Arthritis
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Definition & Überblick
Arthritis bezeichnet eine entzündliche Erkrankung eines oder mehrerer Gelenke, die bei nahezu allen Tierarten auftreten kann. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab: arthron (Gelenk) und -itis (Entzündung). Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der infektiösen Arthritis, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst wird, und der nicht-infektiösen Arthritis, zu der unter anderem immunvermittelte Formen wie die rheumatoide Arthritis gehören.
Von der Arthritis abzugrenzen ist die Arthrose (Osteoarthrose), eine primär degenerative Gelenkerkrankung mit Knorpelverschleiß. In der Praxis gehen beide Krankheitsbilder allerdings häufig ineinander über: Eine chronische Arthritis kann zur Arthrose führen, und eine fortgeschrittene Arthrose geht fast immer mit entzündlichen Schüben einher. Betroffen sind besonders häufig Hunde, Katzen und Pferde, doch auch Kaninchen, Reptilien und Vögel können erkranken. Die Erkrankung schränkt die Lebensqualität der betroffenen Tiere oft erheblich ein und erfordert eine gezielte, langfristige Behandlung.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen einer Arthritis sind vielfältig und hängen von der jeweiligen Form ab:
- Infektiöse Arthritis (septische Arthritis): Bakterien wie Staphylococcus aureus, Streptococcus spp. oder Borrelia burgdorferi (Borreliose nach Zeckenbiss) gelangen über Wunden, chirurgische Eingriffe oder auf dem Blutweg (hämatogen) ins Gelenk. Bei Jungtieren kann eine Nabelinfektion zur sogenannten Gelenknabelentzündung führen.
- Immunvermittelte Arthritis: Das Immunsystem richtet sich fälschlicherweise gegen körpereigene Gelenkstrukturen. Hierzu zählen die rheumatoide Polyarthritis beim Hund und der systemische Lupus erythematodes (SLE).
- Traumatische Arthritis: Verletzungen, Frakturen mit Gelenkbeteiligung oder Bänderrisse – etwa ein Kreuzbandriss beim Hund – lösen eine Entzündungsreaktion im Gelenk aus.
- Kristall-Arthropathien: Bei der Gicht, die insbesondere Vögel und Reptilien betrifft, lagern sich Harnsäurekristalle in den Gelenken ab und verursachen eine heftige Entzündungsreaktion.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen höheres Alter, Übergewicht, rassebedingte Gelenkfehlstellungen (etwa Hüftgelenksdysplasie beim Deutschen Schäferhund), übermäßige Belastung im Wachstum, vorangegangene Gelenkverletzungen sowie ein geschwächtes Immunsystem.
Symptome & Erkennung
Die klinischen Anzeichen einer Arthritis variieren je nach betroffener Tierart, Schweregrad und Lokalisation. Folgende Symptome sind typisch:
- Lahmheit: Das Tier belastet die betroffene Gliedmaße weniger oder entlastet sie vollständig. Eine wechselnde Lahmheit an verschiedenen Beinen kann auf eine Polyarthritis hindeuten.
- Steifheit: Besonders nach Ruhephasen bewegen sich die Tiere steif, der sogenannte Anlaufschmerz bessert sich häufig nach einigen Minuten der Bewegung.
- Gelenkschwellung: Das betroffene Gelenk kann warm, geschwollen und druckempfindlich sein. Bei einer septischen Arthritis ist die Schwellung oft besonders ausgeprägt.
- Bewegungsunlust: Hunde verweigern Spaziergänge, Katzen springen nicht mehr auf erhöhte Liegeplätze, Pferde zeigen Widerwillen beim Reiten.
- Verhaltensänderungen: Vor allem Katzen zeigen Schmerzen subtil – durch verminderte Fellpflege, Unsauberkeit, Rückzug oder Aggressivität bei Berührung.
- Fieber und Allgemeinstörung: Bei infektiöser Arthritis treten häufig Fieber, Appetitlosigkeit und allgemeine Mattigkeit auf.
Diagnose
Die Diagnosestellung beginnt mit einer gründlichen klinischen Untersuchung. Der Tierarzt beurteilt den Gang des Tieres, tastet die Gelenke ab (Palpation) und prüft den Bewegungsumfang (Range of Motion). Dabei achtet er auf Krepitation (knirschende Geräusche), Ergussbildung und Schmerzreaktionen.
Bildgebende Verfahren spielen eine zentrale Rolle:
- Röntgenuntersuchung (Radiografie): Sie zeigt knöcherne Veränderungen wie Osteophytenbildung, Gelenkspaltverschmälerung oder Erosionen der Gelenkflächen. Im Frühstadium können die Befunde unauffällig sein.
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Eignet sich zur Darstellung von Gelenkergüssen und Weichteilveränderungen.
- Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT): Ermöglichen eine detaillierte Beurteilung von Knorpel, Bändern und Weichteilstrukturen, besonders bei komplexen Fällen.
Bei Verdacht auf eine infektiöse oder immunvermittelte Arthritis ist die Gelenkpunktion (Arthrozentese) entscheidend. Die gewonnene Synovia (Gelenkflüssigkeit) wird zytologisch untersucht und gegebenenfalls bakteriologisch kultiviert. Blutuntersuchungen – darunter Entzündungsparameter, Rheumafaktor und Antikörper gegen Borrelien – ergänzen die Diagnostik.
Behandlung & Therapie
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und umfasst in der Regel mehrere Säulen:
- Medikamentöse Behandlung: Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAIDs)