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Gänsegeier

G

Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Gyps fulvus
  • Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
  • Familie: Habichtartige (Accipitridae)
  • Gattung: Gyps
  • Lebensraum: Felsige Gebirgslandschaften, offene Steppen und Halbwüsten
  • Größe: 95–110 cm Körperlänge, Flügelspannweite 240–280 cm
  • Gewicht: 6–11 kg
  • Lebenserwartung: 35–40 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Gänsegeier gehört zu den größten flugfähigen Vögeln Europas. Sein Gefieder ist überwiegend sandbraun bis hellbraun gefärbt, wobei die Schwung- und Steuerfedern deutlich dunkler – fast schwarz – abgesetzt sind. Dieser Kontrast ist im Flugbild aus großer Entfernung gut erkennbar und ein verlässliches Bestimmungsmerkmal. Die Unterseite der Flügel zeigt helle Deckfedern und dunkle Schwungfedern, was den Gänsegeier im Gleitflug von verwandten Arten wie dem Mönchsgeier (Aegypius monachus) unterscheidet.

Der Kopf und der lange Hals sind nur mit kurzem, weißlichem Flaum bedeckt. Am Halsansatz sitzt eine auffällige Halskrause aus langen, weißen, flauschigen Federn, die bei Jungvögeln eher bräunlich ausfällt und sich erst mit zunehmender Reife aufhellt. Der kräftige, hakenförmige Schnabel ist gelblich-hornfarben, die Wachshaut an der Schnabelbasis dunkelgrau. Die Augen sind bei adulten Tieren bernsteinfarben bis gelblich, bei Jungvögeln dunkler. Die Beine und Füße sind kräftig, aber im Vergleich zu jagenden Greifvögeln wie Adlern relativ schwach bewehrt – ein Hinweis auf die nicht-räuberische Ernährungsweise.

Der nahezu unbefiederte Kopf und Hals sind eine Anpassung an die Ernährung von Kadavern: Beim Fressen im Inneren großer Tierkörper würde langes Gefieder stark verschmutzen und einen Nährboden für Bakterien bilden.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Gänsegeiers erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über den Mittelmeerraum, Südosteuropa und die Türkei bis nach Zentralasien, in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Die größten europäischen Populationen leben in Spanien, wo mehrere Zehntausend Brutpaare vorkommen. Weitere bedeutende Vorkommen gibt es in Kroatien, Serbien, Bulgarien, Griechenland und auf den Inseln Kreta, Sardinien und Mallorca.

Als Habitat bevorzugt der Gänsegeier felsige Gebirgsregionen mit Steilwänden und Klippen, die als Brutplätze dienen. Zur Nahrungssuche nutzt er offene, weiträumige Landschaften wie Steppen, Weideland und Halbwüsten. Entscheidend für das Vorkommen sind thermische Aufwinde und Hangaufwinde, die der Gänsegeier für seinen energiesparenden Segelflug benötigt. In Mitteleuropa kommt die Art nicht als regelmäßiger Brutvogel vor, allerdings werden im Sommer zunehmend umherstreifende Gänsegeier nördlich der Alpen gesichtet – unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ernährung

Der Gänsegeier ist ein obligater Aasfresser (Nekrophage). Er ernährt sich ausschließlich von Kadavern großer Säugetiere – in Europa vor allem von verendeten Nutztieren wie Schafen, Ziegen und Rindern, in anderen Teilen des Verbreitungsgebiets auch von Wildhuftieren. Lebende Beute wird nicht geschlagen.

Die Nahrungssuche erfolgt im Segelflug aus großer Höhe. Dabei nutzt der Gänsegeier sein hervorragendes Sehvermögen, um Kadaver am Boden oder bereits fressende Artgenossen zu erspähen. Ein einzelner absinkender Geier löst eine Kettenreaktion aus: Weitere Vögel im weiten Umkreis beobachten das Verhalten und folgen, sodass sich innerhalb kurzer Zeit Dutzende bis Hunderte Geier an einem Kadaver versammeln können. Dieses soziale Informationsnetzwerk ist für das Überleben der Art wesentlich, da Kadaver in der Landschaft unregelmäßig verteilt auftreten.

Am Kadaver spezialisiert sich der Gänsegeier auf die Weichteile und das Muskelfleisch. Sein langer Hals ermöglicht es ihm, tief in Körperhöhlen vorzudringen. Die Knochen und harten Teile überlässt er anderen Aasfressern, etwa dem Bartgeier (Gypaetus barbatus), der auf das Fressen von Knochen spezialisiert ist.

Verhalten & Lebensweise

Gänsegeier sind tagaktive, ausgesprochen gesellige Vögel. Sie brüten in Kolonien, die wenige Paare bis mehrere Hundert Brutpaare umfassen können. Außerhalb der Brutzeit schlafen sie an gemeinsamen Schlafplätzen in Felswänden, oft zusammen mit anderen Geierarten.

Der Flug ist die zentrale Fortbewegungsart. Gänsegeier sind ausgezeichnete Segelflieger, die thermische Aufwinde nutzen, um mit minimalem Energieaufwand große Strecken zurückzulegen. Tägliche Suchflüge von über 100 Kilometern sind dokumentiert. Der Flügelschlag ist selten und schwerfällig; am Boden bewegen sich Gänsegeier unbeholfen. Sie starten bevorzugt von erhöhten Felsvorsprüngen und benötigen Aufwinde zum Abheben.

Gänsegeier sind Standvögel oder Teilzieher. Während adulte Tiere in Südeuropa meist ganzjährig in der Nähe ihrer Brutkolonie bleiben, zeigen Jungvögel ein ausgeprägtes Dispersalverhalten und können bis nach Nordeuropa oder Westafrika wandern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt im Winter, meist zwischen Dezember und Februar. Die Paarbindung ist monogam und oft lebenslang. Zur Balz