Brut
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Definition und Überblick
Der Begriff Brut bezeichnet im zoologischen Kontext sowohl den Vorgang des Ausbrütens von Eiern als auch die daraus hervorgehende Nachkommenschaft selbst. Im engeren Sinne beschreibt Brut die Phase, in der befruchtete Eier durch Wärmezufuhr zur Entwicklung gebracht werden, bis die Jungtiere schlüpfen. Im weiteren Sinne umfasst der Begriff die gesamte Nachkommenschaft eines Elternpaares oder eines einzelnen Elterntieres innerhalb einer Fortpflanzungsperiode. Je nach Tierart, biologischer Strategie und Umweltbedingungen unterscheiden sich Brutverhalten, Brutdauer und Brutpflege erheblich voneinander.
Brut als Fortpflanzungsvorgang
Der eigentliche Brutvorgang – auch als Bebrütung oder Inkubation bezeichnet – ist vor allem bei Vögeln ein zentrales Element der Fortpflanzung. Das Elterntier oder beide Altvögel setzen sich auf das Gelege und übertragen Körperwärme auf die Eier. Die notwendige Bruttemperatur liegt bei den meisten Vogelarten zwischen 36 und 39 Grad Celsius. Während dieser Phase entwickelt sich der Embryo innerhalb der Eischale, bis er schlupfreif ist.
Die Brutdauer variiert stark zwischen den Arten. Kleine Singvögel wie Meisen oder Finken brüten etwa 12 bis 14 Tage, während große Greifvögel wie der Steinadler rund 43 bis 45 Tage auf ihren Eiern sitzen. Beim Wanderalbatros beträgt die Inkubationszeit sogar bis zu 80 Tage. Reptilien, die ihre Eier in Nester ablegen und der Sonnenwärme oder Gärungswärme überlassen, haben je nach Außentemperatur ebenfalls sehr unterschiedliche Entwicklungszeiten.
Neben der natürlichen Bebrütung durch Elterntiere spielt in der Geflügelzucht und in Artenschutzprogrammen die Kunstbrut eine bedeutende Rolle. Dabei werden Eier in speziellen Brutapparaten – sogenannten Inkubatoren oder Brutmaschinen – bei kontrollierter Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausgebrütet. Diese Methode ermöglicht eine höhere Schlupfrate und ist unabhängig vom Brutverhalten der Elterntiere.
Brut als Bezeichnung für die Nachkommenschaft
Im zweiten Wortsinn meint Brut die Gesamtheit der Jungtiere, die aus einem Gelege oder einem Wurf hervorgehen. Bei Vögeln spricht man je nach Kontext auch von Gelege (für die Eier) und Brut (für die geschlüpften Jungvögel). Bei Fischen bezeichnet Brut die frisch geschlüpften Larven, die auch als Fischbrut oder Jungfischbrut bekannt sind. In der Imkerei steht der Begriff für die sich entwickelnden Larven und Puppen der Honigbiene im Bienenstock, unterteilt in offene Brut (Larven in unverdeckelten Zellen) und verdeckelte Brut (Puppen in verschlossenen Zellen).
Die Anzahl der Nachkommen pro Brut – die sogenannte Gelegegröße oder Wurfgröße – hängt von der Fortpflanzungsstrategie der jeweiligen Art ab. Arten mit hoher Jungenmortalität, etwa viele Fisch- und Amphibienarten, produzieren Hunderte bis Tausende von Eiern pro Brut. Arten mit intensiver Brutpflege wie Albatrosse oder Elefanten bringen dagegen nur ein einzelnes Jungtier pro Fortpflanzungszyklus hervor.
Brutpflege und Brutverhalten
Eng mit dem Brutvorgang verknüpft ist die Brutpflege, also die Gesamtheit aller Verhaltensweisen, mit denen Elterntiere die Entwicklung und das Überleben ihrer Nachkommen sichern. Dazu gehören:
- Nestbau: Errichtung einer geschützten Brutstätte aus Pflanzenmaterial, Federn, Erde oder anderen Materialien
- Bebrütung: Wärmeregulation der Eier durch Körperkontakt
- Wenden der Eier: Regelmäßiges Drehen der Eier, um eine gleichmäßige Embryonalentwicklung zu gewährleisten
- Bewachung: Schutz des Geleges und der Jungtiere vor Fressfeinden
- Fütterung: Versorgung der geschlüpften Jungen mit Nahrung, bis diese selbstständig fressen können
Das Ausmaß der Brutpflege unterscheidet sich grundlegend zwischen Nesthockern und Nestflüchtern. Nesthocker wie Greifvögel, Singvögel oder Papageien schlüpfen nackt, blind und hilflos und sind über Wochen auf die Versorgung durch die Altvögel angewiesen. Nestflüchter wie Enten, Hühner oder Kraniche verlassen dagegen kurz nach dem Schlupf das Nest und können sich weitgehend selbstständig fortbewegen und Nahrung aufnehmen.
Anzahl der Bruten pro Jahr
Viele Tierarten bringen pro Jahr nur eine einzige Brut hervor. Man spricht dann von Einbrütern. Andere Arten, sogenannte Mehrbrüter, ziehen in einer Fortpflanzungssaison zwei oder mehr Bruten auf. Die Amsel etwa kann in Mitteleuropa bis zu drei Bruten pro Jahr großziehen, während der Mauersegler stets nur eine Jahresbrut hat. Bei tropischen Arten oder unter besonders günstigen Bedingungen kann die Brutfrequenz höher ausfallen.
Geht eine Brut durch Störung, Prädation oder Witterungseinflüsse verloren, reagieren viele Vogelarten mit einem Nachgelege – auch Ersatzbrut genannt. Dieses Nachgelege fällt in der Regel kleiner aus als das ursprüngliche Gelege und hat geringere Schlupferfolge.
Brut bei verschiedenen Tiergruppen
Obwohl der Begriff Brut am häufigsten im Zusammenhang mit Vögeln verwendet wird, findet er auch bei anderen Tiergruppen Anwendung. Krokodile und viele Schildkrötenarten vergraben ihre E