Abszess
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Definition & Überblick
Ein Abszess ist eine abgekapselte Ansammlung von Eiter (Pus) im Gewebe, die durch eine lokale Infektion entsteht. Der Körper bildet dabei eine sogenannte Abszesskapsel – eine Wand aus Bindegewebe und Entzündungszellen –, um den Infektionsherd vom umliegenden gesunden Gewebe abzugrenzen. Diese Abkapselung ist eine natürliche Abwehrreaktion des Immunsystems, verhindert jedoch gleichzeitig, dass Antibiotika den Eiterherd ausreichend erreichen.
Abszesse kommen bei nahezu allen Tierarten vor. Besonders häufig betroffen sind Katzen (durch Bissverletzungen), Kaninchen (Kieferabszesse infolge von Zahnproblemen), Pferde (Hufabszesse) und Hunde. Je nach Lokalisation unterscheidet man zwischen oberflächlichen Hautabszessen (subkutane Abszesse), tiefer liegenden Abszessen in Organen oder Körperhöhlen sowie Zahnwurzelabszessen. Grundsätzlich kann sich ein Abszess an jeder Körperstelle entwickeln, an der Bakterien ins Gewebe eindringen.
Ursachen & Risikofaktoren
Die häufigste Ursache für die Entstehung eines Abszesses ist das Eindringen von Bakterien in das Gewebe. Typische Erreger sind Staphylokokken, Streptokokken, Pasteurella multocida (besonders bei Katzen) sowie verschiedene Anaerobier – Bakterien, die ohne Sauerstoff gedeihen und den charakteristisch üblen Geruch vieler Abszesse verursachen.
Häufige Eintrittspforten und Auslöser sind:
- Bisswunden: Die mit Abstand häufigste Ursache bei Freigänger-Katzen. Katzenzähne hinterlassen kleine, tiefe Punktionswunden, die oberflächlich schnell verschließen und Bakterien im Gewebe einschließen.
- Fremdkörper: Grannen (Pflanzenteilchen), Dornen oder Splitter, die in die Haut eindringen und eine chronische Entzündung unterhalten.
- Zahnerkrankungen: Gebrochene Zähne, Zahnfehlstellungen oder Parodontitis können zu Zahnwurzelabszessen führen – ein häufiges Problem bei Kaninchen, Meerschweinchen und Hunden.
- Injektionsstellen: Selten, aber möglich – eine bakterielle Kontamination nach Spritzen kann einen sogenannten Injektionsabszess verursachen.
- Wundinfektionen: Verschmutzte Schürf-, Schnitt- oder Operationswunden.
Zu den Risikofaktoren zählen ein geschwächtes Immunsystem (etwa durch chronische Erkrankungen wie FIV bei Katzen oder Cushing-Syndrom beim Hund), mangelnde Wundhygiene, Zahnfehlstellungen sowie ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch Revierkämpfe bei unkastrierten Katern.
Symptome & Erkennung
Die Symptome eines Abszesses hängen von seiner Lage, Größe und dem Stadium der Erkrankung ab. Bei einem oberflächlichen Hautabszess zeigen sich typischerweise:
- Eine schmerzhafte, warme Schwellung unter der Haut, die sich anfangs fest und im weiteren Verlauf zunehmend weich und fluktuierend (wellenartig schwappend) anfühlt.
- Rötung der darüberliegenden Haut, sofern diese nicht von Fell verdeckt ist.
- Berührungsempfindlichkeit – das Tier wehrt sich beim Abtasten oder zeigt Schmerzreaktionen.
- Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit als Zeichen einer systemischen Entzündungsreaktion.
- Bei einem bereits eröffneten (perforierten) Abszess: Austritt von dickflüssigem, übelriechendem Eiter, teilweise blutig tingiert.
Bei tiefer liegenden Abszessen – etwa an Zahnwurzeln, in der Bauchhöhle oder an inneren Organen – fehlen die äußerlich sichtbaren Schwellungen oft. Stattdessen fallen allgemeine Krankheitszeichen wie anhaltendes Fieber, Fressunlust, Gewichtsverlust, Lahmheit (bei Hufabszessen) oder einseitiger Nasenausfluss (bei Zahnwurzelabszessen im Oberkiefer) auf.
Diagnose
Die Diagnose eines oberflächlichen Abszesses stellt der Tierarzt häufig bereits durch die klinische Untersuchung – Inspektion und Palpation (Abtasten) der Schwellung. Die typische Fluktuation und die Entzündungszeichen geben deutliche Hinweise.
Zur Sicherung der Diagnose und zur Planung der Therapie können weitere Untersuchungen notwendig sein:
- Feinnadelaspiration (FNA): Mit einer Kanüle wird Flüssigkeit aus der Schwellung entnommen. Eitriges Punktat bestätigt den Verdacht und grenzt den Befund gegenüber Tumoren, Zysten oder Hämatomen ab.
- Bakteriologische Kultur und Antibiogramm: Der gewonnene Eiter wird im Labor auf die beteiligten Erreger untersucht und deren Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Antibiotika getestet – besonders wichtig bei wiederkehrenden oder therapieresistenten Abszessen.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen helfen bei Verdacht auf Zahnwurzelabszesse, Knocheninfektionen (Osteomyelitis) oder Fremdkörper. Ultraschall eignet sich zur Darstellung von Abszessen in Weichgeweben und Organen. In komplexen Fällen kann eine Computertomografie (CT) erforderlich sein.
- Blutuntersuchung: Erhöhte Entzündungswerte (Leukozytose, erhöhtes C-reaktives Protein) stützen die Diagnose und geben Hinweise auf eine mögliche Sepsis.
Behandlung & Therapie
Die wichtigste therapeutische Maßnahme bei einem Abszess ist die chirurgische Eröffnung und Drainage