Atemnot
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Definition & Überblick
Atemnot – in der Tiermedizin als Dyspnoe bezeichnet – beschreibt eine erschwerte, angestrengte oder unzureichende Atmung, bei der das Tier nicht genügend Sauerstoff aufnehmen oder Kohlendioxid abgeben kann. Es handelt sich dabei nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom, das auf eine Vielzahl zugrunde liegender Störungen hinweisen kann. Atemnot kann bei sämtlichen Tierarten auftreten – von Hund und Katze über Kaninchen und Meerschweinchen bis hin zu Vögeln und Reptilien.
Die Schweregrade reichen von leicht erhöhter Atemfrequenz (Tachypnoe) über deutlich sichtbare Atemanstrengung bis hin zu lebensbedrohlicher Erstickungsgefahr. Je nach Ursache kann Atemnot akut innerhalb von Sekunden auftreten oder sich schleichend über Wochen und Monate entwickeln. In jedem Fall handelt es sich um ein ernstzunehmendes Warnsignal, das zeitnah abgeklärt werden sollte.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen für Atemnot bei Tieren sind vielfältig und lassen sich grob in mehrere Kategorien einteilen:
- Erkrankungen der oberen Atemwege: Verengungen im Bereich von Nase, Rachen oder Kehlkopf, etwa durch Fremdkörper, Polypen, Tumore oder das Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) bei kurzköpfigen Rassen wie Mops, Französischer Bulldogge oder Perserkatze.
- Erkrankungen der unteren Atemwege: Bronchitis, felines Asthma, Lungenentzündung (Pneumonie), Lungenödem oder Lungenwürmer.
- Erkrankungen des Brustkorbs: Flüssigkeitsansammlungen im Brustfellraum (Pleuraerguss), Luft im Brustkorb (Pneumothorax) nach Trauma, Zwerchfellriss (Zwerchfellhernie) oder Tumore im Brustraum.
- Herzerkrankungen: Eine kongestive Herzinsuffizienz, Herzklappenfehler oder eine dilatative Kardiomyopathie können zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge führen und so Atemnot verursachen.
- Systemische Ursachen: Blutarmut (Anämie), Vergiftungen, Hitzschlag, schwere Schmerzzustände, metabolische Azidose oder Schockzustände.
- Allergische Reaktionen: Akute anaphylaktische Reaktionen, etwa nach Insektenstichen oder Medikamentengabe, können zu plötzlicher Schwellung der Atemwege führen.
Zu den Risikofaktoren zählen brachyzephale Kopfform, Übergewicht (Adipositas), hohes Alter, vorbestehende Herz- oder Lungenerkrankungen sowie extreme Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. Besonders Kaninchen und Vögel sind aufgrund ihrer empfindlichen Atemwegsanatomie stark gefährdet.
Symptome & Erkennung
Atemnot zeigt sich bei verschiedenen Tierarten unterschiedlich, doch einige Anzeichen sind universell:
- Erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe) in Ruhe – beim Hund über 30–40 Atemzüge pro Minute, bei der Katze über 40
- Maulatmung: Besonders bei Katzen ein alarmierendes Zeichen, da gesunde Katzen ausschließlich durch die Nase atmen
- Verstärkte Bauchatmung – sichtbares Pumpen der Bauchmuskulatur bei jedem Atemzug
- Orthopnoe: Das Tier streckt den Hals, spreizt die Vorderbeine ab und verweigert das Hinlegen
- Hörbare Atemgeräusche wie Stridor (pfeifendes Einatmen), Giemen, Rasseln oder Röcheln
- Zyanose: Bläuliche Verfärbung der Schleimhäute an Zahnfleisch, Zunge oder Ohrinnenseiten als Zeichen von Sauerstoffmangel
- Unruhe, Angst, Appetitlosigkeit oder im Gegenteil auffällige Apathie und Rückzug
- Bei Vögeln: Schwanzwippen im Atemrhythmus, aufgeplustertes Gefieder und offener Schnabel
Diagnose
Die Diagnostik bei Atemnot erfordert ein systematisches Vorgehen, wobei die Stabilisierung des Patienten immer Vorrang vor aufwändigen Untersuchungen hat. Schwer dyspnoische Tiere erhalten zunächst Sauerstoff und werden stressarm behandelt.
- Klinische Untersuchung: Auskultation (Abhören) von Lunge und Herz mit dem Stethoskop, Beurteilung der Schleimhautfarbe, Pulsqualität und Atemfrequenz
- Röntgenuntersuchung (Thoraxröntgen): Standardverfahren zur Beurteilung von Lunge, Herz, Brustfellraum und Zwerchfell – liefert oft entscheidende Hinweise auf Ergüsse, Ödeme, Tumore oder Fremdkörper
- Ultraschall (Sonographie): Insbesondere die Echokardiographie zur Beurteilung der Herzfunktion sowie der schnelle Thorax-Ultraschall (TFAST) zum Nachweis von Pleuraergüssen
- Blutuntersuchung: Blutbild zur Erkennung einer Anämie oder Infektion, Blutgasanalyse zur Bestimmung des Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalts, Organwerte
- Endoskopie (Bronchoskopie, Rhinoskopie): Direkte Darstellung der Atemwege, Entnahme von Gewebeproben oder Entfernung von Fremdkörpern
- CT oder MRT: Weiterführende Schnittbilddiagnost