Bracke
BRassen > Hunderassen – Jagdhunde
Steckbrief
- Herkunft: Mitteleuropa (Deutschland, Österreich, Skandinavien – je nach Schlag)
- FCI-Gruppe: Gruppe 6 – Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen, Sektion 1.3 (kleine Laufhunde)
- Rassestandard: Variiert je nach Unterart; bekannteste Vertreter: Deutsche Bracke (FCI-Nr. 299), Brandlbracke (FCI-Nr. 63), Steirische Rauhhaarbracke (FCI-Nr. 62), Tiroler Bracke (FCI-Nr. 68)
- Größe: 40–53 cm Widerristhöhe, abhängig vom Typ
- Gewicht: 15–25 kg
- Lebenserwartung: 10–14 Jahre
- Fell/Farben: Kurzes bis mittellanges, dichtes Stockhaar; typische Farben sind Rot, Schwarz-Loh (Brand), Tricolor oder Hirschrot mit weißen Abzeichen
Herkunft & Geschichte
Die Bracke gehört zu den ältesten Jagdhundetypen Europas. Ihre Abstammung lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, wo sie als „Brackierer" in Meuten zur Treibjagd auf Hasen, Füchse und Schwarzwild eingesetzt wurde. Der Begriff „Bracke" leitet sich vom althochdeutschen Wort „bracco" ab, das einen spürnasigen Hund bezeichnet. Bereits in mittelalterlichen Jagdschriften werden Bracken als ausdauernde, spurlaute Laufhunde beschrieben, die Wild über weite Strecken verfolgten und dem Jäger durch lautes Geläut die Fährte anzeigten.
Im Laufe der Jahrhunderte differenzierten sich regionale Schläge heraus. Die Deutsche Bracke entstand im Sauerland und Westfalen, die Brandlbracke und die Tiroler Bracke entwickelten sich im österreichischen Alpenraum, während die Steirische Rauhhaarbracke speziell für die Gebirgsjagd gezüchtet wurde. Im 19. Jahrhundert begannen Zuchtverbände, die einzelnen Typen systematisch zu erfassen und Rassestandards festzulegen. Der Deutsche Bracken-Club wurde 1896 gegründet und betreut die planmäßige Zucht der Deutschen Bracke bis heute. In Österreich übernahm der Österreichische Brackenverein die Betreuung der dortigen Schläge.
Während die Meutejagd in Mitteleuropa an Bedeutung verlor, bewährte sich die Bracke zunehmend als Einzeljagdhund für die Nachsuche, die Stöberjagd und die Schweißarbeit. Heute wird sie vorwiegend von aktiven Jägern geführt und ist als reiner Gebrauchshund weniger bekannt als viele andere Jagdhunderassen.
Aussehen & Rassemerkmale
Die Bracke ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Laufhund mit edlem, aber robustem Erscheinungsbild. Der Körperbau ist leicht gestreckt, die Läufe sind trocken bemuskelt und auf Ausdauer ausgelegt. Der Kopf zeigt einen leicht gewölbten Oberkopf, einen ausgeprägten Fang und tief angesetzte, lange Behänge, die dicht am Kopf anliegen. Die dunklen Augen verleihen der Bracke einen aufmerksamen, sanften Ausdruck.
Das Fell ist je nach Typ kurz und glatt (Brandlbracke, Deutsche Bracke) oder rau und hart (Steirische Rauhhaarbracke). Die Unterwolle ist dicht und schützt den Hund zuverlässig vor Nässe und Kälte – eine Notwendigkeit für die Arbeit in unwegsamem Gelände und bei rauem Gebirgsklima. Die Rute wird säbelförmig getragen und ist gut behaart. Rassetypisch ist der harmonische, raumgreifende Bewegungsablauf, der die enorme Ausdauer dieser Hunde widerspiegelt.
Charakter & Wesen
Die Bracke ist ein ausgesprochen passionierter Jagdhund mit feiner Nase, großer Spurwilligkeit und bemerkenswerter Ausdauer. Im Feld arbeitet sie selbstständig, spurlaut und mit unermüdlichem Eifer. Diese Eigenständigkeit macht sie zu einem verlässlichen Partner bei der Stöber- und Drückjagd sowie bei der Nachsuche auf krankes Wild.
Im häuslichen Umfeld zeigt sich die Bracke treu, anhänglich und ausgeglichen. Sie bindet sich eng an ihre Bezugsperson und ist im Umgang mit der Familie freundlich und gutmütig. Gegenüber Kindern verhält sie sich in der Regel geduldig und sanft. Fremden begegnet sie eher zurückhaltend, ohne dabei aggressiv zu sein. Wachsamkeit gehört durchaus zu ihren Eigenschaften, doch ein klassischer Wachhund ist sie nicht.
Ihr ausgeprägter Jagdtrieb und ihre Selbstständigkeit erfordern eine konsequente, aber ruhige Führung. Die Bracke ist sensibel und reagiert auf Härte mit Rückzug. Positive Bestätigung und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Hund und Führer bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Haltung & Pflege
Die Bracke ist kein Hund für die Stadtwohnung. Sie braucht täglichen, ausgiebigen Auslauf und sinnvolle Beschäftigung, die ihre Nase und ihre Ausdauer fordert. Idealerweise wird sie jagdlich geführt – das entspricht ihrem Naturell und hält sie körperlich wie geistig im Gleichgewicht. Ersatzweise eignen sich Fährtenarbeit, Mantrailing oder ausgedehnte Wanderungen in der Natur.
Die Fellpflege ist unkompliziert. Regelmäßiges Bürsten – ein- bis zweimal pro Woche – genügt, um lose Haare zu entfernen und die Hautdurchblutung anzuregen. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst sollte häufiger gebürstet werden. Die langen Behänge verdienen besondere Aufmerksamkeit: Sie sollten regelmäßig auf Verschmutzungen, Grannen und Parasiten kontrolliert werden, da die eingeschränkte Luftzirkulation Ohrenentzündungen begünstigen kann. Krallen, Zähne und Augen gehören ebenfalls zur routinemäßigen Kontrolle.
Ernährung
Die Bracke hat als aktiver Jagdhund einen erhöhten Energiebedarf, der sich an der tatsächlichen Arbeitsbelastung orientieren sollte. Hochwertiges Futter