Brutzeit
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Definition und Überblick
Die Brutzeit bezeichnet den Zeitraum, in dem ein Tier seine Eier durch Bebrütung oder andere Formen der Wärmeübertragung bis zum Schlupf der Nachkommen ausbrütet. Im engeren Sinne beschreibt der Begriff die Dauer vom Beginn der festen Bebrütung bis zum Schlüpfen der Jungtiere. In einem weiteren Verständnis umfasst die Brutzeit auch die gesamte Brutperiode – also den saisonalen Abschnitt, in dem eine Tierart sich fortpflanzt, Nester baut, Eier legt und Junge aufzieht. Je nach Kontext und Tiergruppe unterscheidet sich die Bedeutung, weshalb eine klare Abgrenzung sinnvoll ist.
Die Brutzeit ist ein zentraler Begriff in der Ornithologie, spielt aber auch bei Reptilien, Amphibien, Fischen und wirbellosen Tieren eine Rolle. Bei Säugetieren wird stattdessen von Tragzeit oder Gestationsperiode gesprochen, da sich die Embryonen im Mutterleib entwickeln.
Brutzeit bei Vögeln
Vögel sind die bekannteste Tiergruppe, bei der das aktive Bebrüten von Eiern stattfindet. Die Brutdauer – also die Anzahl der Tage vom Beginn der festen Bebrütung bis zum Schlupf – variiert erheblich zwischen den Arten:
- Kleine Singvögel wie Meisen, Finken oder Rotkehlchen brüten etwa 11 bis 15 Tage.
- Mittelgroße Vögel wie Tauben benötigen rund 17 bis 19 Tage.
- Greifvögel wie der Mäusebussard brüten etwa 33 bis 35 Tage.
- Großvögel wie Schwäne oder Störche haben eine Brutdauer von 30 bis 36 Tagen.
- Albatrosse gehören mit bis zu 80 Tagen zu den Vögeln mit der längsten Brutdauer.
Während der Bebrütung halten die Altvögel die Eier auf einer konstanten Temperatur von etwa 37 bis 39 °C. Dafür entwickeln viele Arten einen Brutfleck – eine federlose, stark durchblutete Hautstelle am Bauch, die eine effiziente Wärmeübertragung ermöglicht. Bei manchen Arten brütet ausschließlich das Weibchen, bei anderen wechseln sich beide Elternteile ab, und bei einigen wenigen – etwa den Laufhühnern – übernimmt allein das Männchen die Brut.
Brutperiode und saisonale Steuerung
Die Brutperiode oder Brutsaison umfasst den gesamten Zeitraum, in dem eine Art zur Fortpflanzung schreitet. In Mitteleuropa erstreckt sich die allgemeine Brutzeit der meisten Vogelarten von März bis Juli, wobei einzelne Arten deutlich früher oder später brüten. Der Kolkrabe etwa beginnt bereits im Februar mit der Eiablage, während der Mauersegler erst im Mai oder Juni brütet.
Die saisonale Steuerung der Brutperiode erfolgt über verschiedene Faktoren. Die Photoperiode – also die Tageslichtlänge – gilt als wichtigster Zeitgeber. Zunehmende Tageslänge im Frühjahr stimuliert über die Zirbeldrüse und den Hypothalamus die Ausschüttung von Gonadotropinen, die wiederum die Reifung der Keimdrüsen auslösen. Daneben spielen Temperatur, Nahrungsverfügbarkeit und soziale Reize eine modulierende Rolle. In tropischen Regionen, wo die Tageslänge kaum schwankt, orientieren sich viele Arten stattdessen an Regenzeiten und dem damit verbundenen Nahrungsangebot.
Brutzeit bei Reptilien und anderen Tiergruppen
Bei Reptilien wird die Brutzeit häufig als Inkubationszeit bezeichnet. Die meisten Reptilienarten betreiben keine aktive Bebrütung, sondern verlassen sich auf Umgebungswärme. Schildkröten vergraben ihre Eier im Sand oder in Erdhöhlen, Eidechsen nutzen verrottende Vegetation oder sonnenexponierte Stellen. Die Inkubationszeit ist stark temperaturabhängig und kann bei manchen Schildkrötenarten zwischen 45 und 90 Tagen liegen. Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden Pythons, die sich um ihre Gelege ringeln und durch Muskelzittern aktiv Wärme erzeugen.
Bei vielen Reptilien beeinflusst die Inkubationstemperatur sogar das Geschlecht der Nachkommen – ein Phänomen, das als temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung (TSD) bekannt ist. Bei Meeresschildkröten beispielsweise entstehen bei höheren Temperaturen mehr Weibchen, bei niedrigeren mehr Männchen.
Unter den Amphibien legen die meisten Arten ihre Eier in Gewässer ab, wo die Entwicklung ohne elterliche Bebrütung verläuft. Die Entwicklungsdauer hängt stark von der Wassertemperatur ab. Einige tropische Froscharten zeigen jedoch ausgeprägte Brutpflege, etwa durch das Bewachen der Gelege oder den Transport der Kaulquappen.
Einflussfaktoren auf die Brutdauer
Die Länge der Brutzeit wird durch mehrere Faktoren bestimmt. Die Körpergröße der Art korreliert stark mit der Brutdauer: Größere Arten haben in der Regel längere Inkubationszeiten, da die Embryonen mehr Zeit für ihre Entwicklung benötigen. Auch der Entwicklungsgrad der Schlüpflinge spielt eine Rolle. Nestflüchter wie Enten oder Hühner schlüpfen mit offenen Augen, vollständigem Daunenkleid und der Fähigkeit, sofort zu laufen – sie benötigen entsprechend längere Brutzeiten. Nesthocker wie Singvögel schlüpfen dagegen nackt, blind und hilflos, weshalb ihre Brutdauer kürzer ist, dafür aber eine intensive Aufzuchtphase folgt.
Weitere Einflussfaktoren sind die Eischale und deren Dicke, die Umgebungstemperatur, die Regelmäßigkeit der Bebrütung sowie die Luftfeuchtigkeit am Brutplatz. In der künstlichen Brut – etwa in der Geflügelzucht – werden Temperatur und Feuchtigkeit in speziellen Brutapparaten