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Bartgeier

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Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Gypaetus barbatus
  • Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
  • Familie: Habichtartige (Accipitridae)
  • Gattung: Gypaetus
  • Lebensraum: Hochgebirge, Felswände, alpine Matten
  • Größe: 94–125 cm Körperlänge, Flügelspannweite 250–290 cm
  • Gewicht: 5–7 kg
  • Lebenserwartung: 20–30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 40 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Bartgeier zählt zu den größten flugfähigen Vögeln Europas. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 290 Zentimetern übertrifft er selbst den Steinadler deutlich. Der Körperbau ist schlank und langgestreckt, die Flügel sind lang und spitz zulaufend, der keilförmige Schwanz auffallend lang – ein Merkmal, das ihn im Flug von anderen Großgreifvögeln und Geiern gut unterscheidbar macht.

Das Gefieder adulter Tiere zeigt eine kontrastreiche Färbung: Die Oberseite ist schiefergrau bis schwarz, die Unterseite und der Kopf sind weißlich bis rostrot. Die orange- bis rostfarbene Tönung der Brustfedern entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch das gezielte Einreiben mit eisenoxidhaltigem Schlamm – ein Verhalten, das bei kaum einem anderen Vogel bekannt ist. Jungvögel tragen in den ersten Jahren ein überwiegend dunkelbraunes Gefieder und erreichen die Erwachsenenfärbung erst mit etwa fünf bis sieben Jahren.

Namensgebend ist der auffällige schwarze Federbart unterhalb des Schnabels. Die Iris ist beim Altvogel auffallend gelb bis rot gefärbt, umgeben von einem roten Skleralring. Die kräftigen Fänge sind im Vergleich zu anderen Greifvögeln relativ schwach ausgebildet, da der Bartgeier seine Nahrung nicht im aktiven Zugriff erbeutet.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Bartgeiers erstreckt sich über die Hochgebirgsregionen Eurasiens und Afrikas. In Europa besiedelt die Art die Pyrenäen, die Alpen, Korsika, Kreta und den Balkan. In Asien reicht das Habitat vom Kaukasus über den Hindukusch bis in den Himalaya und die Gebirge Zentralchinas. In Afrika kommt die Art in den Gebirgen Äthiopiens, Ostafrikas und des Atlasgebirges vor.

Das bevorzugte Biotop sind offene, felsige Gebirgslandschaften in Höhenlagen zwischen 500 und 4.500 Metern, in Zentralasien vereinzelt bis über 7.000 Meter. Der Bartgeier benötigt steile Felswände als Brut- und Ruheplätze sowie ausgedehnte Weideflächen mit Populationen großer Huftiere, die als Nahrungsgrundlage dienen. Dichte Bewaldung wird gemieden.

In den Alpen war die Art Anfang des 20. Jahrhunderts vollständig ausgerottet. Seit 1986 werden im Rahmen eines international koordinierten Wiederansiedlungsprojekts Bartgeier in den Ostalpen, Westalpen und den Seealpen freigelassen. Mittlerweile brüten wieder rund 60–70 Paare in den Alpen, und die Population wächst langsam, aber stetig.

Ernährung

Der Bartgeier ist ein hochspezialisierter Aasfresser mit einer einzigartigen ökologischen Nische: Er ernährt sich zu 70–90 Prozent von Knochen und Knochenmark. Damit nutzt er eine Nahrungsquelle, die von keinem anderen Wirbeltier in vergleichbarem Umfang genutzt wird. Kleinere Knochen verschluckt er im Ganzen; sein extrem saurer Magensaft mit einem pH-Wert von etwa 1 löst Knochensubstanz innerhalb von 24 Stunden weitgehend auf.

Knochen, die zu groß zum Schlucken sind, transportiert der Bartgeier im Flug zu sogenannten Knochenschmieden – felsigen Stellen, auf die er die Knochen aus großer Höhe wiederholt fallen lässt, bis sie in schluckbare Stücke zerbrechen. Dieses Verhalten erfordert Übung und wird von Jungvögeln über Monate hinweg erlernt. Ergänzend nimmt der Bartgeier auch Sehnen, Haut und gelegentlich kleine Beutetiere wie Murmeltiere oder Schildkröten auf.

Durch seine Spezialisierung auf Knochen steht der Bartgeier in keiner direkten Nahrungskonkurrenz mit anderen Geiern wie dem Gänsegeier (Gyps fulvus) oder dem Mönchsgeier (Aegypius monachus), die vorwiegend Weichteile von Kadavern verwerten.

Verhalten & Lebensweise

Bartgeier sind tagaktive Vögel, die den Großteil des Tages im Suchflug über ihrem Revier verbringen. Sie nutzen dabei thermische Aufwinde und Hangaufwinde, um mit minimalem Energieaufwand große Strecken zurückzulegen. Ein Brutpaar beansprucht ein Revier von mehreren hundert Quadratkilometern, das ganzjährig besetzt und gegen Artgenossen verteidigt wird.

Außerhalb der Brutzeit sind Bartgeier weitgehend einzelgängerisch oder paarweise unterwegs. Jungvögel und subadulte Tiere streifen über weite Distanzen umher und durchqueren dabei häufig mehrere Gebirgsregionen, bevor sie im Alter von sechs bis acht Jahren ein eigenes Revier etablieren.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt im Spätherbst und umfasst gemeinsame Flugmanöver, bei denen die Partner synchron gleiten und sich gegenseitig mit den Fängen berühren. Bartgeier sind monogam und bleiben in der Regel lebenslang verpaart. Gelegentlich treten Triokonstellationen mit zwei Männchen und einem Weibchen auf, bei denen alle drei Altvögel an Brut und Aufzucht beteiligt sind.

Das Nest – ein massiver Horst aus Ästen, Knochen und Wolle – wird in geschützten Felsnischen angelegt, oft in Höhlen oder unter Überhängen. Das Gelege besteht meist aus zwei