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Bestäuben

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Fachbegriffe (Aquaristik/Terraristik/Vogelhaltung) > Terraristik-Fachbegriffe

Definition & Überblick

Der Begriff Bestäuben bezeichnet in der Terraristik das gezielte Aufbringen von Vitamin- und Mineralpulvern auf Futterinsekten oder andere Futtertiere, bevor diese an Reptilien, Amphibien oder wirbellose Terrarienbewohner verfüttert werden. Im englischsprachigen Raum ist das Verfahren als „Dusting" bekannt und gehört zu den wichtigsten Maßnahmen der Supplementierung in der artgerechten Terraristik-Haltung.

Anders als in der Botanik, wo „Bestäuben" die Übertragung von Pollen beschreibt, meint der Fachbegriff in der Terraristik ausschließlich das Ummanteln von Futtertieren mit Nahrungsergänzungsmitteln. Ziel ist es, den Tieren im Gehege jene Nährstoffe zuzuführen, die sie unter natürlichen Bedingungen über ein vielfältigeres Nahrungsspektrum und über Sonnenlicht selbst aufnehmen würden. Ohne regelmäßiges Bestäuben drohen schwerwiegende Mangelerscheinungen wie Rachitis (metabolische Knochenerkrankung, MBD), Muskelschwäche oder ein geschwächtes Immunsystem.

Grundlagen & Voraussetzungen

Die drei wichtigsten Supplementgruppen, die beim Bestäuben zum Einsatz kommen, sind:

  • Kalziumpulver (ohne Vitamin D3) – das Standardpräparat für die meisten Fütterungen. Kalzium ist essenziell für den Knochenaufbau, die Muskelkontraktion und die Eibildung bei weiblichen Tieren.
  • Kalziumpulver mit Vitamin D3 – wird seltener eingesetzt, ist aber wichtig für Tiere, die keine ausreichende UVB-Bestrahlung erhalten. Vitamin D3 steuert die Kalziumaufnahme im Darm.
  • Multivitaminpräparate – enthalten zusätzlich Vitamin A, B-Komplex und Spurenelemente. Sie werden in größeren Abständen verabreicht, um Hypervitaminosen zu vermeiden.

Entscheidend ist das Kalzium-Phosphor-Verhältnis. In einer artgerechten Ernährung sollte dieses bei mindestens 2:1 zugunsten des Kalziums liegen. Die meisten handelsüblichen Futterinsekten wie Heimchen, Grillen und Mehlwürmer weisen jedoch ein ungünstiges Verhältnis auf – häufig sogar umgekehrt mit Phosphorüberschuss. Genau hier setzt das Bestäuben an und korrigiert dieses Ungleichgewicht.

Neben dem Bestäuben existiert mit dem „Gut Loading" eine ergänzende Methode: Futterinsekten werden 24 bis 48 Stunden vor der Verfütterung mit nährstoffreichem Futter wie Möhren, Löwenzahn oder speziellen Gut-Loading-Mischungen gefüttert. Beide Verfahren ergänzen sich und sollten kombiniert angewendet werden, um eine optimale Nährstoffversorgung im Terrarium sicherzustellen.

Praktische Umsetzung

Die gängigste Methode wird als „Shake-and-Feed"-Verfahren bezeichnet. Dabei werden die Futterinsekten in einen Plastikbeutel oder eine verschließbare Dose gegeben, eine kleine Menge Supplementpulver hinzugefügt und das Behältnis vorsichtig geschüttelt. Die Insekten erhalten so eine gleichmäßige, dünne Schicht des Präparats. Anschließend werden sie sofort an die Terrarientiere verfüttert.

Wichtige Punkte bei der Durchführung:

  • Zeitpunkt: Die bestäubten Futtertiere müssen unmittelbar nach dem Bestäuben ins Gehege gegeben werden. Insekten putzen sich und verlieren das Pulver innerhalb weniger Minuten.
  • Dosierung: Eine hauchdünne Schicht reicht aus. Die Futtertiere sollten leicht „gepudert" aussehen, nicht vollständig weiß verkrustet sein. Eine Überdosierung kann dazu führen, dass die Terrarientiere das Futter verweigern.
  • Häufigkeit: Als Faustregel gilt für die meisten insektenfressenden Reptilien: reines Kalzium bei jeder Fütterung, Kalzium mit D3 ein- bis zweimal pro Monat, Multivitamine ein- bis zweimal pro Monat. Die genaue Frequenz variiert je nach Art, Alter und UVB-Versorgung.
  • Jungtiere und trächtige Weibchen haben einen erhöhten Kalziumbedarf. Bei ihnen wird häufiger und großzügiger supplementiert.

Für Tiere, die nicht auf Futterinsekten angewiesen sind – etwa fruchtfressende Geckos oder Landschildkröten – wird das Pulver stattdessen über Obststücke, Gemüse oder Salat gestreut. Auch hier gilt: sofort anbieten, da das Pulver auf feuchten Oberflächen schnell verklumpt und seine Haftung verliert.

Häufige Fehler

  • Überdosierung von Vitamin D3 und Vitamin A: Beide sind fettlösliche Vitamine und werden im Körper gespeichert. Eine chronische Überdosierung führt zu Organschäden. Reines Kalzium dagegen ist schwer überzudosieren, da überschüssiges Kalzium bei gesunden Tieren ausgeschieden wird.
  • Vollständiger Verzicht auf Bestäubung: Manche Halter verlassen sich ausschließlich auf UVB-Lampen und abwechslungsreiches Futter. In den meisten Fällen reicht das jedoch nicht aus, um den Kalziumbedarf zu decken.
  • Veraltete oder falsch gelagerte Präparate: Vitaminpulver verliert bei Licht- und Luftkontakt rasch an Wirksamkeit. Geöffnete Behälter sollten dunkel, kühl und trocken gelagert und spätestens nach sechs Monaten ersetzt werden.
  • Falsche Präparatwahl: Nicht jedes Supplement eignet sich für jede Tierart. Chamäleons beispielsweise reagieren empfindlich auf vorgeformtes Vitamin A (Retinol) und benötigen Präparate mit Beta-Carotin als Vorstufe.
  • Bestäubung toter Futtertiere: Manche Halter bestäuben Frostfutter, das sie bereits aufgetaut haben. Das Pulver wird auf nassen Oberflächen schlecht aufgenommen und kann die Akz