Bikejöring
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Definition und Überblick
Bikejöring ist eine Zughundesportart, bei der ein oder zwei Hunde mittels einer elastischen Zugleine an einem Fahrrad befestigt sind und den Radfahrer auf Feld-, Wald- und Schotterwegen ziehen. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort „Bike" (Fahrrad) und dem norwegischen Suffix „-jöring" (fahren, ziehen) zusammen. Die Disziplin gehört zur Familie der Jöring-Sportarten und ist eng verwandt mit Canicross (Zughundelaufen) und Dogscooter (Zughundesport mit Tretroller). Ursprünglich als Sommertraining für Schlittenhunde entwickelt, hat sich Bikejöring zu einer eigenständigen Wettkampfdisziplin und beliebten Freizeitaktivität für Hundehalter etabliert.
Herkunft und Entwicklung
Die Wurzeln des Bikejöring liegen im skandinavischen Schlittenhundesport. Musher – also Schlittenhundeführer – suchten nach Möglichkeiten, ihre Hunde auch außerhalb der Schneesaison in Form zu halten. Neben dem Training mit Trainingswagen und Scootern erwies sich das Fahrrad als praktische und kostengünstige Alternative. Seit den 1990er-Jahren verbreitete sich der Sport zunehmend in Mitteleuropa. Heute organisieren zahlreiche nationale und internationale Verbände, darunter die International Federation of Sleddog Sports (IFSS) und die European Sleddog Racing Association (ESDRA), offizielle Wettkämpfe mit Bikejöring-Klassen. In Deutschland wird der Sport unter anderem vom Verband Deutscher Schlittenhundesport Vereine (VDSV) betreut.
Geeignete Hunderassen und Voraussetzungen
Grundsätzlich kann jeder gesunde, lauffreudige Hund mit ausreichender Körpergröße und einem Mindestgewicht von etwa 18 bis 20 Kilogramm am Bikejöring teilnehmen. Kleinere Hunde sind körperlich nicht in der Lage, ein Fahrrad samt Fahrer effektiv zu ziehen, und würden dabei überlastet. Besonders geeignete Rassen sind:
- Siberian Husky – der klassische Schlittenhund mit ausgeprägtem Zugwillen
- Alaskan Malamute – kraftvoll und ausdauernd
- Greyster und Eurohound – speziell für den Zughundesport gezüchtete Mixe aus Pointer und nordischen Rassen
- Deutsch Kurzhaar, Weimaraner und andere lauffreudige Jagdhunderassen
- Samojede und Grönlandhund – ursprüngliche Schlittenhunderassen
Entscheidend ist weniger die Rassezugehörigkeit als vielmehr die individuelle Konstitution, Motivation und Gesundheit des Hundes. Vor dem Einstieg in den Zughundesport sollte eine tierärztliche Untersuchung erfolgen, die insbesondere den Bewegungsapparat, das Herz-Kreislauf-System und die Gelenke einschließt. Hunde sollten mindestens 12 bis 18 Monate alt sein, bevor sie mit dem Zugtraining beginnen, da das Skelett vorher noch nicht vollständig ausgereift ist.
Ausrüstung
Die richtige Ausrüstung ist beim Bikejöring entscheidend für Sicherheit und Komfort – sowohl für den Hund als auch für den Fahrer.
- Zuggeschirr: Ein spezielles X-Back-Geschirr oder H-Geschirr verteilt die Zugkraft gleichmäßig über den gesamten Hundekörper. Halsbänder sind beim Bikejöring tabu, da sie den Hals gefährlich einschnüren können.
- Jöringleine (Bungee-Leine): Eine elastische Zugleine mit integriertem Ruckdämpfer fängt abrupte Zugkräfte ab und schont Hund, Fahrer und Material. Die Leine ist in der Regel 2 bis 2,5 Meter lang.
- Bike-Antenna (Abstandshalter): Eine am Lenker oder Gabelschaft montierte Metallfeder, die verhindert, dass die Leine in das Vorderrad gerät. Dieses Bauteil ist eines der zentralen Sicherheitselemente beim Bikejöring.
- Fahrrad: Empfohlen wird ein stabiles Mountainbike oder Fatbike mit zuverlässigen Scheibenbremsen und breiten Reifen für guten Halt auf unbefestigten Wegen.
- Schutzausrüstung: Ein Fahrradhelm ist Pflicht. Handschuhe und eine Schutzbrille sind zusätzlich ratsam.
Training und Kommandos
Das Training baut idealerweise stufenweise auf. Zunächst lernt der Hund die Grundkommandos des Zughundesports, die sich an der englischen oder skandinavischen Terminologie orientieren:
- „Go" oder „Hike" – Loslaufen
- „Gee" – Rechts abbiegen
- „Haw" – Links abbiegen
- „Whoa" oder „Stop" – Anhalten
- „On by" oder „Trail" – Ablenkungen ignorieren und geradeaus weiterlaufen
Diese Richtungskommandos lassen sich zunächst beim Spaziergang an der Leine oder im Canicross-Training einüben, bevor das Fahrrad ins Spiel kommt. In der Anfangsphase empfiehlt es sich, mit einer zweiten Person zu trainieren, die vorausläuft und den Hund motiviert. Der Hund soll lernen, vor dem Fahrrad zu laufen und die Leine gespannt zu halten – das sogenannte Vorauslaufen ist die Basis jeder Zughundearbeit.
Die Trainingseinheiten sollten anfangs kurz gehalten werden – zehn bis fünfzehn Minuten reichen aus. Überbelastung führt schnell zu Motivationsverlust oder Verletzungen. Mit zunehmender Fitness und Erfahrung können Strecke und Tempo gesteigert werden.
Sicherheitshinweise und Regeln
Bikejöring erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein. Trainiert wird ausschließlich auf geeigneten Wegen abseits des Straßenverkehrs. Temperaturen über 15