Bergamasker
BRassen > Hunderassen – Hütehunde
Steckbrief
- Herkunft: Italien (Provinz Bergamo, Lombardei)
- FCI-Gruppe: Gruppe 1 – Hütehunde und Treibhunde, Sektion 1 – Schäferhunde (Nr. 194), ohne Arbeitsprüfung
- Widerristhöhe: Rüden 58–62 cm, Hündinnen 54–58 cm
- Gewicht: Rüden 32–38 kg, Hündinnen 26–32 kg
- Lebenserwartung: 13–15 Jahre
- Fell/Farben: Langes, raues Deckhaar mit dichter, feiner Unterwolle; bildet charakteristische Filzzotten (sogenannte „Flocks"). Farben: einheitlich grau, grau gefleckt, schwarz, isabellfarben; weiße Abzeichen sind in begrenztem Umfang zulässig.
Herkunft & Geschichte
Der Bergamasker Hirtenhund – italienisch Cane da Pastore Bergamasco – gehört zu den ältesten Hütehunderassen Europas. Seine Abstammung lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, wobei die genauen Ursprünge im Dunkeln liegen. Vermutet wird eine Verwandtschaft mit zottelhaarigen Hirtenhunden aus dem vorderasiatischen Raum, die über Handelsrouten und Wanderbewegungen in die Alpenregion gelangten. Fest steht, dass diese Hunde seit Jahrhunderten in der Provinz Bergamo und den umliegenden Tälern der lombardischen Voralpen als unverzichtbare Arbeitshunde der Schäfer dienten.
Ihre Aufgabe bestand darin, Herden eigenständig über unwegsames Gebirgsgelände zu führen, zusammenzuhalten und vor Raubtieren zu schützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Zahl der Bergamasker dramatisch zurück, da die traditionelle Wanderschäferei in Norditalien stark abnahm. Engagierte Züchter, allen voran die italienische Tierärztin Dr. Maria Andreoli, setzten sich ab den 1960er-Jahren für den Erhalt der Rasse ein. 1956 wurde der Rassestandard von der FCI offiziell anerkannt. Heute betreuen nationale und internationale Zuchtverbände die Zucht, wobei der Bergamasker nach wie vor eine seltene Rasse mit überschaubarer Population ist.
Aussehen & Rassemerkmale
Das auffälligste Merkmal des Bergamaskers ist sein einzigartiges Fell. Es besteht aus drei verschiedenen Haartypen: einem öligen, rauen Deckhaar, einer weicheren, wolligen Zwischenschicht und feiner Unterwolle. Diese drei Schichten verfilzen ab einem Alter von etwa zwei bis drei Jahren zu den typischen flachen, breiten Zotten – den sogenannten Flocks. Sie bedecken den gesamten Körper und reichen bis zum Boden. Dieses natürliche Filzkleid schützte den Hund in seiner Arbeitsumgebung hervorragend vor Kälte, Nässe, Sonneneinstrahlung sowie vor Bissen durch Raubtiere und Dornengestrüpp.
Unter dem imposanten Haarkleid verbirgt sich ein kräftig gebauter, gut proportionierter Hund mit starkem Knochenbau. Der Kopf ist breit mit einem deutlich ausgeprägten Stop. Die Augen sind unter dem Stirnhaar oft kaum sichtbar, haben eine kastanienbraune Farbe und verleihen dem Hund einen aufmerksamen, ruhigen Ausdruck. Die Ohren sind halbhängend und dreieckig. Die Rute wird in Ruhe hängend getragen und reicht bis zum Sprunggelenk; in Bewegung schwingt sie leicht aufwärts.
Charakter & Wesen
Der Bergamasker ist ein Hund von bemerkenswerter Intelligenz und ausgeprägter Eigenständigkeit. Jahrhundertelang war er darauf selektiert, Entscheidungen beim Hüten eigenverantwortlich zu treffen – eine Eigenschaft, die seinen Charakter bis heute prägt. Er ist treu, anhänglich und geht eine tiefe Bindung zu seiner Bezugsperson und seiner Familie ein, ohne dabei aufdringlich zu sein.
Fremden gegenüber verhält er sich zunächst reserviert und wachsam, jedoch niemals grundlos aggressiv. Er beobachtet neue Situationen genau und reagiert besonnen. Im Umgang mit Kindern zeigt er sich geduldig und sanft. Gegenüber anderen Haustieren ist er in der Regel verträglich, insbesondere wenn er frühzeitig sozialisiert wurde.
Trotz seiner Gelassenheit im Haus ist der Bergamasker im Freien durchaus verspielt und bewegungsfreudig. Er braucht geistige Herausforderungen und schätzt Aufgaben, bei denen er mitdenken darf. Stumpfer Gehorsam liegt ihm fern – wer einen blindlings folgenden Hund sucht, ist mit dieser Rasse schlecht beraten. Wer jedoch einen Partner auf Augenhöhe möchte, findet im Bergamasker einen außergewöhnlich loyalen Begleiter.
Haltung & Pflege
Der Bergamasker ist kein Hund für eine Stadtwohnung. Er benötigt ausreichend Auslauf und Platz, idealerweise ein Haus mit Garten. Tägliche Spaziergänge von insgesamt mindestens ein bis zwei Stunden sollten selbstverständlich sein, ergänzt durch geistige Beschäftigung wie Fährtenarbeit, Hütetraining oder Suchspiele. Hundesportarten wie Agility oder Obedience eignen sich ebenfalls, auch wenn der Bergamasker dabei stets seinen eigenen Kopf einbringt.
Die Fellpflege unterscheidet sich grundlegend von der anderer Langhaarrassen. Das verfilzte Zottenfell darf und soll nicht gebürstet oder gekämmt werden. Im Gegenteil: Die Flocks müssen regelmäßig per Hand auseinandergezogen und sortiert werden, damit sie gleichmäßig wachsen und die Haut darunter ausreichend belüftet wird. In der Phase der Zottenbildung – zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr – erfordert dies besondere Aufmerksamkeit. Das ausgewachsene Zottenfell ist erstaunlich pflegeleicht, riecht kaum und trocknet relativ schnell. Regelmäßige Kontrollen auf Parasiten und Hautirritation sind dennoch wichtig. Baden sollte man den Bergamasker nur selten und ausschließlich bei Bedarf, da das Fell sehr lange zum Trocknen braucht.
Ernährung
Der Bergamasker st