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Braunbär

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Tierart – Säugetiere > Raubtiere – Bären

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ursus arctos
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Bären (Ursidae)
  • Gattung: Ursus
  • Lebensraum: Wälder, Gebirge, Tundra, Küstenregionen
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 170–280 cm, Schulterhöhe 90–150 cm
  • Gewicht: 100–780 kg (je nach Unterart und Geschlecht)
  • Lebenserwartung: 20–30 Jahre in freier Wildbahn, bis 40 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Braunbär ist nach dem Eisbären das zweitgrößte an Land lebende Raubtier der Erde. Sein massiger Körperbau, der ausgeprägte Muskelwulst im Nacken- und Schulterbereich – der sogenannte Buckel – sowie der breite, schwere Kopf sind kennzeichnend für die Art. Die Ohren sind relativ klein und gerundet, die Augen im Verhältnis zur Kopfgröße eher klein.

Das Fell variiert je nach Unterart, Jahreszeit und Individuum von hellblond über verschiedene Brauntöne bis nahezu schwarz. Im Winter ist das Haarkleid deutlich dichter und länger als im Sommer. Die Krallen der Vorderpranken sind lang, leicht gebogen und nicht einziehbar. Sie können eine Länge von bis zu 15 cm erreichen und dienen dem Graben nach Nahrung. Im Gegensatz zu vielen anderen Raubtieren tritt der Braunbär als Sohlengänger auf – er setzt beim Laufen die gesamte Fußsohle auf den Boden.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Braunbären erstreckt sich über weite Teile der Nordhalbkugel. In Nordamerika besiedelt er vor allem Alaska, den Westen Kanadas und den Nordwesten der USA. In Eurasien reicht sein Habitat von Skandinavien über Osteuropa und den Kaukasus bis nach Sibirien, Japan (Hokkaido) und Teile Zentralasiens. In Westeuropa existieren nur noch kleine, teils isolierte Populationen, etwa in den Pyrenäen, den Alpen, dem Dinarischen Gebirge und den Karpaten.

Der Braunbär bewohnt unterschiedlichste Biotope: dichte Nadelwälder und Mischwälder, alpine Matten, Tundra und Küstengebiete mit Lachsflüssen. Entscheidend für die Eignung eines Lebensraums sind ausreichend Nahrung, Deckung und ungestörte Rückzugsräume. In Mitteleuropa wurde die Art durch Jahrhunderte intensiver Bejagung und Lebensraumzerstörung weitgehend ausgerottet. Die natürliche Rückwanderung aus dem Alpen-Dinarischen Raum sorgt seit den 1990er-Jahren vereinzelt wieder für Sichtungen im Alpenraum – Schlagzeilen machte etwa der Bär „Bruno" (JJ1), der 2006 durch Bayern streifte.

Ernährung

Trotz seiner Zugehörigkeit zur Ordnung der Raubtiere ist der Braunbär ein ausgeprägter Allesfresser (Omnivor). Der pflanzliche Anteil der Nahrung überwiegt in den meisten Populationen deutlich und umfasst Gräser, Kräuter, Wurzeln, Knollen, Beeren, Nüsse und Pilze. Tierische Nahrung besteht aus Insekten und deren Larven, Kleinsäugern, Aas und gelegentlich größeren Huftieren wie Rothirschen oder Elchen – besonders wenn diese geschwächt oder jung sind.

In Regionen mit Lachswanderungen, etwa in Alaska oder Kamtschatka, stellt Fisch eine zentrale Proteinquelle dar, die es den Tieren ermöglicht, in kurzer Zeit enorme Fettreserven für die Winterruhe anzulegen. Einzelne Bären nehmen in der Vorbereitungsphase auf den Winter täglich bis zu 20.000 Kilokalorien auf – ein Verhalten, das als Hyperphagie bezeichnet wird.

Verhalten & Lebensweise

Braunbären sind überwiegend Einzelgänger. Adulte Tiere beanspruchen große Streifgebiete, die je nach Nahrungsangebot und Unterart zwischen 50 und über 2.000 Quadratkilometer umfassen können. Die Reviere von Männchen sind in der Regel deutlich größer als die der Weibchen und überlappen häufig mit mehreren weiblichen Streifgebieten.

Die Aktivitätszeiten sind flexibel. In Gebieten mit geringer menschlicher Störung sind Braunbären auch tagaktiv, in der Nähe von Siedlungen verschieben sie ihre Aktivität hingegen in die Dämmerungs- und Nachtstunden und werden somit vorwiegend nachtaktiv. An ergiebigen Nahrungsquellen wie Lachsflüssen tolerieren die Tiere die Anwesenheit von Artgenossen, wobei eine klare Rangordnung gilt, die durch Körpergröße, Alter und individuelles Durchsetzungsvermögen bestimmt wird.

In den Wintermonaten halten Braunbären eine Winterruhe, die nicht mit einem echten Winterschlaf zu verwechseln ist. Die Körpertemperatur sinkt nur leicht, Herzfrequenz und Stoffwechsel werden jedoch stark reduziert. Während dieser Phase, die je nach Region drei bis sieben Monate dauern kann, nehmen die Tiere weder Nahrung noch Wasser zu sich.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit – bei Bären nicht als Balz, sondern als Ranz bezeichnet – liegt zwischen Mai und Juli. Weibchen werden mit etwa vier bis sechs Jahren geschlechtsreif, Männchen erst mit fünf bis zehn Jahren. Nach der Befruchtung kommt es zu einer verzögerten Einnistung (Keimruhe): Die befruchtete Eizelle entwickelt sich erst im Herbst weiter, sodass die eigentliche Tragzeit nur etwa sechs bis acht Wochen beträgt.

Die Geburt erfolgt während der Winterruhe in der Höhle, meist zwischen Januar und März. Ein Wurf umfasst in der Regel ein bis drei, selten vier Jungtiere. Neugeborene Braunbären wiegen lediglich 300–500 Gramm, sind blind und nahezu nackt. In den folgenden Monaten wachsen sie rasch heran, gesäugt von der sehr fettreichen Milch der Mutter. Die Jungen bleiben zwei bis drei Jahre bei der Mutter, die in dieser Zeit nicht erneut trächtig wird.