Gerfalke
GTierart – Vögel > Greifvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Falco rusticolus
- Ordnung: Falkenartige (Falconiformes)
- Familie: Falken (Falconidae)
- Gattung: Falken (Falco)
- Lebensraum: Arktische und subarktische Tundra, Küstenklippen, Gebirgsregionen der Nordhalbkugel
- Größe: 48–65 cm Körperlänge, Flügelspannweite 110–160 cm
- Gewicht: Männchen 800–1.300 g, Weibchen 1.400–2.100 g
- Lebenserwartung: Etwa 13–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Gerfalke ist der größte Vertreter der Familie der Falken und übertrifft in seinen Maßen selbst den bekannten Wanderfalken (Falco peregrinus) deutlich. Wie bei vielen Greifvögeln sind die Weibchen erheblich größer und schwerer als die Männchen – ein Phänomen, das als reverser Geschlechtsdimorphismus bezeichnet wird.
Das Gefieder des Gerfalken tritt in drei Grundfarbmorphen auf: weiß, grau und dunkel. Weiße Morphen zeigen ein überwiegend reinweißes Federkleid mit vereinzelter dunkler Fleckung oder Bänderung an Flügeldecken und Rücken. Graue Morphen besitzen ein schiefergraues Obergefieder mit hellerer Unterseite, die dunkel gestreift oder gefleckt ist. Dunkle Morphen erscheinen bräunlich-grau bis fast schieferschwarz. Die Verteilung der Farbmorphen variiert geografisch: Weiße Vögel überwiegen in Grönland und im hohen Norden Kanadas, während graue und dunkle Morphen in Skandinavien, Island und Sibirien häufiger auftreten.
Der Körperbau ist kräftig und gedrungen mit breiter Brust und relativ langen, spitz zulaufenden Flügeln, die jedoch im Vergleich zu anderen Falken breiter angelegt sind. Der Schwanz ist verhältnismäßig lang. Die Wachshaut an der Schnabelbasis und der unbefiederte Orbitalring sind bei adulten Tieren gelblich. Die Fänge sind kräftig und gelb, mit langen Zehen und scharfen Krallen. Der Schnabel ist typisch falkenartig mit einem sogenannten Falkenzahn – einer Einkerbung am Oberschnabel, die zum Durchtrennen der Halswirbelsäule der Beute dient.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Gerfalken erstreckt sich zirkumpolar über die arktischen und subarktischen Regionen der Nordhalbkugel. Brutvorkommen existieren in Grönland, Island, Nordskandinavien, Nordrussland und Sibirien sowie in Nordkanada und Alaska. Der Gerfalke bewohnt offene Tundralandschaften, felsige Küstenabschnitte, Gebirgsregionen oberhalb der Baumgrenze und die Randzone der borealen Nadelwälder (Taiga).
Als Habitat bevorzugt er Gebiete mit Klippen und Felswänden, die als Brutplätze dienen, in Kombination mit weiten, offenen Jagdgebieten. In manchen Regionen nutzt er auch Flussschluchten und Steilhänge im Landesinneren. Während der Wintermonate ziehen einige Populationen in gemäßigtere Breiten, doch viele Gerfalken verbleiben ganzjährig in ihrem Brutgebiet, solange ausreichend Beute verfügbar ist. Winterliche Beobachtungen in Mitteleuropa sind äußerst selten und betreffen in der Regel einzelne umherstreifende Individuen.
Ernährung
Die Nahrung des Gerfalken besteht vorwiegend aus mittelgroßen Vögeln und Säugetieren. In vielen Teilen des Verbreitungsgebiets bilden Schneehühner – insbesondere das Alpenschneehuhn (Lagopus muta) und das Moorschneehuhn (Lagopus lagopus) – die Hauptbeute. Ihr Anteil an der Nahrung kann je nach Region und Jahreszeit über 80 Prozent betragen. Daneben erbeutet der Gerfalke Enten, Limikolen, Möwen, Tauben und kleinere Singvögel.
Unter den Säugetieren spielen Lemminge, Wühlmäuse und junge Schneehasen eine Rolle, vor allem wenn Vogelbeute knapp ist. Die Jagd erfolgt überwiegend in niedrigem, schnellem Flug dicht über dem Boden, wobei der Gerfalke Beutetiere durch plötzliche Beschleunigung überrascht. Anders als der Wanderfalke, der seine Beute bevorzugt im spektakulären Sturzflug (Stoop) schlägt, jagt der Gerfalke häufiger in horizontaler Verfolgung. Er ist dennoch in der Lage, Stoßflüge aus größerer Höhe durchzuführen und erreicht dabei erhebliche Geschwindigkeiten.
Verhalten & Lebensweise
Der Gerfalke ist tagaktiv und beansprucht große Reviere, die je nach Beutedichte mehrere Hundert Quadratkilometer umfassen können. Außerhalb der Brutzeit lebt er einzelgängerisch. Er zeigt ein eher ruhiges Temperament und ist am Brutplatz weniger aggressiv gegenüber Eindringlingen als etwa der Wanderfalke, verteidigt sein Nest aber durchaus entschlossen gegen Raubmöwen, Kolkraben und Polarfüchse.
Die Flugweise ist kraftvoll mit flachen, schnellen Flügelschlägen und kurzen Gleitphasen. In der arktischen Umgebung, in der die Sommer extrem lang und die Winter extrem kurz an Tageslicht sind, passt der Gerfalke seine Aktivitätsphasen dem jahreszeitlichen Lichtangebot an. Während der Polarnacht ist seine Aktivität stark eingeschränkt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt je nach Breitengrad zwischen Februar und April. Beide Partner führen gemeinsame Balzflüge durch, bei denen sie sich gegenseitig in Sturzflügen und Wendungen folgen. Der Gerfalke baut kein eigenes Nest, sondern nutzt Felsbänder, Nischen in Steilwänden oder verlassene Horste anderer Großvögel, insbesondere von Kolkraben oder Rauhfußbussarden.
Das Gelege umfasst in der