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Rabenkrähe

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Tierart – Vögel > Singvögel – Rabenvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Corvus corone
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Rabenvögel (Corvidae)
  • Gattung: Raben und Krähen (Corvus)
  • Lebensraum: Offene und halboffene Kulturlandschaften, Waldränder, Parks, Stadtgebiete
  • Größe: 44–51 cm Körperlänge, Flügelspannweite 93–104 cm
  • Gewicht: 370–650 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 19 Jahre in freier Wildbahn, in Einzelfällen über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Rabenkrähe ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Singvogel mit vollständig schwarzem Gefieder. Federn, Schnabel, Beine und Krallen zeigen ein einheitliches, tiefes Schwarz, wobei das Gefieder bei günstiger Belichtung einen leichten blau-violetten oder grünlichen Metallglanz aufweist. Der Schnabel ist kräftig, leicht gebogen und an der Basis mit kurzen, borstenartigen Federn bedeckt, die die Nasenlöcher überdecken – ein typisches Merkmal, das sie vom Kolkraben und insbesondere von der Saatkrähe unterscheidet, deren Schnabelbasis im Alter kahl und weißlich-grau erscheint.

Der Schwanz ist gerade abgeschnitten bis leicht gerundet, was die Rabenkrähe im Flug vom Kolkraben unterscheidet, der einen deutlich keilförmigen Stoß besitzt. Auch in der Körpergröße unterscheiden sich beide Arten deutlich: Der Kolkrabe ist mit bis zu 67 cm Körperlänge wesentlich größer. Männchen und Weibchen der Rabenkrähe sind äußerlich nicht zu unterscheiden; es besteht kein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus.

Jungvögel ähneln den Altvögeln, wirken jedoch matter und zeigen ein weniger glänzendes Gefieder. Die Iris ist bei adulten Tieren dunkelbraun.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Rabenkrähe erstreckt sich über weite Teile West- und Mitteleuropas sowie über Ostasien. In Europa besiedelt sie den Raum westlich einer Linie, die etwa von Dänemark über Mitteldeutschland bis nach Norditalien verläuft. Östlich dieser Zone wird sie durch die nah verwandte Nebelkrähe (Corvus cornix) abgelöst, mit der sie in einer schmalen Hybridzone fruchtbare Nachkommen zeugt. Taxonomisch werden Rabenkrähe und Nebelkrähe heute als eigenständige Arten geführt, nachdem sie lange als Unterarten einer einzigen Spezies galten.

Als Habitat bevorzugt die Rabenkrähe offene und halboffene Landschaften mit einzelnen Bäumen oder Baumgruppen. Sie ist in Agrarlandschaften, an Waldrändern, in Flussauen, auf Wiesen und Weiden ebenso anzutreffen wie in städtischen Parks, Friedhöfen und Siedlungsgebieten. Die Art zeigt eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit an menschlich geprägte Biotope und hat in den vergangenen Jahrzehnten urbane Lebensräume zunehmend besiedelt. In Mitteleuropa ist sie vom Tiefland bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern verbreitet.

Die Rabenkrähe ist ein Standvogel und Kurzstreckenzieher. Die meisten mitteleuropäischen Populationen verbleiben ganzjährig in ihrem Revier, während nordöstliche Brutvögel im Winter gelegentlich nach Süden oder Westen ausweichen.

Ernährung

Die Rabenkrähe ist ein ausgesprochener Allesfresser (Omnivore). Ihr Nahrungsspektrum umfasst Insekten und deren Larven, Regenwürmer, Schnecken, kleine Wirbeltiere wie Mäuse und Eidechsen, Eier und Jungvögel anderer Arten, Aas, Getreide, Obst, Samen und menschliche Nahrungsabfälle. In städtischen Lebensräumen nutzt sie Abfallbehälter und Komposthaufen als Nahrungsquelle.

Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Boden. Rabenkrähen gehen dabei schreitend vor und stochern mit dem Schnabel in der Erde oder drehen Steine und Laub um. Sie sind in der Lage, hartschalige Nahrung – etwa Nüsse oder Muscheln – aus der Höhe auf feste Untergründe fallen zu lassen, um sie zu öffnen. Dieses Verhalten zählt zu den Formen des Werkzeuggebrauchs, die bei verschiedenen Corviden-Arten dokumentiert sind.

Verhalten & Lebensweise

Rabenkrähen sind tagaktive Vögel, die ihre Aktivität mit der Morgendämmerung beginnen und bei Einbruch der Dunkelheit aufgeben. Während der Brutzeit leben sie territorial in Paaren und verteidigen ihr Revier energisch gegen Artgenossen und andere Eindringlinge, darunter auch deutlich größere Greifvögel. Nicht brütende Individuen – vor allem Jungvögel der Vorjahre – schließen sich zu lockeren Schwärmen zusammen.

Außerhalb der Brutzeit bilden Rabenkrähen an günstigen Schlafplätzen teils große Schlafgemeinschaften, die mehrere hundert bis tausend Individuen umfassen können. Diese Schlafbäume werden oft über Jahre hinweg genutzt.

Die kognitive Leistungsfähigkeit der Rabenkrähe ist Gegenstand zahlreicher Studien. Die Art zeigt kausales Denken, Gedächtnisleistungen und soziales Lernen. Rabenkrähen erkennen einzelne menschliche Gesichter wieder und können diese Information an Artgenossen weitergeben. Ihr Rufrepertoire ist vielfältig; der typische Ruf ist ein raues, mehrfach wiederholtes „kraa" oder „krah".

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt bereits im späten Winter. Paare, die häufig eine lebenslange Bindung eingehen, festigen ihre Beziehung durch gegenseitiges Gefiederkraulen, gemeinsame Flüge und Futterübergaben. Das Nest wird hoch in Baumkronen, gelegentlich auch auf Masten oder Gebäuden errichtet. Beide Partner beteiligen sich am Nestbau. Das Nest besteht aus Zweigen und wird innen mit Moos, Gras, Wolle, Haaren und anderen weichen Materialien ausgepolst