Kodiakbär
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ursus arctos middendorffi
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Bären (Ursidae)
- Gattung: Ursus
- Lebensraum: Küstennahe Wälder, Flusstäler und alpine Tundra des Kodiak-Archipels, Alaska
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge bis 2,80 m; Schulterhöhe bis 1,50 m
- Gewicht: Männchen 270–650 kg (im Herbst bis über 750 kg), Weibchen 180–320 kg
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 35 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Kodiakbär gilt neben dem Eisbären als das größte an Land lebende Raubtier der Erde. Sein massiger Körperbau wird von einem breiten Schädel, kräftigen Kiefermuskeln und einem ausgeprägten Muskelbuckel über den Schultern geprägt – ein typisches Merkmal der Braunbären, das den Vorderbeinen enorme Grabkraft verleiht. Die Ohren sind im Verhältnis zum Kopf klein und abgerundet.
Das dichte Fell variiert farblich von hellblond über mittelbraun bis fast schwarz. Viele Individuen zeigen im Frühjahr nach der Winterruhe ein ausgebleichtes, struppiges Haarkleid, das im Sommer durch einen vollständigen Fellwechsel erneuert wird. Zur Herbstmast entwickelt sich unter der Haut eine Fettschicht von bis zu zehn Zentimetern Dicke, die dem Bären während der Winterruhe als Energiereserve dient. Die Pranken tragen lange, leicht gebogene Krallen von bis zu zehn Zentimetern Länge, die sowohl beim Graben nach Wurzeln als auch beim Fischfang zum Einsatz kommen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kodiakbären beschränkt sich auf den Kodiak-Archipel im Golf von Alaska – eine Inselgruppe, die aus der Hauptinsel Kodiak sowie den benachbarten Inseln Afognak und Shuyak besteht. Seit der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren lebt die Population isoliert vom Festland, was zur Ausdifferenzierung als eigenständige Unterart des Braunbären (Ursus arctos) führte.
Das Habitat umfasst dichte Sitka-Fichtenwälder in den Küstenregionen, offene Graslandschaften, subalpine Strauchzonen und alpine Tundra in den Höhenlagen. Entscheidend für die Besiedlung eines Biotops ist die Nähe zu Lachsgewässern: Flüsse und Bäche, in denen Pazifische Lachse zu ihren Laichplätzen aufsteigen, bilden die wichtigsten Nahrungshabitate. Auf einer Fläche von rund 13.000 Quadratkilometern leben heute etwa 3.500 Kodiakbären – eine der dichtesten Braunbärenpopulationen weltweit.
Ernährung
Trotz seiner Zugehörigkeit zur Ordnung der Raubtiere ernährt sich der Kodiakbär überwiegend omnivor. Über weite Teile des Jahres stehen pflanzliche Nahrungsquellen im Vordergrund: Gräser, Kräuter, Beeren – insbesondere Holunderbeeren und Blaubeeren – sowie Wurzeln und Knollen. Im Frühsommer ergänzen Muscheln, Seeigel und angeschwemmte Meereskadaver den Speiseplan.
Den ernährungsphysiologischen Höhepunkt bildet die Lachssaison von Juli bis Oktober. Während dieser Monate versammeln sich die Bären an den Flussläufen und fressen täglich bis zu 40 Kilogramm Lachsfleisch. Dieses enorme Nahrungsangebot ermöglicht die Anlage jener Fettreserven, die für das Überstehen der Winterruhe unerlässlich sind. Der proteinreiche Lachs ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass Kodiakbären eine deutlich größere Körpermasse erreichen als die meisten Braunbärenpopulationen des Festlands. Gelegentlich erbeuten sie auch Wühlmäuse, Murmeltiere oder Jungwild von Sitka-Schwarzwedelhirschen.
Verhalten & Lebensweise
Kodiakbären sind Einzelgänger ohne feste Revierverteidigung. Zwar nutzen einzelne Tiere bevorzugte Streifgebiete, doch überlappen sich diese großflächig mit denen anderer Individuen. An ergiebigen Lachsflüssen kommt es zu dichten Ansammlungen von mehreren Dutzend Bären auf engem Raum. Dort hat sich ein komplexes soziales Gefüge mit klaren Rangordnungen herausgebildet: Dominante Männchen beanspruchen die besten Fangplätze, während rangniedere Tiere und Weibchen mit Jungtieren auf weniger ergiebige Stellen ausweichen.
Die Aktivitätsphasen richten sich nach Nahrungsangebot und Jahreszeit. Während der Lachswanderung sind die Tiere sowohl tags als auch nachts aktiv. Im Spätherbst ziehen sie sich in selbst gegrabene oder natürliche Höhlen zurück und halten eine Winterruhe, die je nach Höhenlage und Geschlecht von Oktober bis April andauern kann. Anders als beim echten Winterschlaf sinkt die Körpertemperatur nur um wenige Grad, sodass die Bären bei Störungen rasch erwachen können.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit erstreckt sich von Mai bis Juni. Während dieser Phase suchen Männchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und legen dabei weite Strecken zurück. Konkurrenten werden durch Drohgebärden, Lautäußerungen und gelegentlich heftige Kämpfe auf Abstand gehalten. Bei der Befruchtung kommt es zu einer verzögerten Einnistung der Eizelle (Keimruhe): Der Embryo beginnt seine eigentliche Entwicklung erst im Herbst, wenn das Weibchen ausreichend Fettreserven aufgebaut hat.
Die Geburt erfolgt während der Winterruhe, meist im Januar oder Februar. Ein Wurf umfasst in der Regel zwei bis drei Jungtiere, die bei der Geburt blind und nur etwa 400 Gramm schwer sind. Die Bärin säugt die Jungen in der Höhle, bis sie im Frühjahr erstmals nach außen geführt werden. Die Jungtiere bleiben rund