Eisbär
ETierart – Säugetiere > Raubtiere – Bären
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ursus maritimus
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Bären (Ursidae)
- Gattung: Ursus
- Lebensraum: Arktische Packeisregionen, Küstengebiete und Inseln der Arktis
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 200–250 cm (Männchen), 180–210 cm (Weibchen)
- Gewicht: 400–700 kg (Männchen), 150–350 kg (Weibchen)
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre in freier Wildbahn, bis 40 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Eisbär ist das größte an Land lebende Raubtier der Erde. Sein Körperbau ist im Vergleich zu anderen Bärenarten langgestreckt, der Hals auffallend lang und der Kopf relativ klein und flach. Diese Proportionen sind eine Anpassung an die semi-aquatische Lebensweise und erleichtern das Schwimmen.
Das dichte Fell besteht aus einer Unterwolle und hohlen Deckhaaren, die Licht streuen und dem Eisbären sein charakteristisch weißes bis gelbliches Erscheinungsbild verleihen. Die Haare selbst sind pigmentlos und transparent. Unter dem Fell ist die Haut schwarz, was die Aufnahme von Wärmestrahlung begünstigt. Eine bis zu elf Zentimeter dicke Fettschicht unter der Haut dient als zusätzliche Isolationsschicht und Energiereserve.
Die Tatzen sind breit und erreichen einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern. Ihre Unterseiten sind teilweise behaart, was auf Eis und Schnee Rutschfestigkeit bietet. Zwischen den Zehen befinden sich kurze Schwimmhäute. Die gebogenen, kräftigen Krallen sind kürzer als bei Braunbären und dienen vorwiegend dem Greifen von Beute auf glattem Untergrund.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Eisbären umfasst die gesamte Arktis rund um den Nordpol. Er kommt in fünf Anrainerstaaten vor: Kanada, Russland, den Vereinigten Staaten (Alaska), Norwegen (Spitzbergen) und Grönland (Dänemark). Kanada beherbergt mit rund 60 Prozent des Gesamtbestandes die größte Population.
Sein bevorzugtes Habitat ist das arktische Meereis, insbesondere die Randzone von Packeis und offenen Wasserflächen – sogenannte Polynjas und Eisrinnen. Diese Übergangszonen bieten optimale Jagdbedingungen. Eisbären halten sich selten weit im Landesinneren auf, sondern bleiben in Küstennähe. Saisonale Wanderungen folgen dem Vordringen und Rückgang des Meereises. In eisfreien Sommermonaten ziehen sich manche Populationen auf Inseln oder an Küstenstreifen zurück, wo sie teils monatelang fasten müssen.
Weltweit existieren nach Schätzungen der IUCN Polar Bear Specialist Group etwa 22.000 bis 31.000 Eisbären, aufgeteilt in 19 Subpopulationen.
Ernährung
Der Eisbär ist unter den Bärenarten der am stärksten carnivor spezialisierte Vertreter. Seine Hauptbeute sind Ringelrobben (Pusa hispida) und Bartrobben (Erignathus barbatus). Er jagt, indem er an Atemlöchern im Eis oder an Eisschollen geduldig wartet – eine Methode, die als „Still-Jagd" bezeichnet wird. Taucht eine Robbe auf, schlägt er blitzschnell mit der Pranke zu und zieht die Beute aus dem Wasser.
Neben Robben erbeutet er gelegentlich Walrosse, kleine Wale, Seevögel und deren Eier. In den Sommermonaten, wenn das Meereis schmilzt und die Robbenjagd unmöglich wird, weichen Eisbären auf Aas, Fisch, Seetang, Beeren und Gräser aus. Diese pflanzliche Kost kann den hohen Energiebedarf jedoch nicht decken, sodass die Tiere in dieser Zeit stark an Gewicht verlieren.
Ein ausgewachsener Eisbär kann bis zu 45 Kilogramm Nahrung in einer einzigen Mahlzeit aufnehmen. Besonders die energiereiche Fettschicht der Robben – der Blubber – wird bevorzugt gefressen. An einem ergiebigen Riss teilen sich mitunter mehrere Eisbären die Beute, obwohl die Tiere sonst Einzelgänger sind.
Verhalten & Lebensweise
Eisbären leben als Einzelgänger und beanspruchen kein festes Revier. Ihre Streifgebiete sind enorm groß und können mehrere Tausend Quadratkilometer umfassen. Diese Gebiete überlappen sich häufig, da die Verteidigung eines festen Territoriums auf dem ständig in Bewegung befindlichen Meereis nicht praktikabel wäre.
Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, passen ihren Rhythmus aber flexibel an die arktischen Lichtverhältnisse an – in der Polarnacht und im Polartag verliert der Tag-Nacht-Rhythmus weitgehend seine Bedeutung. Eisbären sind ausdauernde Wanderer und ausgezeichnete Schwimmer. Strecken von über 100 Kilometern im offenen Meer wurden dokumentiert.
Im Gegensatz zu Braunbären halten Eisbären keine echte Winterruhe. Lediglich trächtige Weibchen graben sich im Herbst Geburtshöhlen in den Schnee und verbleiben dort mehrere Monate in einem Zustand herabgesetzter Stoffwechselaktivität. Männchen und nicht-trächtige Weibchen sind ganzjährig aktiv.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit – vergleichbar einer Balz bei anderen Tiergruppen – fällt in die Monate März bis Juni. Männchen verfolgen paarungsbereite Weibchen teils über weite Strecken, wobei es zwischen rivalisierenden Männchen zu heftigen Kämpfen kommen kann, die Narben und abgebrochene Zähne hinterlassen.
Nach der Befruchtung kommt es zu einer verzögerten Einnistung der befruchteten Eizelle (Keimruhe), sodass die eigentliche Embryonalentwicklung erst im Herbst beginnt. Die Gesamtt