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Abrufen

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Definition und Bedeutung des Abrufens

Das Abrufen – in der Fachsprache auch als Recall oder Rückruf bezeichnet – gehört zu den grundlegendsten und zugleich anspruchsvollsten Übungen in der Hundeerziehung. Es beschreibt das zuverlässige Herankommen des Hundes auf ein Signal des Halters, unabhängig von Ablenkungen, Entfernung oder Umgebungsreizen. In der Gebrauchshundeausbildung, im Hundesport und im alltäglichen Zusammenleben gilt ein sicher funktionierendes Abrufen als eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Hund erlernen kann. Es bildet die Grundlage für den sicheren Freilauf und ist in vielen Prüfungsordnungen – etwa der Begleithundeprüfung (BH) oder der Internationalen Gebrauchshundeprüfung (IGP) – ein fester Bestandteil.

Warum das Abrufen so bedeutsam ist

Ein zuverlässiger Rückruf dient in erster Linie der Sicherheit. Im Freilauf können zahlreiche Situationen auftreten, in denen ein sofortiges Herankommen des Hundes notwendig wird: andere Hunde, Wildtiere, Straßenverkehr, Jogger oder Kinder. Ein Hund, der auf den Rückruf nicht reagiert, stellt ein Risiko für sich selbst und seine Umgebung dar. Darüber hinaus ist das Abrufen ein direkter Ausdruck der Beziehung zwischen Mensch und Hund. Es setzt Vertrauen, Motivation und eine klare Kommunikation voraus. Im sportlichen Kontext wird das Abrufen zudem unter erhöhtem Ablenkungsniveau und unter Bewertungskriterien wie Geschwindigkeit, Geradlinigkeit und Freudeausdruck geprüft.

Aufbau und Trainingsmethoden

Das Training des Abrufens erfolgt schrittweise und orientiert sich an den Prinzipien der operanten Konditionierung. Zunächst wird das Rückrufsignal in einer reizarmen Umgebung eingeführt und mit einer hochwertigen Belohnung – etwa Futter, Spielzeug oder gemeinsames Spiel – verknüpft. Der Hund soll lernen, dass das Kommen zum Menschen stets positive Konsequenzen hat.

Der Trainingsaufbau lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:

  • Phase 1 – Signalaufbau: Das gewählte Rückrufsignal (z. B. ein Pfiff, ein bestimmtes Wort oder ein Handzeichen) wird in kurzer Distanz eingeführt. Jedes Kommen wird konsequent belohnt. Häufig wird hier mit einer Schleppleine gearbeitet, um das Signal nicht durch unkontrollierte Situationen zu entwerten.
  • Phase 2 – Distanz und Ablenkung steigern: Schrittweise wird die Entfernung zum Hund vergrößert und die Umgebungsreize werden gesteigert. Das Training verlagert sich von der Wohnung oder dem Garten auf verschiedene Außenbereiche. Dabei gilt der Grundsatz, immer nur eine Variable gleichzeitig zu erhöhen – entweder die Distanz oder den Ablenkungsgrad, nicht beides zugleich.
  • Phase 3 – Generalisierung: Der Hund lernt, das Rückrufsignal in unterschiedlichen Kontexten zu befolgen – auf der Hundewiese, im Wald, in der Stadt. Diese Phase erfordert besonders viel Geduld und Konsequenz.
  • Phase 4 – Absicherung und Proofing: Im fortgeschrittenen Training wird der Rückruf unter besonders schwierigen Bedingungen geübt, etwa beim Spiel mit Artgenossen, bei Wildkontakt oder bei starker Erregung. In der sportlichen Ausbildung kommen hier gezielt inszenierte Ablenkungsszenarien zum Einsatz.

Häufige Fehler beim Training

Das Abrufen scheitert in der Praxis oft nicht am fehlenden Können des Hundes, sondern an typischen Handlerfehlern. Zu den verbreitetsten Problemen gehören:

  • Signalverschleiß: Wird das Rückrufsignal wiederholt gegeben, ohne dass der Hund tatsächlich kommt, verliert es seine Bedeutung. Der Hund lernt, das Signal zu ignorieren. Daher sollte der Rückruf nur dann erfolgen, wenn das Kommen auch sichergestellt werden kann – etwa durch eine Schleppleine.
  • Negative Verknüpfung: Wird der Hund nach dem Herankommen angeleint und der Spaziergang beendet, oder wird er gar bestraft, verbindet er den Rückruf mit unangenehmen Konsequenzen. Die Motivation, zum Menschen zu kommen, sinkt.
  • Zu schnelle Steigerung: Wird die Ablenkung zu früh erhöht, bevor der Hund das Signal zuverlässig verinnerlicht hat, kommt es zu Misserfolgen, die den Lernprozess erheblich zurückwerfen können.
  • Unklare Signalgebung: Verschiedene Familienmitglieder verwenden unterschiedliche Signale oder der Tonfall variiert stark. Konsistenz in der Kommandogebung ist eine Voraussetzung für Lernerfolg.

Abrufen im Hundesport

Im Hundesport nimmt das Abrufen eine zentrale Rolle ein. In der Unterordnung (Obedience, IGP-Abteilung B, Rally Obedience) wird das Herankommen aus verschiedenen Positionen geprüft – etwa aus dem Sitz, dem Platz oder aus der Bewegung. Bewertet werden dabei die Reaktionsgeschwindigkeit auf das Signal, die Geradlinigkeit des Herankommens, das korrekte Vorsitzen sowie das anschließende Einnehmen der Grundstellung. Im Obedience auf hohem Niveau muss der Hund teilweise über Distanzen von 30 Metern und mehr zuverlässig und freudig abrufen lassen.

Auch im Agility spielt das Abrufen indirekt eine Rolle, da der Hund auf Zuruf Richtungsänderungen ausführen und zum Hundeführer zurückkehren muss. In der Rettungshundearbeit ist ein zuverlässiger Recall sicherheitsrelevant, da der Hund aus dem Trümmer- oder Flächensuchbereich jederzeit abgerufen werden können muss.

Hilfsmittel und Signalarten