Alpenkrähe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pyrrhocorax pyrrhocorax
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Rabenvögel (Corvidae)
- Gattung: Pyrrhocorax
- Lebensraum: Felsige Gebirgslandschaften, Steilküsten, alpine Matten
- Größe: 37–41 cm Körperlänge, Flügelspannweite 73–90 cm
- Gewicht: 280–380 g
- Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Alpenkrähe trägt ein vollständig schwarzes Gefieder mit einem deutlichen blaugrünen bis violetten Metallglanz, der bei Sonnenlicht besonders hervortritt. Von anderen schwarzen Rabenvögeln unterscheidet sie sich durch ihren langen, gebogenen Schnabel von leuchtend roter Farbe. Auch die Beine und Füße sind rot gefärbt – ein Merkmal, das sie eindeutig von der nah verwandten Alpendohle (Pyrrhocorax graculus) abgrenzt. Letztere besitzt einen kürzeren, gelben Schnabel und ebenfalls rote Beine, wird aber häufig mit der Alpenkrähe verwechselt. Beide Arten bilden zusammen die Gattung Pyrrhocorax innerhalb der Familie der Rabenvögel.
Die Flügel der Alpenkrähe sind breit und gefingert, was ihr eine hervorragende Manövrierfähigkeit in Aufwinden und Thermik verschafft. Die Schwanzfedern sind mittellang und leicht gerundet. Ein Geschlechtsdimorphismus ist äußerlich kaum ausgeprägt; Männchen sind im Durchschnitt nur geringfügig größer als Weibchen. Jungvögel erkennt man am zunächst orangefarbenen Schnabel und den bräunlicheren Beinen, die sich erst im Laufe des ersten Lebensjahres zur typischen Rotfärbung entwickeln.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Alpenkrähe erstreckt sich in mehreren disjunkten Populationen von Westeuropa über Nordafrika und den Nahen Osten bis nach Zentralasien und China. In Europa brütet die Art unter anderem in den Alpen, den Pyrenäen, auf der Iberischen Halbinsel, in der Bretagne, in Wales, Irland, Schottland sowie auf verschiedenen Mittelmeerinseln wie Korsika, Sardinien und Kreta. In den Alpen kommt sie vor allem in Höhenlagen zwischen 1.500 und 3.000 Metern vor, nutzt aber gelegentlich auch tiefere Lagen.
Das bevorzugte Habitat umfasst offene, kurzrasige Flächen in Kombination mit Felsformationen, Klippen oder alten Gebäuden, die als Brutplätze dienen. Alpine Matten, extensiv beweidete Bergwiesen und Steilküsten bieten ideale Bedingungen. Anders als die Alpendohle, die in den Alpen deutlich häufiger ist und regelmäßig bis über 3.500 Meter aufsteigt, bevorzugt die Alpenkrähe etwas tiefere und wärmere Biotope. An den atlantischen Küsten Großbritanniens und Irlands besiedelt sie Steilklippen auf Meereshöhe – ein Hinweis darauf, dass nicht die Höhenlage, sondern die Kombination aus kurzem Grasland und Felsnischen den entscheidenden Lebensraumfaktor darstellt.
Ernährung
Die Alpenkrähe ernährt sich überwiegend von Wirbellosen, insbesondere von Insekten und deren Larven. Tipuliden-Larven (Schnaken), Käfer, Ameisen und Spinnen bilden den Hauptbestandteil der Nahrung. Sie sucht ihre Beute bevorzugt in kurzem Grasland, wobei sie mit dem gebogenen Schnabel geschickt im Boden stochert und unter Steinen nach Beutetieren sucht. Die Schnabelform ist eine deutliche Anpassung an diese Art der Nahrungssuche und unterscheidet die Alpenkrähe funktionell von anderen Rabenvögeln.
Im Herbst und Winter ergänzt die Art ihren Speiseplan durch Beeren, Früchte und Getreidekörner. An Küstenstandorten werden auch kleine Krebstiere und andere marine Wirbellose aufgenommen. Die Abhängigkeit von extensiv bewirtschaftetem Grasland macht die Alpenkrähe empfindlich gegenüber Veränderungen der Landnutzung.
Verhalten & Lebensweise
Die Alpenkrähe ist ein tagaktiver Vogel mit ausgeprägtem Sozialverhalten. Außerhalb der Brutzeit bildet sie Schwärme von bis zu mehreren Dutzend Individuen, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen und gemeinschaftliche Schlafplätze in Felshöhlen oder an geschützten Klippen aufsuchen. Im Flug zeigt die Art spektakuläre akrobatische Manöver – Sturzflüge, Rollen und Loopings gehören zum Repertoire und dienen sowohl der Balz als auch der sozialen Interaktion.
Die Rufe der Alpenkrähe sind charakteristisch und unterscheiden sich deutlich von denen anderer Rabenvögel. Der häufigste Ruf ist ein helles, durchdringendes „tschiaa" oder „krii-ah", das an ruhigen Bergtagen weit zu hören ist. Die Art ist überwiegend standorttreu; größere Wanderungen finden in der Regel nicht statt, wenngleich im Winter ein Abwandern in tiefere Lagen beobachtet wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Alpenkrähe führt eine monogame Dauerehe. Paare bleiben oft über viele Jahre zusammen und nutzen denselben Brutplatz wiederholt. Die Balz beginnt im Frühjahr und beinhaltet gemeinsame Flugspiele sowie gegenseitige Gefiederpflege. Das Nest wird in Felsspalten, Höhlen, an Steilwänden oder in alten Mauerwerken errichtet und besteht aus Zweigen, Gras, Wurzeln und Wolle.
Das Gelege umfasst in der Regel drei bis fünf Eier, die vom Weibchen allein über einen Zeitraum von 17 bis 21 Tagen bebrütet werden. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die Jungvögel sind Nesthocker und werden von beiden Elternteilen gefüttert. Nach etwa 38 bis 40 Tagen verlassen sie das Nest, bleiben aber noch mehrere Wochen im Familienverband und werden weiterhin von den Altvögeln betreut