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Berger-picard

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Rassen > Hunderassen – Hütehunde

Steckbrief

  • Herkunft: Frankreich (Picardie)
  • FCI-Gruppe: Gruppe 1 – Hütehunde und Treibhunde, Sektion 1: Schäferhunde (Nr. 176), ohne Arbeitsprüfung
  • Größe: Rüden 60–65 cm, Hündinnen 55–60 cm
  • Gewicht: 23–32 kg
  • Lebenserwartung: 12–14 Jahre
  • Fell: Rauhaarig, halblang (5–6 cm), dicht und wetterfest mit feiner Unterwolle
  • Farben: Fauve (Rehbraun) in allen Schattierungen, Grau in allen Abstufungen; kleine weiße Abzeichen an Brust und Zehen sind zulässig

Herkunft & Geschichte

Der Berger Picard zählt zu den ältesten französischen Hütehunderassen. Seine Abstammung lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, wobei bereits auf Darstellungen aus dem 9. Jahrhundert Hunde zu sehen sind, die dem heutigen Erscheinungsbild stark ähneln. Benannt ist die Rasse nach der Picardie, einer historischen Region im Norden Frankreichs, in der diese robusten Arbeitshunde seit Jahrhunderten von Schäfern zum Hüten und Treiben von Herden eingesetzt wurden.

Die beiden Weltkriege trafen die Rasse hart. Besonders der Erste Weltkrieg, dessen Schlachtfelder mitten in der Picardie lagen, dezimierte den Bestand dramatisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Berger Picard fast ausgestorben. Engagierte Züchter begannen in den 1950er-Jahren systematisch mit dem Wiederaufbau der Population. Die offizielle Anerkennung durch die FCI erfolgte 1959, doch trotz dieses Meilensteins blieb die Rasse lange Zeit außerhalb Frankreichs weitgehend unbekannt.

Erst der US-amerikanische Kinofilm „Winn-Dixie – Mein zotteliger Freund" (2005), in dem ein Berger Picard die Hauptrolle spielte, brachte der Rasse internationale Aufmerksamkeit. Dennoch gilt der Berger Picard bis heute als selten. Seriöse Zuchtverbände wie der Club des Amis du Berger Picard in Frankreich und einzelne Vereine im VDH bemühen sich um eine gesunde, wesensstarke Zucht mit breiter genetischer Basis.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Berger Picard ist ein mittelgroßer, muskulöser und dabei elegant gebauter Hund mit unverwechselbarer Silhouette. Sein rauhaariges, leicht zerzaust wirkendes Fell verleiht ihm ein rustikales, charmantes Erscheinungsbild, das ihn sofort von anderen Schäferhunden unterscheidet. Das Deckhaar ist hart, griffig und trocken – weder lockig noch flach anliegend. Es bildet keinen Bart, aber markante buschige Augenbrauen, die dem Gesicht einen aufmerksamen, leicht verschmitzten Ausdruck verleihen.

Der Kopf ist kräftig, aber nicht massig, mit flachem Schädel und leichtem Stop. Die Ohren stehen aufrecht und sind mittelgroß – ein besonders charakteristisches Merkmal der Rasse. Die Augen sind mittelgroß, oval und von dunkler Farbe. Der Körper ist etwas länger als hoch, mit gerader Rückenlinie und gut bemuskelter Hinterhand. Die Rute wird in Ruhe hängend getragen und reicht bis zum Sprunggelenk; in Bewegung hebt der Hund sie bis auf Rückenhöhe, ohne sie einzurollen.

Die gesamte Erscheinung strahlt Kraft, Ausdauer und Wendigkeit aus – Eigenschaften, die der Berger Picard als Arbeitshund in der Ebene der Picardie über Jahrhunderte perfektioniert hat.

Charakter & Wesen

Der Berger Picard ist ein ausgesprochen intelligenter, lebhafter und eigenständig denkender Hund. Im Kern seines Wesens steckt der typische Hütehund: wachsam, aufmerksam und stets bereit, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig besitzt er einen ausgeprägten Sinn für Humor – Picard-Besitzer beschreiben oft das verschmitzte, fast clowneske Verhalten ihrer Hunde.

Seiner Bezugsfamilie gegenüber zeigt sich der Berger Picard treu, anhänglich und sensibel. Er baut enge Bindungen auf und reagiert feinfühlig auf die Stimmungen seiner Menschen. Grobe oder harte Erziehungsmethoden sind bei dieser Rasse kontraproduktiv – der Picard quittiert Ungerechtigkeit mit Sturheit und Rückzug. Mit positiver Verstärkung, Konsequenz und Geduld lernt er dagegen schnell und gerne.

Fremden gegenüber verhält sich der Berger Picard zunächst reserviert und abwartend, ohne dabei ängstlich oder aggressiv zu sein. Diese natürliche Wachsamkeit macht ihn zu einem zuverlässigen Wächter, der besonnen und nicht kläfffreudig agiert. Mit anderen Hunden und Haustieren kommt er bei guter Sozialisierung in der Regel problemlos aus.

Haltung & Pflege

Der Berger Picard ist kein Hund für eine Stadtwohnung ohne Garten. Als ehemaliger Arbeitshund benötigt er täglich ausreichend Auslauf und vor allem geistige Beschäftigung. Mindestens zwei Stunden aktive Bewegung pro Tag sollten eingeplant werden – idealerweise abwechslungsreich gestaltet durch Spaziergänge in der Natur, Joggen, Radfahren oder freies Laufen auf gesicherten Flächen.

Hundesportarten wie Agility, Obedience, Mantrailing oder natürlich Hütearbeit eignen sich hervorragend, um den Picard körperlich und mental auszulasten. Unterforderung führt bei dieser intelligenten Rasse schnell zu unerwünschtem Verhalten wie übermäßigem Bellen, Zerstörungswut oder Eigenbrötlerei.

Die Fellpflege gestaltet sich vergleichsweise unkompliziert. Das raue Fell neigt kaum zum Verfilzen und sollte etwa einmal wöchentlich gründlich durchgebürstet werden. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst ist häufigeres Bürsten empfehlenswert. Baden sollte man den Berger Picard nur bei Bedarf, um die natürliche Fettschicht des Fells zu erhalten. Ohren, Zähne und Krallen verdienen regelmäßige Kontrolle.

Ern