condition Score (BCS) – eine standardisierte Skala, die durch Adspektion (Betrachtung) und Palpation (Abtasten) den Ernährungszustand auf einer Skala von 1 (hochgradig abgemagert) bis 9 (hochgradig adipös) einordnet.
Diagnose
Die diagnostische Aufarbeitung bei Abmagerung erfolgt systematisch und oft stufenweise, da die Ursachenvielfalt erheblich ist:
- Ausführliche Anamnese: Erfassung von Fütterung, Appetit, Haltungsbedingungen, Entwurmungsstatus, Vorerkrankungen und Dauer des Gewichtsverlusts.
- Klinische Allgemeinuntersuchung: Beurteilung von Ernährungszustand, Schleimhäuten, Lymphknoten, Bauchumfang, Zahnstatus und Herz-Lungen-Auskultation.
- Blutuntersuchung: Ein großes Blutbild zusammen mit einem blutchemischen Profil liefert Hinweise auf Organerkrankungen (Nieren- und Leberwerte, Blutzucker, Schilddrüsenhormone wie T4, Eiweiß- und Albumingehalt).
- Kotuntersuchung: Zum Nachweis von Endoparasiten, Giard